Meridiane und Tsubos aus der Sicht moderner Forschung


Die Jahrtausende alten Klassiker der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) sehen den Körper des Menschen überzogen und durchzogen von einem Geflecht von Meridianen und Verbindungsgefäßen, in dem die Lebensenergie Qi (japanisch: Ki) fließt. Diese Vorstellung galt in der westlichen Wissenschaft lange Zeit als völlig unwissenschaftlich und dem Bereich magischen Glaubens zugehörig. Entsprechend wurden die oft verblüffenden Effekte der Akupunktur als Suggestions- und Placebo-Effekte abgetan.

traditionelle Meridiandarstellung( Magen-Meridian)Mittlerweile gibt es allerdings durchaus wissenschaftliche Beweise für die Existenz von Meridianen und die Wirksamkeit der Akupunktur, aber trotz allem gibt es noch kein wissenschaftliches Erklärungsmodell, mit dem man die Anwendung der Akupunktur so gezielt und präzise erklären kann, wie mit den tradierten Vorstellungen der Traditionellen Fernöstlichen Medizin (wenngleich unklar bleibt, durch welches alte Wissen diese Theorien entwickelt wurden, oder ob das System der Akupunktur primär empirischen Ursprungs ist und dann aus religiösen Gründen in die Philosophie von Yin und Yang einbezogen wurde).

Ausgrabungen aus vorchristlicher Zeit (aus der Zeit der Han-Dynastie) zeigen, dass die Meridiane der Frühzeit noch keinen geschlossenen Kreislauf bildeten und keinen Bezug zu den Organen hatten. Anfänglich waren, so der Stand der Forschung heute, nur 11 Meridiane (6 an der unteren Extremität und 5 an der oberen Extremität) bekannt. Diese wurden erst später auf die uns heute bekannten 12 Meridiane erweitert. Schon sehr frühen Ursprungs allerdings ist das Wissen, dass reflektorische Beziehungen zwischen Regionen der Körperoberfläche, den Meridianen, und inneren Organen bestehen. Auch war sehr bald bekannt, wie es schon im Huang Di Nei Jing (Buch des Gelben Kaisers zur Inneren Medizin) festgehalten ist, dass die 12 Meridiane einen geschlossenen Kreislauf bilden, der einem 24-Stunden-Rhythmus entspricht.

Aus der Sicht der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) sind die verschiedenen Bereiche des Organismus durch ein Netzwerk von Kanälen und Querverbindungen verbunden, die auf chinesisch als Jing Luo, auf deutsch als Meridiane und auf englisch als channels and collaterals bezeichnet werden. Ihre Aufgabe ist die Regulation und Steuerung des Organismus - über den Informationsweg (Nervensystem) und den Stoffwechsel (Blut- und Lymphsystem). Auf Grund der vielfältigen Verbindungen des Organismus durch die Meridiane projizieren sich Störungen eines Organs gleichsam auf die Körperoberfläche (im entsprechenden Meridian) und, umgekehrt, kann man das Organ über den ihm zugeordneten Meridian beeinflussen - wie das z.B. in der Akupunktur und im Shiatsu angewendet wird.
 

Die Anatomie der Meridiane

Das anatomische Substrat von Meridianen ist bis heute noch nicht gesichert. Es ist weiterhin ungewiss, ob noch unentdeckte Strukturen existieren oder unbekannte Funktionen bereits bekannter Systeme. Bislang betrachtet die moderne Medizin die Meridiane als Summe folgender Systeme:

 Blutgefäßsystem,
 Lymphgefäßsystem,
 peripheres und vegetatives Nervensystem,
 interstitielles Bindegewebe (unspezifisches Regulationssystem) und
 Muskelketten als funktionelle Einheiten.

Reize aus der Umwelt werden von verschiedenen Rezeptoren des Körpers registriert und im Zusammenwirken von Nervensystem, Meridiansystem und endokrinem System in Regulationsimpulse umgewandelt. Diese Impulse können im physiologischen Sinn regulieren, oder aber auch im pathologischen Sinn zu Störungen führen.

 
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