Qualitätsmanagement in der Ausbildung zu neuen Gesundheitsberufen im österreichischen Wellnesstourismus (2)
Diplomarbeit von Marina Steiner


Wellness

Ursprünglich sind der Begriff Wellness und seine Verwendung auf den amerikanischen Arzt H.L. Dunn zurückzuführen, der 1959 die Begriffe „Fitness“ und „Wellbeing“ vereinte. Er sprach in diesem Zusammenhang auch von „High-level Wellness“, einem Zustand hohen menschlichen Wohlbefindens. Ardell ordnete dann 1977 dem Begriff „High-level Wellness" die Grundelemente Selbstverantwortung, Ernährungsbewusstsein, körperliche Fitness, Stressmanagement und Umweltsensibilität zu. Lanz-Kaufmann definiert Wellness als einen „Gesundheitszustand der Harmonie von Körper, Geist und Seele. Wesensbestimmende Elemente sind Selbstverantwortung, körperliche Fitness, gesunde Ernährung, Entspannung, geistige Aktivität sowie Umweltsensibilität."

Für Zellmann und Opaschowski manifestiert sich im Wellness-Begriff „der körperliche Wandel vom Lebensstandard zur Lebensqualität. Ein Wandel, der vom Körper aus auf den Geist übergreift. Körper, Seele und Geist wachsen im Bewusstsein der Menschen zunehmend zusammen." Wellness wird für sie „zur neuen Destination für Körper, Geist und Seele erklärt. Angestrebt wird eine Mixtur aus Physischem und Psychischem, Mentalem und Spirituellem, Exotischem und Esoterischem. Alles zielt auf Wohl, Wohlsein und Wohlbefinden, auf 'Life in Balance' oder 'Energy Balancing'." Sie weisen dabei auf das Wellness-Modell hin, bestehend aus drei Phasen:

Erste Phase: Psychische Entspannung und Sich-Wohlfühlen
Zweite Phase: Körperliche Aktivierung und Gesunderhaltung
Dritte Phase: Geistige Anregung und Erleben von Neuem

Das heute aktuelle Verständnis von Wellness: „Als Wellness können alle Aktivitäten und Angebote verstanden werden, welche auf eine Entfaltung der körperlichen, geistigen, seelischen und sozialen Fähigkeiten des Menschen abzielen. Wellnessangebote fördern den Aufbau von Eigenkompetenzen und Ressourcen zur Entwicklung von Gesundheit im Sinne eines körperlichen, geistigen, seelischen und sozialen Wohlbefindens."

Die Mischung aus Fitness/Wellness/Mindness10) wird auch als Primärprävention und Präventivmedizin relevant. Fitness, Wellness und Mindness haben alle drei „well-being“ zum Ziel und verstehen sich als „Gesundheitsförderung im umfassenden Sinne.“ In die Auffassung des klassischen Gesundheitsbegriffes fließt die Bedeutung des subjektiven Wohlbefindens. Reiter spricht in diesem Zusammenhang von Wellness als die „Entschleunigungs-Strategie der Jahrtausendwende“, von einem spirituellen Defizit, welches der Wellnessboom anspricht, und von dem Bedürfnis der Menschen nach Regression und Ich- Rekonstruktion.

Einer Studie des FESSEL-GFK Instituts für Marktforschung zufolge gibt es drei Hauptmotive für Wellness:

Sich verwöhnen lassen ist primär der jungen weiblichen Zielgruppe wichtig und steht in Zusammenhang mit hohem Wellness-Interesse; allerdings sind die Verwöhntage vielen noch zu teuer.
Ausspannen, erholen und Kraft tanken, dem Alltag entfliehen und wieder zur eigenen Mitte finden sind weitere zentrale Wellnessmotive; für Familien heißt die Devise „raus aus dem Alltag und rein ins Vergnügen“.
Gesundheit erhalten und Vorbeugen ist vor allem für ältere Menschen wichtig, die den Genusseffekt eher als nebensächlich betrachten und vor allem den Gesundheitsaspekt in den Vordergrund stellen.

Dienstleistungen im Bereich der Komplementärmedizin werden aller Wahrscheinlichkeit nach in Zukunft für den Wellnesstourismus eine wichtige Rolle spielen. Allerdings werden damit verbunden Wirksamkeitsnachweise der angebotenen Leistungen von Versicherungen, Krankenkassen, aber auch von den Gesundheitsgästen selbst zunehmend gefordert werden, da diese zusehends selbst finanziell für die Erhaltung und Förderung ihrer Gesundheit aufkommen müssen und in Zukunft Ansprüche an die Besserung kleinerer gesundheitlicher Anliegen durch einen Wellnessaufenthalt stellen werden.

historische japanische PostkarteDie Hauptprobleme hinsichtlich des Arbeitsmarkts für Gesundheitsberufe im Tourismus sind die eher schlechte Bezahlung, vor allem im Osten Österreichs, das zu breite Ausbildungsangebot sowie infolgedessen ein Mangel an Qualifikationen. Hinzu kommt, dass sich Betriebe oft aufgrund fehlender einheitlicher Berufsbilder wenig unter den jeweiligen Berufen vorstellen können.

Damit der Wellnesstourismus sich in Zukunft profilieren kann, wird die Qualität der Ausbildungen im Gesundheitsdienstleistungsbereich von maßgeblicher Bedeutung sein und damit verbunden vor allem eines (zitiert nach Rogner): „Bei den Begriffen Wellness, Spa etc. geht es nicht um Begrifflichkeiten, sondern um das, was dahinter steht: den Kundennutzen. Und dieser beinhaltet körperliches/geistiges/soziales Wohlbefinden. Bezeichnungen werden laufend geändert, weil dieser Kundennutzen nicht geliefert wird. Es ist leichter, Worte zu ändern als Grundhaltungen zu ändern.“

 
Die Ausbildungssituation

Für die Ausbildung zu Tätigkeiten der Gesundheitsberufe gilt das Ausbildungsvorbehaltsgesetz (§49 des Ärztegesetzes,1996):

„Die Ausbildung zu Tätigkeiten, die durch die einschlägigen gesundheitsberufsrechtlichen Vorschriften, jeweils in der geltenden Fassung, geregelt sind, obliegt ausschließlich den nach diesen Bundesgesetzen dafür vorgesehenen Einrichtungen. Das Anbieten oder Vermitteln solcher Ausbildungen durch andere Personen oder Einrichtungen ist verboten.“

Die Ausbildungssysteme für neue Berufe im Gesundheitsbereich scheinen allerdings so vielseitig zu sein wie die Berufsbezeichnungen, denn mangels klarer Richtlinien schnitzt(e) sich jedes Institut ein eigenes Ausbildungsmodell. Dachverbände und ähnliche Einrichtungen bemühen sich, dort, wo gesetzliche Regelungen für die Ausbildung fehlen, Standards zu erstellen. Da diese Zusammenschlüsse jedoch oft freiwillig erfolgen, ist eine Überprüfung und Einhaltung der Standards allerdings schwierig. Auf gesetzlicher Basis könnten die Handhabung der Ausbildung sowie die Prüfungsabläufe und gesetzten Schwerpunkte weit besser geregelt und ausgeführt werden. Wo gesetzliche Regelungen fehlen ist man auch gegen so genannte „schwarze Schafe“ machtlos, weil ein Berufsverbot für diese nicht durchsetzbar ist. Speziell wird in diesem Zusammenhang in der Arbeit von Marina Steiner „auf die Instrumente zur Qualitätssicherung des ÖDS eingegangen, da dieser in seinen Bemühungen um Qualität in der Ausbildung zum/r Shiatsu-PraktikerIn bereits maßgebliche Erfolge erzielt hat."
 

Lösungsansätze für die Gewährleistung qualitativer Ausbildung

Als Lösungsansätze für die Gewährleistung qualitativer Ausbildung im Gesundheitsdienstleistungsbereich sieht Marina Steiner insbesondere Dach- und Berufsverbände, ÖNORMEN und Arbeitsgemeinschaften.
 

Dach- und Berufsverbände

Wichtige Vorteile von Dach- und Berufsverbänden. Sie

geben Richtlinien vor und gewährleisten deren Einhaltung;
stärken die Posiition nicht geregelter Gesundheitsberufe;
sorgen für Öffentlichkeitsarbeit und bilden eine Plattform für professionellen Austausch mit Praktizierenden, Ausbildungsanbietern, anderen Verbänden, Betrieben u.a.m.;
leisten Vorarbeit für gesetzliche Regelungen und sind einheitliche Ansprechpartner für den Gesetzgeber; und
schaffen Qualitätsmarken, die auf die Kompetenz des so Ausgezeichneten hinweisen.

Begrenzungen von Dach- und Berufsverbänden sind insbesondere:

die schwierige Abgleichung unterschiedlicher Ausbildungsrichtlinien zwischen mehreren schon bestehenden Verbänden;
die schwierige Überprüfung der Einhaltung der Qualitätsstandards, da es sich bei diesen Verbänden um freiwillige Zusammenschlüsse handelt; und
mangelnde finanzielle Ressourcen, die die Möglichkeiten der Dachverbänden z.B. im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit und des Lobbying begrenzen.

 
ÖNORMEN

Wichtige Vorteile von ÖNORMEN:

Sie sichern die Ausbildungsqualität, und
Anbieter können mit der Normerfüllung werben.

Herausforderungen sind insbesondere:

die große Spannbreite der Ausbildungsmöglichkeiten bzgl. Voraussetzungen, Dauer, Inhalte, Abschlüssen etc. und
der langdauernde und schwierige Prozess der Erstellung einer ÖNORM.

 
Arbeitgemeinschaften (ARGE)

Kooperationen von Betrieben oder Regionen in der Erarbeitung von Berufsbildern und Ausbildungen haben die Vorteile:

einer Sicherung praxisgerechter Ausbildungen und Qualifikationen;
einer Teilung der Kosten und Aufwände;
einer schnellen Lösung, da die Erarbeitung gesetzlicher Regelungen viel Zeit in Anspruch nimmt; und
einer Reduzierung bürokratischer Hindernisse und der Probleme unterschiedlicher Interessen.

 
Allgemeine Empfehlungen zur Qualitätssicherung

Um die erfolgreiche Position nicht nur halten zu können, sondern weiterhin zu stärken und auszubauen, gilt es besonderen Wert auf die Qualität der angebotenen Dienstleistungen zu legen. Gerade im Gesundheitsbereich ist Qualitätssicherung in der Ausbildung von grundlegender Bedeutung. Zum einen, weil es die Mitarbeiter sind, die die Qualität der angebotenen Dienstleistungen maßgeblich beeinflussen, zum anderen, weil mangelnde Qualifikationen der Gesundheitsfachkräfte nicht nur negative Eindrücke bei den Gästen hinterlassen, sondern auch gesundheitliche Schäden dieser zur Folge haben können. Als allgemeine Empfehlungen zur Qualitätssicherung für Gesundheitsdienstleistungen im komplementärmedizinischen Bereich sieht Marina Steiner:

eine gemeinsame Grundausbildung für alle diese Berufe, auf der dann Spezialisierungen aufbauen können, und die vor allem die Vermittlung sozialer Kompetenzen, ausreichende Praxis und Selbsterfahrung sowie Kenntnisse der westlichen Medizin umfasst (in Anlehnung an die deutsche Heilpraktikerausbildung oder das A-Modul der Ausbildung zum/r Medizinischen Masseur/in);
Partnerschaften zwischen Ausbildungsstätten und Betrieben, z.B. in Hinblick auf Praktika oder eine Jobbörse in Zusammenarbeit zwischen Ausbildungsstätten, Betrieben und Verbänden;
externes Controlling der Ausbildungsstätten, die sich zu einem Verband zusammenschließen;
Anhebung der Ausbildungsstunden, um der großen Zahl von Berufsumsteigern entgegenzuwirken und mehr Seriosität zu erreichen, wobei die Ausbildung aber „leistbar" bleiben soll;
Prüfungen vor staatlichen oder halbstaatlichen Kommissionen als Voraussetzung für die Berufsausübung;
Weiterbildungszertifikate über Verbände oder Innungen, eventuell auch begrenzt gültige Ausbildungszertifikate, die durch verpflichtende Fortbildung verlängert werden;
Beschäftigungsverhältnisse auf Werksvertragsbasis, die auch kleineren Betrieben die Möglichkeit geben, auf qualifizierte und spezialisierte Fachkräfte zurückzugreifen;
Überprüfung von bereits etablierten Methoden auf ihre nachweisliche Wirksamkeit bzw. auch medizinische Relevanz; und
eine Trennung zwischen gewerblicher Berufsausübung und einem medizinischen Diplom wie im Fall des/r Gewerblichen MasseurIn, des/der Medizinischen MasseurIn und des/der HeilmasseurIn.
 
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[10] Mindness entspricht dem Wiederaufleben der Muße.

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