Bericht von der Generalversammlung 2006
Aktuelles aus dem Dachverband


Am 30. September um 19.30 Uhr begann die diesjährige Generalversammlung des Österreichischen Dachverbandes für Shiatsu (ÖDS) in den Räumlichkeiten des Europäischen Shiatsu Instituts. Für erwartungsvolle Spannung sorgte der bevorstehende personelle Wechsel an der Spitze des Vereins, weil insgesamt fünf Vorstandsmitglieder, darunter Obfrau und Obfrau-Stellvertreterin, ihren Rücktritt angekündigt hatten. Die Stimmung unter den etwa dreißig an der Sitzung teilnehmenden PraktikerInnen und SchülerInnen war gut.

Ehrengast der Wiener Innung

Wie schon die Jahre zuvor begann die Versammlung nach ihrer Eröffnung durch die interimistische Obfrau Barbara Schneider mit einem Bericht von Peter Ecker, Innungsmeisterin-Stellvertreter in Wien, über die berufspolitischen Veränderungen und Entwicklungen im abgelaufenen Vereinsjahr.

Eine für den Verband, für Schulen und Zusammenschlüsse von KollegInnen auf Vereinsbasis wichtige Änderung brachte das neue Verbandsverantwortlichkeitsgesetz (siehe www.shiatsu-austria.at/aktuelles/gewerbe_4.htm), das mit 1. Jänner 2006 in Kraft trat und kurz zusammengefasst besagt, dass für strafrechtlich relevante Tatbestände nun nicht mehr nur natürliche Personen herangezogen bzw. verfolgt werden können, sondern auch Verbände. Das bedeutet praktisch, dass sich Schulen und Vereine in ihrer Darstellung nach außen (Aussendungen, Websites, Informationsveranstaltungen, Auskünften, Unterrichtseinheiten etc.) um klare Informationen vor allem über den gewerblichen Charakter von Shiatsu bemühen sollen (d.h. dass Shiatsu kein Gesundheitsberuf ist, dass keine Krankheiten behandelt werden dürfen und dass im Krankheitsfalle von KlientInnen mit der behandelnden ÄrztIn Rücksprache gehalten werden muss, ob Shiatsu angewendet werden darf).

Dieser Punkt löste in manchen anwesenden PraktikerInnen und SchülerInnen Unbehagen und Unsicherheit aus, in welcher Weise Shiatsu dann überhaupt ausgeübt werden kann. Diagnosestellungen und Krankheitsbehandlungen, so legt es die österreichische Gesetzgebung fest, obliegen ausschließlich Gesundheitsberufen und hier insbesondere Ärzten. Gewerbliche Berufe wie Shiatsu dürfen dementsprechend weder Diagnosen erstellen, noch Krankheiten behandeln (und auch nicht diesen Eindruck oder entsprechende Erwartungen wecken). Das hinter Shiatsu stehende Konzept jedoch lehnt sich – im Unterschied zu einem medizinischen Verständnis von Gesundheit und Krankheit – an Konzepte wie das der Salutogenese an (siehe auch www.shiatsu-austria.at/einfuehrung/wissen_2.htm). Kurz gesagt, behandeln wir im Shiatsu keine Krankheiten, sondern Menschen in ihrer Ganzheit. Energetische Einschätzung (Diagnostik) dient der verantwortungsvollen Arbeit mit unseren Klienten (und ist nicht zu verwechseln mit der Diagnosestellung von Ärzten), und im Falle von Erkrankungen gibt die ärztliche Abklärung unseren KlientInnen wie auch uns Shiatsu-Praktizierenden Sicherheit.

In diesem Zusammenhang wies Peter Ecker nochmals darauf hin, dass es der Professionalität einer Shiatsu-PraktikerIn entspricht, ihren KlientInnen bei Verdacht auf eine Erkrankung den Arztbesuch nahe zu legen – und dies auch zu dokumentieren. Generell ist sowohl die Verwendung der „Kenntnisnahme des gewerblichen Charakters von Shiatsu“ (siehe www.shiatsu-austria.at/beruf/beruf_18.htm) als auch eine kurze Dokumentation der Shiatsu-Behandlungen (siehe www.shiatsu-austria.at/beruf/beruf_19.htm) empfehlenswert – und wahrscheinlich in Zukunft für die gewerbliche Massage und damit auch für Shiatsu verpflichtend.

Eine weitere wichtige Änderung kam im April 2006 aus dem Wirtschaftsministerium und besagt, dass auch Lebens- und SozialberaterInnen, entgegen der bisherigen rechtlichen Situation, Shiatsu nur dann ausüben dürfen, wenn sie über einen entsprechenden Gewerbeschein verfügen (siehe www.shiatsu-austria.at/aktuelles/gewerbe_5.htm). Zudem wurde ausgeführt, dass MasseurInnen, die ihre Gewerbeberechtigung vor dem Inkrafttreten der Massage-Verordnung vom 28. Jänner 2003 erworben haben, zwar berechtigt sind, „asiatische Massage-Techniken“ anzubieten, nicht aber Shiatsu (siehe www.shiatsu-austria.at/aktuelles/gewerbe_6.htm).

Aktuell werden in der Massage-Innung Hygiene-Vorschriften erarbeitet, die, wenn sie beschlossen sind, auch für Shiatsu-PraktikerInnen verpflichtend werden. Und was die in manchen Einkaufszentren aufgestellten „Shiatsu-Automaten“ betrifft, gibt es rechtliche Stellungnahmen von der MA 63 und dem Wirtschaftsministerium, dass diese Bezeichnung unzulässig ist.

Jahresrückblick von Katharina Sabernig

Im Anschluss an die Ausführungen von Peter Ecker berichtete Katharina Sabernig über die wichtigsten Ereignisse in der Vorstandstätigkeit des nun zu Ende gegangenen Geschäftsjahrs, über die ESF-Studie, PR (diese beiden Themen wurden später noch ausführlicher behandelt) und über den unerwarteten Tod von Josef Hartl (Schulleiter der Naikido Shiatsu-Schule) sowie die damit verbundenen Aktivitäten zur Fortführung der Schule und die Gewährleistung der Ausbildungsqualität im Sinne der ÖDS-Kriterien.

Weitere wichtige Punkte ihrer Rede waren die Aufnahme von drei neuen Schulen in den Dachverband, die Anerkennung neuer Shiatsu-LerhrerInnen und -SchulleiterInnen (teilweise im Rahmen der im Juli ausgelaufenen Übergangsregelung), die Planung und Durchführung der Shiatsu-Tage sowie die daraus oftmals resultierende arbeitsmäßige Überforderung, die zur Idee eines Generalsekretariats führte. Dieses soll von Barbara Schneider nach ihrem Ausscheiden aus dem Vorstand (mit der Neuwahl des Vorstandes) aufgebaut werden.

Bericht des Kassiers und Entlastung des Vorstandes

Kassier Roberto Preinreich stellte den Rechenschaftsbericht vor, der Ausgaben von etwa 107.000 Euro und Einnahmen von etwa 96.000 Euro ausweist. Die größten Ausgabenposten bildeten die PR (wie auf der Generalversammlung 2005 beschlossen) und die European Shiatsu Federation (ESF), womit die derzeit aktuell laufende Studie gesichert wurde.

Nach Annahme des Berichts durch die Rechnungsprüfer wurden der Kassier und anschließend der gesamte Vorstand einstimmig entlastet.

Bericht von Eduard Tripp

Eduard Tripp, Außenrepräsentant des ÖDS in berufsrechtlichen Belangen, betonte die bei dringlichen Anliegen gute Zusammenarbeit mit Peter Ecker auf Seiten der Innung und insbesondere Katharina und Barbara auf Seiten des Vorstands. Im Zentrum seines Berichts standen die aktuellen Entwicklungen im Bereich des Gewerbes (wie sie größtenteils auch schon von Peter aus dem Blickwinkel der Innung angesprochen worden waren) und im Gesundheitsbereich, wo er als Vertreter für Shiatsu im Dachverband für TCM und verwandte Gesundheitslehren tätig ist.

Ayurveda und Tuina, so sein Bericht, streben eine ähnliche gesetzliche Lösung an wie Shiatsu (d.h. ein eingeschränktes Gewerbe als ganzheitlich in sich geschlossenes System). Die Vorreiterrolle von Shiatsu im Qualitätsmanagement wurde auch in der Diplomarbeit von Marina Steiner (Fachhochschul-Diplomstudiengang Tourismusmanagement und Freizeitwirtschaft; siehe www.shiatsu-austria.at//einfuehrung/forschung_25.htm) herausgearbeitet.

Rücktritt von Vorstandsmitgliedern und Neuwahl

Nach einer Pause mit köstlichem Buffet und der Möglichkeit zu Erfahrungsaustausch und persönlichen Gesprächen, traten die interimistische Obfrau Barbara Schneider, die interimistische Obfrau-Stellvertreterin Katharina Sabernig, Praktiker-Vertreterin Mag. Claudia Dominici sowie die beiden Schüler-Vertreterinnen Astrid Polletin und Karin Bartonek in ihren Funktionen zurück. Der Vorstand und die anwesenden SchülerInnen und PraktikerInnen dankten allen (Claudia leider krankheitshalber abwesend) für Ihren unermüdlichen Einsatz und Ihre Arbeit für Shiatsu!

Für den neu zu wählenden Vorstand kandidierten als Praktiker-VertreterInnen Astrid Polletin (bislang Schüler-Vertreterin und ESF-Vertreterin), Heike Lindstedt (Praktikerin seit 2004; koordinierend engagiert in den Shiatsu-Tagen 2006 in Wien) und Klaus Gisinger (Praktiker seit 1997; bietet seit sechs Jahren Shiatsu auch für Firmen an), sowie als Schüler-VertreterInnen Sabine Dolezal (Iokai Shiatsu-Schule Österreich) und Alex Wentseis. (Shiatsu-Ausbildungen Austria).

Die kandidierenden Praktiker- und Schüler-VertreterInnen wurden in den (erweiterten) Vorstand aufgenommen, und. für die nachzubesetzenden Funktionen kandidierten Klaus Gisinger als Obmann, Astrid Polletin als Obmann-Stellvertreterin und Alexander Wentseis als Schriftführer. Alle Kandidaten wurden einstimmig gewählt (siehe www.shiatsu-austria.at/beruf/oeds_3.htm).

Heike Lindstedt deponierte ihr Interesse, langfristig als ESF-Vertreterin tätig zu werden. Und als Rechnungsprüfer – an Stelle von Martin Schalko, der diese Tätigkeit das letzte Mal ausübte (herzlichen Dank für die Unterstützung!) – stellte sich Rene Tischhart zur Verfügung.

Versicherung für ÖDS-Mitglieder

Helmut Doppelhofer, von der Generalversammlung 2005 damit beauftragt, berichtete vom Zwischenstand seiner Bemühungen um eine Gruppenversicherung für ÖDS-Mitglieder. Dabei, so sein Bericht, geht es vor allem um Lücken in Bereich von Unfall-, Betriebsaussfall- und Haftpflichtversicherung. Helmut rechnete aus, dass eine Gruppenversicherung für ihn (im Vergleich zu Einzelversicherungen) etwa 600 Euro Ersparnis pro Jahr bedeuten würde.

Zusätzliche Themen, denen er weiter nachgehen wird (wobei er sich freut, wenn das sehr arbeitsintensive Projekt abgeschlossen ist), sind Krankenzusatzversicherung und Kapitalbildung.

Ergänzend berichtete er noch, dass SchülerInnen keine Haftpflichtversicherung für die Ausübung der in den Ausbildungsrichtlinien vorgeschriebenen Praktikumsstunden (die wegen ihrer Unentgeltlichkeit keine gewerbliche Tätigkeit darstellen) benötigen. Eine Haftpflichtversicherung für Schulen ist hingegen eine „absolute Notwendigkeit“, da damit Eventualitäten während der Ausbildung gedeckt werden.

Bericht von der European Shiatsu Federation

ESF-Vertreterin Astrid Polletin präsentierte den momentanen Stand der ESF-Studie:

Von 251 in Österreich angeschriebenen Shiatsu-PraktikerInnen nehmen 33 an der Studie teil, in Großbritannien von den 300 Angeschriebenen 29 und in Spanien von 150 angeschriebenen PraktikerInnen 20.

Den ersten Fragebogen retournierten in Österreich 304 KlientInnen, in Großbritannien 389 und in Spanien 182 KlientInnen. Den zweiten Fragebogen schickten in Österreich 280 KlientInnen (92 %), in Großbritannien 361 (93 %) und in Spanien 142 KlientInnen (88 %) zurück. Die weiteren Fragebögen werden folgen, und ein Abschluss der Datenerhebung wird für Juli 2007 erwartet

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PR und Shiatsu-Tage

Die Präsentation von Shiatsu nach außen hin wurde von Gerhard Kofler gut unterstützt (herzlichen Dank!). Auf Grund der für den Vorstand sehr arbeitsintensiven PR-Arbeit wurde für das kommende Jahr eine mehr projektbezogene PR-Arbeit ins Auge gefasst, wobei Details dafür erst vom neuen Vorstand festgelegt werden.

Die Shiatsu-Tage 2006 fanden erstmalig in allen Bundesländern statt und waren insgesamt recht erfolgreich. Heike will in der nächsten Zeit das Feedback sammeln und überprüfen, was in der Organisation vielleicht verbessert werden könnte. Auch hat sie sich bereit erklärt, die Shiatsu-Tage 2007 zu koordinieren.

Mit Für und Wider wurde auch der Termin der Shiatsu-Tage diskutiert, der für viele eine Vorbereitungszeit während der organisatorisch eher problematischen Sommermonate erforderlich machte. Dem gegenüber steht der europaweit einheitliche Termin und der Umstand, dass der September – gemeinsam mit dem Schulbeginn – auch einen Aufbruch bedeutet …

Abschlussworte vom neuen Obmann Klaus Gisinger

Mit Schlussworten des neu gewählten Obmanns Klaus Gisinger, in denen er seine Hoffnung auf eine weiterhin gute Zusammenarbeit aller ausdrückte, die mit und für Shiatsu arbeiten, endete die Generalversammlung zu schon ziemlich vorgerückter Stunde. Mögen alle guten Wünsche in Erfüllung gehen!

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© Dr. Eduard Tripp, A-1120 Wien, Schönbrunner-Schloss-Str. 21/8, Tel: +43 (1) 815 91 75, tripp@shiatsu-austria.at
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