Bericht von der Generalversammlung 2007
Aktuelles aus dem Dachverband


Dieses Jahr hat der Österreichische Dachverband für Shiatsu (ÖDS) zur Generalversammlung in die Steiermark geladen. Und so fand die jährliche Mitgliederversammlung bei Anwesenheit von ca. 40 Mitgliedern am 19. Oktober in den Räumlichkeiten der Internationalen Shiatsu Schule statt. Als Ehrengäste geladen waren Bundesinnungsmeister Hermann Talowski und der stellvertretende Landesinnungsmeister von Wien, Peter Ecker, der bedauerlicherweise kurzfristig absagen musste.
 

Bericht des Obmanns

Nach der Eröffnung der Generalversammlung, der Genehmigung der Tagesordnung und des Protokolls der Generalversammlung 2006 berichtete Obmann Klaus Gisinger über die wichtigsten Aktivitäten des vergangenen Vereinsjahres. Der Bogen reichte von:

der Neubesetzung des Vorstandes bei der Generalversammlung 2006;
der Schaffung eines Generalsekretariats – besetzt von Barbara Schneider, die als frühere Obfrau-Stellvertreterin und interimistische Obfrau in diese Position wechselte und nunmehr den Vorstand kompetent entlastet;
der Entwicklung von Schul- und LehrerInnen-Anerkennungen sowie Mitgliedschaften im ÖDS mit jetzt über 500 Shiatsu-PraktikerInnen und 250 SchülerInnen;
die Schaffung von Rahmenverträgen für günstige Haftpflicht-, Unfall- und Krankenversicherungen für Mitglieder bis hin zu
einer verstärkten Medienpräsenz.

 
Bericht aus dem Ministerium und dem Dachverband für TCM und verwandte Gesundheitslehren Österreichs

Im Anschluss berichtete Eduard Tripp, der den Österreichischen Dachverband für Shiatsu im Dachverband für TCM und verwandte Gesundheitslehren Österreichs vertritt, über die auch nach dem Regierungswechsel vor einem Jahr fortgesetzten Bestrebungen des Gesundheitsministeriums, Methoden und Anwendungen hinsichtlich ihrer Zugehörigkeit zu gewerblichen oder Gesundheitsberufen festzulegen.

Ein wichtiges beratendes Gremium des Gesundheitsministeriums ist der TAM (Beirat für Traditionelle Asiatische Medizin), der über Expertengremien Handlungsempfehlungen zu konkreten Anfragen erarbeitet. Diese der Verschwiegenheit unterliegenden Vorschläge können vom Ministerium berücksichtigt werden, müssen es aber nicht.

Die ersten Arbeitsgruppen des TAM beschäftigten sich mit Ayurveda und Tuina. Für Ayurveda-Massagen gibt es mittlerweile – den Empfehlungen des TAM folgend – ein gewerbliches Curriculum. Für Tuina dürfte in absehbarer Zeit ebenfalls eine klare Richtlinie für die gewerbliche Ausbildung vorliegen.
 

Ehrengast BIM Hermann Talowski

Anschließend sprach Bundesinnungsmeister Hermann Talowski über Anliegen und Absichten der Innung, die Shiatsu-Praktizierende und den ÖDS betreffen:

 Das freie Gewerbe der „Energetiker“ wird von der Innung zunehmend als Problem wahrgenommen. Mehr und mehr scheint dieser Gewerbeschein als Grundlage dafür benützt zu werden, auch geschützte Gewerbe (wie z.B. Shiatsu oder andere Massagetechniken) anzubieten. Die rechtliche Position dabei ist klar: Shiatsu und andere Massagetechniken dürfen nur dann angeboten und beruflich ausgeübt werden, wenn der Anbieter über den entsprechenden Gewerbeschein verfügt.
 Um die gewerblichen Masseure und Shiatsu-PraktikerInnen vor allem in Hinblick auf die Osterweiterung 2009 oder 2011 zu schützen, strebt die Bundesinnung an, Ausbildungsstätten und Ausbildner zu zertifizieren. Den Hintergrund der Überlegungen der Innung bildet die Tatsache, dass in der Massage-Verordnung zwar Inhalt, Umfang und Mindestdauer der Ausbildung festgelegt sind, nicht jedoch welche Kriterien Ausbildner und Ausbildungsstätten erfüllen müssen, um als Ausbildung im Sinne des Gesetzgebers anerkannt zu werden. Durch eine Zertifizierung, so Bundesinnungsmeister Talowski, ließe sich der Wildwuchs an unqualifizierten Ausbildungen eindämmen.
 Der Umstand, das Shiatsu über detaillierte Qualitätskriterien (qualified teacher, qualified senior teacher, certified school …) verfügt, ist für den Bundesinnungsmeister nicht ausreichend, weil die Behörde ausschließlich an das Bundesgesetzblatt gebunden ist und die Kriterien des ÖDS keinen verbindlichen Charakter haben.
 Der dritte Punkt seiner Rede bezog sich auf Hygienestandards, die für alle Gewerbe der Fachgruppe Fußpflege, Kosmetik und Massage verbindlich werden sollen. Allgemeine Standards sollen hier für alle Betriebsstätten gelten, spezifische Standards können darüber ausschließlich für bestimmte Berufsgruppen (z.B. Fußpfleger oder Piercer) gelten. Die Standards sollen, so die Absicht der Bundesinnung, alle zwei Jahre zertifiziert werden.
Der aktuelle Hygiene-Entwurf soll dem ÖDS geschickt werden, um diesem – falls notwendig – die Möglichkeit zu geben, spezifische Kriterien (d.h. Kriterien, die über die allgemeinen Anforderungen hinausgehen) festzulegen.

Im Wirtschaftsministerium, so die Aussage des Bundesinnungsmeisters, wird generell das Ziel verfolgt, die Gewerbe zu liberalisieren. Durch die Zertifizierung (und die damit zu erreichende Qualitätsgarantie) von Ausbildungen und Ausbildnern sowie die verbindliche Festsetzung von Hygienestandards hofft Bundesinnungsmeister Talowski, die Massage als reglementiertes Gewerbe in Hinblick auf den Schutz von Leib und Leben auch nach der weiteren Liberalisierung der Gewerbe aufrecht erhalten zu können.

In allen diesen Punkten betont der Bundesinnungsmeister die Absicht, den ÖDS in die Entscheidungsprozesse einzubeziehen und hofft auf seine Mitarbeit, damit bestmögliche und für alle Seiten optimale Vorgehensweisen gefunden werden können.

Ergänzend zu diesen Ausführungen bezieht Bundesinnungsmeister Talowski Stellung zu Fragen der Anwesenden:

 Grundsätzlich gibt es nur in den Gesundheitsberufen ein „Ausbildungsvorbehaltsgesetz“, wohingegen im gewerblichen Bereich jeder, der sich berufen fühlt, z.B. Shiatsu unterrichten kann – auch dann, wenn er selbst nicht über die entsprechende Ausbildung oder Gewerbeberechtigung verfügt. Eine Zertifizierung der Ausbildner und Ausbildungsstätten jedoch würde garantieren, dass nur Ausbildungen an zertifizierten Ausbildungsstätten mit zertifizierten Ausbildnern die Voraussetzung für den Erhalt eines entsprechenden Gewerbescheins bilden – und damit, so der Bundesinnungsmeister, eine qualitative Ausbildung garantieren.
 Jeder Gewerbeinhaber hat das Recht auch nicht Ausgebildete anzustellen. Das heißt, wer einen Shiatsu-Gewerbeschein besitzt, kann Andere (auch wenn sie über keine Shiatsu-Ausbildung verfügen) anstellen und für sich arbeiten lassen. Allerdings trägt er die volle Verantwortung für seine Angestellten.
 Dies gilt aber nur für Angestellte. Auf Werksvertragsbasis arbeitende Shiatsu-Praktizierende müssen die entsprechende Gewerbeberechtigung besitzen.
 Daraus ergibt sich nun aber das Problem, dass in Instituten lediglich ein Gewerbeschein vorliegen muss, damit auch minder oder gar nicht einschlägig ausgebildete Angestellte Shiatsu geben dürfen – sehr zum Leidwesen jeglicher Qualitätskontrolle!

Vor der Pause wurde dann noch der Rechenschaftsbericht von Roberto Preinreich vorgelegt. Der Rechenschaftsbericht war von Herbert Schwarzenbacher und Rene Tischhart geprüft und für korrekt befunden worden. Der Kassier und der gesamte Vorstand wurden von der Generalversammlung entlastet.

Nach der Sitzungspause mit einem köstlichen Buffet und der Möglichkeit zu Gesprächen in einer angenehmen und entspannten Atmosphäre trat Marina Morton nach 13 Jahren Vorstandstätigkeit als Schulvertreterin zurück. Die Anwesenden dankten ihr für all die Jahre der konstruktiven Arbeit für Shiatsu. Für die frei gewordene Position im Vorstand kandidierten Gabriele Egger (Salzburg) und Gertraud Schindlbacher-Ferteis (Graz). Gertraud Schindlbacher-Ferteis wurde von den anwesenden Mitgliedern als neue Schulvertreterin in den Vorstand gewählt.

Angekündigt wurden weitere personelle Veränderung im Vorstand, weil Astrid Polletin als PraktikerInnen-Vertreterin und ESF-Delegierte sowie die beiden SchülerInnen-Vertreter Alexander Wentseis und Sabine Dolezal zurücktreten werden, sobald neue VertreterInnen gewählt worden sind. An der Vereinsarbeit interessierte Mitglieder wurden aufgerufen, sich aktiv zu beteiligen.

Die letzten Punkte der Generalversammlung waren den Themen Versicherung, ESF-Studie und Europäischer Dachverband sowie den Shiatsu-Tagen gewidmet:

 Konkrete Informationen zur Gruppenversicherung (Haftpflicht-, Unfall- und Zusatzkrankenversicherung werden mit den ÖDS-Mitgliedsbeitragserinnerungen ausgeschickt. Zudem sind von Helmut Doppelhofer, der das Paket ausverhandelt hat, Informationsveranstaltungen geplant.
 Die ESF-Studie wird nun doch erst Ende November vorliegen. Die Daten für Österreich und Großbritannien sind valid, die für Spanien knapp unter der Validitätsgrenze, sind aber für die Studie dennoch verwertbar.
 Für den deutschsprachigen Raum soll die Studie im Frühjahr in Österreich präsentiert werden. Über die Form der Präsentation (Pressekonferenz, Rahmenprogramm, begleitende Workshops …) wird derzeit im Vorstand und mit der ESF diskutiert. Der voraussichtliche Termin dafür ist April 2008.
 Die Situation, dass in Europa zwei Dachverbände für Shiatsu aktiv sind, das Internationale Shiatsu Netzwerk (ISN mit Italien, Schweiz, Frankreich und Deutschland) und die European Shiatsu Federation (ESF), der auch Österreich angehört, ist aus der Sicht Österreichs ein ungünstiger Umstand, der sich bei Verhandlungen in Hinblick auf die Zukunft von Shiatsu in Europa nachteilig auswirken könnte. Die Generalversammlung bestärkte den Vorstand darin, dass zumindest Gespräche, Erfahrungsaustausch und punktuelle Zusammenarbeit (z.B. in Fragen der europäischen Positionierung von Shiatsu) zwischen ESF und ISN stattfinden sollten – und dass der Vorstand diese Position der ESF gegenüber klar vertreten soll. Denn auch auf Seiten der ISN, so berichtete Eduard von seinen Eindrücken vom Kongress in Kiental vor etwa 14 Tagen, scheint ein Umdenkprozess stattzufinden und eine größere Gesprächsbereitschaft vorzuliegen.
Zum Abschluss der Sitzung berichtete Heike Lindstedt Positives über die Shiatsu-Tage 2007: Dieses Jahr gab es in allen Bundesländern Präsentationen. Diese wurden vom ÖDS unterstützt und von Heike Lindstedt koordiniert. Um die Breitenwirkung der Aktionen zu fördern, die von Präsentationen und Vorträgen über offene Praxen bis hin zu Schnupperbehandlungen und Benefizveranstaltungen reichten, unterstützte der ÖDS Projekte mit Plakaten, Postkarten und T-Shirts, aber auch finanziell, wenn rechtzeitig entsprechende Anträge gestellt wurden und diese den Vergabekriterien entsprachen.
Aus dem Plenum berichtete Ortrun Köhler von der neu gegründeten, österreichweiten Initiative „Frauen und Shiatsu“ (www.frauenshiatsu.at), die sich aus der Regionalgruppe Wien und Umgebung herausentwickelt hat. Ziele der Initiative sind einerseits der Erfahrungsaustausch von Frauen über ihre Berufssituation als Shiatsu-Praktikerinnen und andererseits die spezifische Situation von Frauen in unserer Gesellschaft, ihre Belastungen (z.B. Mutterschaft und gleichzeitige Berufstätigkeit) und „spezifische Themen“ (z.B. Schwangerschaft, Menstruation, Menopause). In Entwicklung befindet sich derzeit auch ein Projekt für bedürftige Frauen, die sich Shiatsu nicht leisten können (z.B. in Frauenhäusern).
Positiv erwähnt wurden von Heike Lindstedt zum Abschluss noch die Regionalgruppen, die sich zunehmend gebildet haben und konzentrierte Aktionen ermöglichen. Zugleich wird damit auch die Kommunikation zwischen dem Vorstand und den PraktikerInnen erleichtert und effizienter. Ansprechpartnerin im Vorstand für Regionalgruppen ist Heike Lindstedt.

Um 23 Uhr 10 beschloss Obmann Klaus Gisinger die Generalversammlung und bedankte sich bei allen Anwesenden und den Gastgebern Christian Schnabl und Tom Prett für die aktive Teilnahme und die anregende und konstruktive Atmosphäre.

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© Dr. Eduard Tripp, A-1120 Wien, Schönbrunner-Schloss-Str. 21/8, Tel: +43 (1) 815 91 75, tripp@shiatsu-austria.at
www.shiatsu-austria.at