Bericht von der Generalversammlung des Österreichischen Dachverbandes für Shiatsu (ÖDS) 2008
Aktuelles aus dem Dachverband


Im Beisein von etwa fünfzig Anwesenden – größtenteils Shiatsu-PraktikerInnen, aber auch einigen SchülerInnen – fand am 10. Oktober die diesjährige Generalversammlung des Österreichischen Dachverbandes für Shiatsu statt. Nach der Begrüßung durch Obmann Klaus Gisinger, der Genehmigung der Tagesordnung und der Feststellung, dass es zum vorjährigen Protokoll keine Berichtigungen gibt, erfolgte der Jahresbericht des Vorstandes:

  • Klaus Gisinger (Obmann) berichtet über die erfreuliche Zunahme an Mitgliedern im Verband (am 22. September waren es 617 Ordentliche Mitglieder, 332 Mitglieder in Ausbildung, 17 Außerordentliche Mitglieder und 1 Ehrenmitglied), die aber auch einen erhöhten Arbeitsaufwand mit sich bringen.
     
  • Aufgaben, die in diesem jetzt zu Ende gehenden Vereinsjahr im Vordergrund standen (und bis zu einem gewissen Grad noch stehen) betrafen die Modernisierung des ÖDS-Logos und die Neugestaltung der Website, die mehr Funktionalität aber auch mehr Übersichtlichkeit bringen wird. Das Logo ist mittlerweile schon in Verwendung, wohingegen die Website noch ein wenig Zeit benötigt. Die Hoffnung, die fertige Website schon zur Generalversammlung präsentieren zu können, hat sich leider nicht erfüllt, in den Hauptzügen ist sie jedoch schon umgesetzt. Mit einer Freischaltung noch in diesem Jahr wird gerechnet.
     
  • Neu seit Anfang 2008 ist auch die Möglichkeit einer Haftpflichtversicherung für Shiatsu-PraktikerInnen, die österreichweit gilt und zu einem Preis von Euro 37.- bzw. Euro 42.- (10-Jahres- bzw. 3-Jahresvertrag) abgeschlossen werden kann.
     
  • Erstmalig fand heuer, so berichtet Heike Lindstedt, die neben ihrer Vorstandsarbeit in der Regionalgruppe Wien tätig ist, das erste Regionalgruppentreffen statt – aus organisatorischen Gründen am Nachmittag vor der Generalversammlung. Anwesend waren VertreterInnen der Regionalgruppen aus Kärnten, Oberösterreich und Wien. Zentral ging es dabei um Fragen der Kommunikation der Regionalgruppen untereinander und mit dem Vorstand des Dachverbandes. Gewünscht werden von den Regionalgruppen ein stärkerer Informationsaustausch zwischen den Regionalgruppen und ein jährliches Treffen mit dem Vorstand. Generell – und dazu werden auch im Vorstand seit einiger Zeit Überlegungen angestellt – wird eine dezentrale Struktur des Verbandes mit mehr Autonomie der Regionalgruppen angedacht (z.B. mit der Förderung von Aktivitäten in den Regionalgruppen durch ein eigenes Budget – und damit auch eine Entlastung der Vorstandsarbeit).
     
  • Der Auftrag der Generalversammlung 2007, so berichtet Eduard Tripp (Funktion der berufsrechtlichen Vertretung nach außen), Gespräche zwischen der European Shiatsu Federation (ESF) und dem Internationalen Shiatsu-Netzwerk (ISN) zu initiieren, konnte umgesetzt werden. Im Dezember werden die ersten, hoffentlich konstruktiven Gespräche von Vertretern der ESF und der ISN stattfinden.
     
  • Im Juli 2008 sind neue Hygiene-Bestimmungen für das Massage-Gewerbe in Kraft getreten. In der 262. Verordnung des Bundesministers für Wirtschaft und Arbeit über Ausübungsregeln für Fußpflege, Kosmetik und Massage durch Gewerbetreibende (Anlage 1, § 2 Abs. 1) vom 21. Juli 2008 (BGBl. II Nr. 262/2008) werden auch spezifische Hygiene-Bestimmungen für die Shiatsu-Anwendung festgelegt: „Nach jeder Benützung der Shiatsumatte muss die Liegefläche gereinigt und mit einem geeigneten alkoholischen Flächendesinfektionsmittel desinfiziert werden (Wischdesinfektion) oder die Auflage (Leintuch) gewechselt werden".
     
  • Im berufsrechtlichen Bereich könnten, so Eduard, Veränderungen auf uns zukommen, z.B. im Bereich der Abschlussprüfungen, da mittlerweile auch andere asiatische Methoden wie derzeit Ayurveda und Tuina denselben Status innerhalb des Massage-Gewerbes anstreben (bzw. im Fall von Ayurveda auch schon erreicht haben) und nicht über langjährige Dachverbandsstrukturen verfügen wie Shiatsu. Das wirft in den zuständigen Ministerien (Gesundheits- und Wirtschaftsministerium) die Frage der Qualitätssicherung auf, ob (wie inoffiziell zu hören war) ein privater Verband, wie ihn ein Dachverband darstellt, die Qualitätskontrolle garantieren kann. Als Alternative dazu wird eine Prüfung in der Innung in Erwägung gezogen. Die Schwierigkeit besteht nun darin, dass diese grundlegenden Entscheidungen nicht direkt mit Shiatsu in Zusammenhang stehen, sondern die neuen Teilgewerbe Ayurveda und Tuina betreffen. Shiatsu-VertreterInnen sind deshalb auch nicht direkt in entsprechende Gespräche einbezogen. Sollte hier eine grundlegende Entscheidung getroffen werden, so wird sich diese aber auch auf Shiatsu und seine Strukturen auswirken.
     
  • Im September, also vor etwa einem Monat, so führt Klaus weiter aus, erfolgte die offizielle Präsentation der Shiatsu-Studie (The Effects and Experience of Shiatsu: A Cross-European Study), verbunden mit Pressefrühstück, Workshops und einer Podiumsdiskussion, im Beisein von Seamus Conolly, dem Koordinator der Studie auf Seiten der ESF.
     
  • Generell, und nicht nur durch arbeitsintensive Projekte wie die Studienpräsentation, hat die Arbeit im Vorstand deutlich zugenommen – und zwar in einem Maß, dass für ehrenamtliche Tätigkeit kaum mehr zu vertreten ist. Sein Rücktritt, den er schon in der Aussendung zur Generalversammlung angekündigt hat, und auch der der anderen beiden Praktiker-VertreterInnen steht in Zusammenhang mit dem oft enormen Arbeitsaufwand, der von den Vorstandsmitgliedern zu leisten ist. Grundlegend steht deshalb im Vorstand die Frage an, wie die interne Struktur so verändert werden muss, damit die Arbeit ohne Überlastung der Vorstandsmitglieder geleistet werden kann. Eine externe Beratung (in Form einer Vorstandsklausur) wird deshalb geplant.

Nächster Punkt der Tagesordnung war der Bericht des Kassiers von Roberto Preinreich:

  • Im Jahr 2007 (Anfang Jänner bis Ende Dezember)  hatte der Dachverband insgesamt ca. Euro 112.500.- an Einnahmen und ca. Euroa 100.000.-  an Ausgaben.
     
  • Die Buchführung des Vereins wurde von Herbert Schwarzenbacher und Rene Tischhart (Rechnungsprüfer des Vereins) überprüft und bestätigt.

Anschließend erfolgte die einstimmige Entlastung des Vorstandes und des Kassiers.
 
Der nächste Programmpunkt war die offizielle Verabschiedung von Brigitte Wolfertsberger, die den Österreichischen Dachverband für Shiatsu fast genau fünf Jahre lang hervorragend mit der Führung des Sekretariats unterstützte. Stellvertretend für den Vorstand und die versammelten Mitglieder überreichte ihr Klaus einen Blumenstrauß als kleines Zeichen der Wertschätzung für ihre Arbeit.
 
Anschließend wurde die neue Sekretärin des Dachverbandes, Cornelia Feiertag, die erstmalig bei einer Dachverbandsveranstaltung anwesend war, offiziell vorgestellt und begrüßt.
 
Nächster Punkt der Tagesordnung war der Rücktrittswunsch von Vorstandsmitgliedern und die Neubesetzung der frei werdenden Positionen:

  • Ihren Rücktrittswunsch bekannt gegeben haben Klaus Gisinger (Obmann), Helmut Doppelhofer (Obmann-Stellvertreter) und Helga Barbier (ESF-Vertreterin).
     
  • Besetzt werden müssen zudem die schon vor der Generalversammlung frei gewordenen Positionen der SchülerInnen-VertreterInnen. Beschlossen wurde, dass die SchülerInnen-VertreterInnen (vier SchülerInnen-VertreterInnen waren anwesend) ein SchülerInnen-VertreterInnen-Treffen einberufen und zwei VertreterInnen wählen, die anschließend vom Vorstand kooptiert werden sollen.
     
  • Für die PraktikerInnen-Vertretung hatten Beatrix Simak und Mike Mandl ihre Kandidatur schon vor der Generalversammlung bekannt gegeben. Als dritte Kandidatin meldete Maria Sauberer während der Versammlung ihre Kandidatur an.
     
  • Um die Kandidatur von Mike Mandl hat sich in der Folge eine intensive Diskussion entsponnen – ausgehend von der Frage, ob hier ein möglicher Interessenskonflikt vorliegt bzw. ob es der Geschäftsordnung des ÖDS entspricht, wenn jemand als PraktikerInnen-Vertreter kandidiert, der zugleich als Schulvertreter im Österreichischen SchulleiterInnen-Verband tätig ist.          
    Den Hintergrund für die Diskussion bildet die Geschichte des ÖDS, der ursprünglich von sieben Schulen gegründet worden war und dessen Geschicke anfangs ausschließlich von SchulleiterInnen gelenkt wurden. Mit der zunehmenden Etablierung von Shiatsu und seiner Verbreitung gab es mehr und mehr Shiatsu-PraktikerInnen, die keine Schule leiteten (oder maßgeblich in einer engagiert waren) und deren Anliegen es war, ihre Interessen selbst zu vertreten – und nicht durch SchulleiterInnen bestimmt zu werden (in eine von ihnen nicht immer gewünschte Richtung).
    Dies führte dazu, dass jene Geschäftsordnung geschaffen wurde, die wir bis heute anwenden, nämlich dass vier PraktikerInnen-VertreterInnen, drei SchulleiterInnen-VertreterInnen und zwei SchülerInnen-VertreterInnen im Vorstand vertreten sein sollen. Der Grundgedanke dahinter war (und ist), dass SchulleiterInnen, PraktikerInnen und SchülerInnen zwar der Umstand eint, dass Shiatsu gut vertreten werden, sich beruflich etablieren soll und ideale Bedingungen für Ausbildung und Berufsausübung geschaffen werden sollen (etc.), dass aber in gewissen Bereichen unterschiedliche Interessenslagen vorhanden sein können. Historisch war eines der ersten Konfliktthemen zwischen PraktikerInnen und SchulleiterInnen die Shiatsu-LehrerInnen-Ausbildung.       
    In der aktuellen Diskussion bei der Generalversammlung nannte Barbara Schneider (ehemalige PraktikerInnen-Vertreterin, Obfrau und Obfrau-Stellvertreterin) als ein aktuelles Beispiel die möglicherweise unterschiedlichen Zielsetzungen zwischen Schulen und PraktikerInnen in Hinblick auf Werbung durch den ÖDS.
    Seit mehreren Jahren gibt es im Vorstand nun schon diese bewährte Aufteilung von PraktikerInnen-VertreterInnen, SchulleiterInnen-VertreterInnen und SchülerInnen-VertreterInnen, wobei im Laufe der Jahre manche PraktikerInnen im Vorstand durchaus auch Lehrberechtigungen hatten, nie aber eine eigene Shiatsu-Schule leiteten oder mit einer Schule wirtschaftlich und/oder leitend eng verbunden waren. Umgekehrt ist es aber natürlich so (und so sollte es ja auch sein, damit Erfahrung in den Unterricht einfließt), dass SchulleiterInnen Shiatsu praktizieren (in diesem Sinne auch Shiatsu-PraktikerInnen sind) und nicht nur unterrichten.              
    Im Falle der Kandidatur von Mike Mandl ist diese Diskussion entfacht, da er seit geraumer Zeit als Schul-Vertreter im SchulleiterInnenverband tätig ist. Die Bedenken gingen in Richtung möglicher Interessenskonflikte und  die Aufweichung der bisherigen Struktur des Verbandes, in der ganz bewusst die PraktikerInnen vier Stimmen und die Schulen drei Stimmen haben (entsprechend den realen Verhältnissen, dass im Verband wesentlich mehr PraktikerInnen sind als Schulen). Auf der anderen Seite standen Respekt für sein Engagement und die Annahme seiner Kandidatur als Übergangslösung, weil sich eben nicht genug engagierte PraktikerInnen für die Vorstandstätigkeit gefunden haben.     
    Nach längerer Diskussion erbat sich Mike Mandl eine Pause – in der es ein Buffet gab –, auch um sich seine Kandidatur zu überlegen. Nach der Pause setzte sich die Diskussion über das weitere Vorgehen fort. Mike Mandl entschied sich aufgrund der unklaren Situation für einen Rücktritt seiner Kandidatur.
     
  • Die Abstimmung, ob jetzt in der Generalversammlung zumindest zwei KandidatInnen für den Vorstand gewählt werden sollen (und damit nur noch eine beim nächsten PraktikerInnen-Treffen gesucht und gewählt wird) oder ob alle drei PraktikerInnen im PraktikerInnen-Treffen gewählt werden sollen, ergab mit 19 zu 9 Stimmen (bei mehreren Stimmenthaltungen) ein klares Votum für die Wahl beim nächsten PraktikerInnen-Treffen. Die gewählten PraktikerInnen sollen dann vom Vorstand kooptiert werden.
     
  • Aus diesem Grund wird in den nächsten Tagen eine Aussendung an alle PraktikerInnen ergehen mit einer Einladung zum PraktikerInnen-Treffen. Damit verbunden ist die Information über den derzeitigen Stand und auch darüber, dass – sollten sich nicht genügend PraktikerInnen für die Vertretung im Vorstand finden – die Generalversammlung angeregt hat, dass es dann auch sinnvoll wäre, die bisherige 4-(PraktikerInnen)-zu-3-(SchulleiterInnen)-zu-2(SchülerInnen)-Regelung zumindest vorübergehend auszusetzen.

Im abschließenden Tagesordnungspunkt berichtete Klaus über die Mitgliedschaft in der ESF. Aus der Sicht des ÖDS sind, nach Abschluss der Studie, die Mitgliedsbeiträge viel zu hoch, weil wir für jedes Mitglied, gleich ob SchülerIn oder PraktikerIn 15 Euro bezahlen. Für 2009 schlägt der ÖDS vor, nur für PraktikerInnen den ESF-Beitrag zu zahlen. Ein entsprechendes Schreiben ergeht an die ESF.
 
Diskutiert wird im Vorstand des ÖDS generell eine Änderung der Beitragsstrukturen in der ESF: Die Mitgliedsbeiträge sollten stark gesenkt werden und z.B. die Tagungsspesen der ESF-VertreterInnen von den jeweiligen Landesverbänden selbst übernommen werden. Für beschlossene Projekte sollte jeweils nach Bedarf ein Finanzierungsplan entwickelt werden.

Etwa um 23 Uhr endete die Generalversammlung.

Nachtrag:

In der Generalversammlung ist leider die Verabschiedung von Barbara Schneider untergegangen, die bislang – nach ihren Tätigkeiten im Vorstand als Obfrau-Stellvertreterin und Obfrau – das Generalsekretariat geleitet hat.
 
Für ihre kompetente Arbeit und ihre Unterstützung des Dachverbandes sei ihr deshalb an dieser Stelle herzlichst gedankt!
 
Weiters auf der Strecke geblieben ist die Verabschiedung der drei zurücktretenden Vorstandsmitglieder Helga, Heli und Klaus – auch wenn sie noch für kurze Zeit, bis die neuen Vorstandsmitglieder bestellt worden sind – im und für den Vorstand tätig sein werden.
 
Auch ihnen gebührt ganz großer Dank für ihre Arbeit und ihr Engagement für den Verband und für Shiatsu!

(Irrtümer vorbehalten)

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© Dr. Eduard Tripp, A-1120 Wien, Schönbrunner-Schloss-Str. 21/8, Tel: +43 (1) 815 91 75, tripp@shiatsu-austria.at
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