Grundlagen westlicher und fernöstlicher Medizin |
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Wissenschaft und Philosophie sind durch zwei unterschiedliche
erkenntnistheoretische Ansätze geprägt, einerseits durch die
Frage nach dem Inhalt ("Woraus besteht es?") und andererseits
durch die Frage nach der Form ("Was für einen Inhalt hat es?") Die Frage nach dem Inhalt Das Studium des Inhalts, der Substanz, begann im wesentlichen im alten Griechenland im 6. Jahrhundert vor Christi mit der Frage nach den Grundbestandteilen der Materie. Die Antworten darauf - je nach dem Stand der wissenschaftlichen Erkenntnis - waren die Elemente Erde, Feuer, Luft und Wasser, später dann die chemischen Elemente, die Atome und nunmehr subatomare Teilchen, in der Biologie Organismen und Arten, dann Zellen und schließlich Makromoleküle. Diese Betrachtung wurde vor allem durch Galileo Galilei (1564 bis 1642) zur Grundlage der modernen Wissenschaft. Galilei begründete mit der Einführung von reproduzierbaren (wiederholbaren) Messungen und deren mathematischer Quantifizierung das "naturwissenschaftliche Zeitalter", womit er die Wissenschaft von der Theologie und der Philosophie trennte.
Sir Isaac Newton (1642 bis 1727) entwickelte auf den Grundlagen von Galilei ein umfassendes mechanistisches Weltbild, in dem an die Stelle geheimnisvoller Beziehungen und Verbindungen die wissenschaftliche Vorstellung einer exakt quantifizierbaren und mathematisch erfassbaren Kraft trat, und aus dem Weltall wurde quasi ein riesiges, von mathematischen Gesetzen regiertes Uhrwerk, von dem sich der "göttliche Uhrmacher", nach dem alles einmal in Gang gesetzt war, zurückgezogen hat. Im 19. Jahrhundert wurde das evolutionäre Denken eingeführt,
die Zelltheorie formuliert, die moderne Embryologie und die Mikrobiologie
nahmen ihren Anfang. Die Gesetze von der Vererbung wurden entdeckt. Diese
Eigenschaften und Erkenntnisse ließen die Biologie auf Physik und
Chemie aufbauen, und man bemühte sich, physikalisch-chemische Erklärungen
des Lebens zu suchen. In der Mikrobiologie wies Pasteur nach, dass es
einen eindeutigen Zusammenhang zwischen Mikroorganismen (Keimen) und
Krankheiten gibt, was dazu führte, dass Bakterien als (nahezu einzige)
Ursache von Krankheiten gelten gelassen wurden. Die moderne naturwissenschaftliche Medizin Die moderne Medizin beruht auf einem naturwissenschaftlichen Zugang, dessen Grundlagen von Galilei, Newton, Descartes und anderen auf physikalischer und weltanschaulicher Ebene geschaffen wurden, und entwickelte sich zu einem vor allem somatischen, auf den Körper bezogenen Wissenszweig, der primär am Studium der Substanz interessiert und mit Gegenständlichem, Stofflichem, Materiellem befasst ist. In diesem Sinne sind Erkrankungen auch von materiellen Ereignissen verursacht, wie von Viren, Bakterien, organischen und chemischen Giften, falscher Ernährung, neuroendokrinologischen Störungen oder von mechanischen Einwirkungen (Verletzungen). Andreas Vesalius (1514 bis 1564) hat auf Grund von anatomischen Studien das Kranksein konsequenterweise mit morphologischen Veränderungen verknüpft - d.h. messbaren Veränderungen am organischen Substrat, am Gewebe, an den Zellen. Krankheit wurde (und wird) in der Folge als Fehlfunktion von physikalisch-chemischen und biologischen Mechanismen angesehen, die korrigiert (behandelt) werden müssen. _______________ In Anlehnung an "Drei Medizinsysteme - Drei Weltanschauungen" von T. Fischer |
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© Dr. Eduard Tripp,
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