Der Daoismus


Huang Di - Der gelbe KaiserDer chinesischen Überlieferung zufolge hat der Gelbe Kaiser den Daoismus begründet und bekannt gemacht. Nachdem er bei einem alten Weisen studiert hatte, entwickelte er daoistische meditative, alchimistische und medizinische Prinzipien und Praktiken. Nach hundertjähriger Herrschaft (von 2697 bis 2597 vor Christi Geburt) stieg er auf dem Rücken eines Drachens in den Himmel auf und wurde einer der Unsterblichen.

Die Wurzeln des Daoismus liegen, so Zhuangzi, der etwa 370 bis 280 vor Christi Geburt lebte, im "Zeitalter der vollkommenen Tugend". In dieser Zeit lebten die Menschen mit den Tieren und Vögeln wie Mitglieder einer großen Familie. Alle - Mensch und Tier - besaßen natürliche Tugend und lebten in einem Zustand reiner Einfachheit. Die Menschen lebten in Einklang mit sich selbst, der Welt und den anderen Lebensformen (die sie als ihre Lehrer und Freunde betrachteten). Daher hinterließen ihre Handlungen auch keine Spuren, so dass wir heute für ihre Existenz keine greifbaren Belege mehr haben.

Zunächst noch ganz allmählich, dann aber immer stärker begann das menschliche Ego zu wachsen und Ansprüche zu stellen. Dadurch kam es in der Folge, gewissermaßen nach vielen "unerfreulichen Zwischenfällen", zur "Großen Trennung". Die bislang nahezu telepathische Verbindung zwischen dem Mensch und der Welt um ihn wurde unterbrochen.

Nun so auf sich gestellt - entfremdet von der Welt, aus der er entstanden war, getrennt von der unermesslichen Fülle -, war der Mensch nicht mehr glücklich. Und da er nicht mehr in der Lage war zu hören, was die anderen Lebensformen ihm sagten, konnte er nur noch versuchen, sie durch ihre Verhaltensweisen zu verstehen - die er aber häufig missdeutete. 

Die Trennung wurde immer größer, so dass die Menschheit schließlich ein unglückliches Dasein führte. Schließlich wurden deshalb vollkommene Wesen in Menschengestalt geboren, die die vergessenen Wahrheiten lehrten. Doch die Menschen waren in ihrem Wesen so gespalten und den universalen Gesetzen der natürlichen Welt gegenüber so unempfänglich geworden, dass sie diese Wahrheiten nur teilweise verstanden.

Die Erinnerung an die "Große Trennung" und das "Vollkommene Zeitalter", das zuvor existiert hatte, wurde von den Weisen wachgehalten, und etliches des Verständnisses, der Fähigkeiten und der Praktiken, die aus der Zeit vor der "Großen Trennung" stammten, blieben erhalten und wurden von Generation zu Generation - in China durch den Daoismus - weitergegeben.

Seit der "Großen Trennung" beschäftigen sich die Daoisten damit, wieder den Zustand der "vollkommenen Tugend" zu erreichen, indem sie alles abzustreifen trachten, was die Harmonie mit dem Dao verhindert.

 
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