Überschrift
1. Die Anfänge und das Neolithikum


China gehört zu jenen Gebieten der Erde, die schon sehr früh besiedelt wurden. Die ersten Vertreter des Homo sapiens traten in China vor ca. 40 000 Jahren auf. Ihre Vorfahren waren der Yuanmoumensch (vor ca. 1,7 - 1,6 Millionen Jahren), der Lantianmensch (vor ca. 700 000 bis 650 000 Jahren) und der Pekingmensch, dessen älteste Siedlungen vor ca. 500 000 bis 400 000 Jahren entstanden.

Etwa ab dem 11. Jahrtausend vor Christi, so die heutige Forschung, änderten sich die Lebensbedingungen für die Menschen grundlegend, denn aufgrund klimatischer Veränderungen entstanden Gebiete, die für eine dauerhafte Besiedlung geeignet waren. Zu dieser Zeit begannen Menschen, die bisher als Nomaden (Jäger, Fischer, Sammler) gelebt hatten, sesshaft zu werden. Sie kultivierten das Land, domestizierten Tiere und widmeten sich der Herstellung von Keramiken. Unzählige Funde aus der Zeit des Neolithikums (ca. 8500 - 1800 v. Chr.) bezeugen die frühen Kulturen Chinas.

Die ältesten neolithischen Grabungsstätten findet man in den südlichen Provinzen Fujian, Jiangxi, Guandong, Guangxi und Guizhou (10. - 9. Jahrtausend v. Chr.) sowie in den östlichen Regionen Nordchinas, am Fluss Liao (Xinglongwa-Kultur 8500 - 7000 v. Chr. und Xinle-Kultur 7000 - 5000 v. Chr.). Weitere Funde belegen die Entstehung von Siedlungen ab dem 6. Jahrtausend v. Chr. in einigen Gebieten Zentral- und Nordchinas sowie an den Küsten. Die umfassendste Entwicklung fand an der Mündung des Huanghe (Gelber Fluss), an dessen Nebenfluss Wei sowie weiter südlich am Jangtsekiang (Langer Fluss) statt.

Die nördlichen Kulturen wurden nach den Fundorten Peiligang-Kultur und Cishan-Kultur (6500 - 4900 v. Chr.) genannt. Sie entwickelten sich in den Provinzen Henan, Hebei, Shaanxi und Shanxi - und gehen nach Meinung einiger Wissenschaftler auf noch ältere Siedlungen zurück. Charakteristisch sind die Steinarbeiten, die bereits mit hoch entwickelten Techniken ausgeführt wurden, Keramik in Rot und Braun und eine Wirtschaft, die sich vor allem auf die Aufzucht von Hunden und Schweinen und den Anbau von Hirse stützte. Die in einigen Gräbern entdeckten Grabbeigaben zeugen bereits von einem religiösen Volksglauben.

In diesem Gebiet breitete sich auch die Yangshao-Kultur (5000 - 3000 v. Chr.) aus, die am ausführlichsten dokumentierte Kultur. Über 1000 Grabungsstätten (von Gansu und Qinghai nach Osten entlang des Huanghe) zeugen von dieser Kultur. Als typisches Beispiel für das Sozialgefüge der Yangshao-Kultur gilt das Dorf Banpo (4800 - 3600 v. Chr.) in Shaanxi, dessen Anlage darauf schließen lässt, dass es in dieser Gemeinschaft keine strikte Rangordnung gab. Die gefundenen Keramikgefäße sind mit geometrischen Mustern, Menschenantlitzen, Fischen, Hirschen und einfachen Schriftzeichen dekoriert. Weitere Funde belegen, dass Spinnerei und Weberei bekannt waren.

Zur Zeit der Miaodigou-Kultur (3900 - 3000 v. Chr.) waren Wellenlinien und ineinander fließende Spiralen als Verzierungen sehr beliebt.

In den westlichen Provinzen von Gansu und Qinghai, einem Gebiet zu dem später auch Teile der Inneren Mongolei gehörten, entwickelten sich unter dem Einfluss der Yangshao-Kultur zwischen 3300 und 2050 v. Chr. die Majiayao-Kultur, die Banshan-Kultur und die Machang-Kultur. Aus der Machang-Kultur wiederum entstand die Qijia-Kultur (2250 - 1900 v. Chr.).

Keramik in Eulengestalt aus dem Neolitikum (ca. 8500 - 1800 v. Chr.)Im westlichen Gansu entwickelte sich die Huoshaogou-Kultur (1800 - 1600 v. Chr.) mit ihrem Gegenständen aus Kupfer, Bronze, Silber und Gold.

In Shandong und in einigen Gegenden von Jiangsu, Anhui und Henan entstand die Dawenkou-Kultur (5000 - 2500 v. Chr.), deren Keramiken farbenfroh waren - je nach verwendetem Ton und der Art des Brennens. Die reichen Totengaben einiger Grabstätten lassen auf eine straff organisierte Gesellschaftsform schließen.

Im Osten entstanden die Majiabang-Kultur (500 - 3500 v. Chr.) und die Hemudu-Kultur (5000 - 3300 v. Chr.) in Jiangsu und im nördlichen Zhejiang, deren Wirtschaft auf Fischfang, den Aufzucht von Hunden, Schweinen und Wasserbüffeln und der Kultivierung zahlreicher Wasserpflanzen - wie z.B. Reis - beruhte. Die Tongefäße der Majiabang-Kultur waren braun, die der Hemudu-Kultur schwarz.

Die Songze-Kultur (4000 - 3000 v. Chr.) und die Qingliangang-Kultur (4800 - 3600 v. Chr.) entwickelten sich entlang der Küste. Sie entstanden direkt aus den Kulturen der Majiabang und Hemudu. Die Jadearbeiten der Qingliangang-Kultur sind die ältesten bisher gefundenen.

Bedeutsam sind auch die Jadearbeiten der Hongshan-Kultur, die aus der Xinle-Kultur hervorging und sich in Liaoning und der Inneren Mongolei entwickelte. Hier wurde der älteste Tempel gefunden.

Mit der Liangzhu-Kultur (3300 - 2200 v. Chr.) - entlang der östlichen Küste in Zhejiang und Jiangsu - fand eine Weiterentwicklung der Jadearbeiten statt, die Insignien herrschender Gruppen waren, Symbole für Autorität und Charisma. Die Grabstätten dieser führenden Elite wurden mit nahezu unvorstellbar wertvollen Totengaben bestückt. Zu jener Zeit bildeten sich auch die ersten Stadtstaaten entlang der Ostküste.

Für die Daxi-Kultur (5000 - 3000 v. Chr.) - im Tal des Jangtsekiang, zwischen Sichuan, Hubei und Hunan - typisch sind der Reisanbau, die Herstellung von Werkzeugen sowie schwarze, rote und braune Keramik.

Weiter südlich entwickelten sich die Dapenkeng-Kultur (5000 - 2500 v. Chr.) und die Shixia-Kultur (2865 - 2480 v. Chr.). Die Shixia-Kultur veredelte die Jadebearbeitung in entscheidender Weise.

Die Longshan-Kultur (3000 - 2000 v. Chr.), die sich in einigen Gebieten aus der Yangshao-Kultur und in anderen aus der Dawenkou-Kultur entwickelte, breitete sich ab dem 3. Jahrtausend v. Chr. an der Mündung des Huanghe (Gelber Fluss) aus.

Der Longshan-Kultur werden die technischen Fortschritte zugeschrieben, die den Übergang vom Neolithikum zur Bronzezeit kennzeichneten: Die Metallbearbeitung entwickelte sich, die Erfindung der Töpferscheibe ermöglichte fein gearbeitete Keramiken, und Brennöfen mit wenig Sauerstoffbedarf sorgten für eine gleichmäßig brillante schwarze Farbe. Aus der Longshan-Kultur entwickelten sich im 2. Jahrtausend v. Chr. die Dynastien, die in Zentralchina der Bronzezeit ihre Vormachtstellung festigen und ausbauen konnten.

 

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Die Darstellung folgt Maurizio Scarpari "Das antike China"

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