Die Kulturgeschichte Chinas
4. Die Shang-Dynastie


Der letzte Herrscher der Xia-Dynastie, Jie, wurde von einer grausamen und zügellosen Konkubine gegängelt. Sein unwürdiges Verhalten erweckte den Zorn der Götter, was sich tief greifend auf Mensch und Natur auswirkte. Seinetwegen, so wird weiter berichtet, geschah schreckliches Unheil und die soziale Ordnung geriet derart aus den Fugen, dass es notwendig erschien Jie durch Tang zu ersetzen, denn Tang war ein tugendhafter Mensch: würdig den göttlichen Auftrag (China beherrschen und leiten) zu erhalten. Dies war der Beginn der Shang-Dynastie, die in China vom 16. bis zum 11. Jahrhundert vor Christi herrschte.

Ursprünglich war Shang der Name der alten Hauptstadt des Volkes, das die Xia besiegt hatten. Später wurden damit die Schamanen bezeichnet, die an der Spitze der Stammesgemeinschaft standen. Das königliche Geschlecht bestand aus Schamanen: Der Herrscher, Inhaber der politischen, militärischen und religiösen Macht, und der Klan, dessen Oberhaupt er war, erhielten ihre Macht auf Grund ihrer allgemein anerkannten Fähigkeit, mit den Ahnen und Gottheiten in Verbindung treten zu können.

Mittelpunkt der Riten war der Ahnenkult, der die Familien- und Stammesbande stärkte und heiligte. Religion und Politik waren eng miteinander verbunden. Zeremonien spielten eine entscheidende politische Rolle und die Stütze des Staates bildete das Territorium, das direkt der Verwaltung des königlichen Geschlechts unterstand. Daneben gab es Regionen, die von Gouverneuren (meist Familienangehörigen oder sonstigen Abhängigen, die an die Zentralmacht gebunden waren) verwaltet wurden.

In den Archiven von Anyan (Provinz Henan) fand man in großer Zahl so genannte "Orakelknochen": Man ritzte Fragen in die Tierknochen (dies sind zugleich auch die ersten bekannten chinesischen Schriftzeichen) und erhitzte diese. Die dabei entstehenden Risse in den Knochen wurden von den Schamanen als Nachrichten der Ahnen, die während des Rituals angerufen wurden, interpretiert. Die Entscheidungen des Hofes und des Staates stützten sich in der Shang-Dynastie stets auf die Aussagen des Orakels.

Die Shang-Herrscher verfügten über eine schlagkräftige Armee, die mit wendigen Kampfwagen ausgerüstet war. Sie unternahmen Feldzüge, unterhielten aber auch diplomatische Beziehungen, um ihre Vorherrschaft zu festigen oder die Allianzen zu anderen Staaten zu erhalten. Völker, die an den Grenzen des Shang-Reiches lebten, hielt man für "Barbaren". Sie wurden als Sklaven verschleppt oder als Menschenopfer dargebracht.

Die erste Phase der Shang-Dynastie ist die Zeit von Erligang oder Zhengzhou (ca. 16. bis 13. Jahrhundert vor Christi). In dieser Zeit erlebte die Herstellung von Sakralbronzen eine Blütezeit. Diese Bronzen wurden von den Aristokraten bei Kulthandlungen verwendet und den Verstorbenen neben der wertvollen Jade mit ins Grab gelegt.In der zweiten Phase der Shang-Dynastie (Anyang-Phase, ca. 13. bis 11. Jahrhundert vor Christi) zeichnen sich die Kultgefäße durch realistische Tierdarstellungen und ausdrucksvoll stilisierte Masken aus. Erstmals befinden sich kurze Inschriften auf den Gefäßen, die den Besitzer oder den Empfänger des Objekts und später auch den Anlass der Festlichkeit festhalten.

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Die Darstellung folgt Maurizio Scarpari "Das antike China"

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