Akupunktur im
Einklang mit der Zeitqualität
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Die Zirkulation der Energie (Qi) im menschlichen Körper unterliegt einer rhythmischen Änderung. Sie ist nicht gleichmäßig, sondern zu gewissen Zeiten findet sich ein maximaler und ein minimaler Füllezustand in den Meridianen und Organen. Jeweils zwei Stunden (eine chinesische Doppelstunde) hat ein Organ seine Hochzeit und - 12 Stunden später - seine Minimalzeit (vgl. Kreislauf der Meridiane "Organuhr"). Aus dem zyklischen Fluss der Energie ergibt sich auch,
dass bestimmte Akupunkturpunkte zu gewissen Zeiten besonders effektiv
auf den Fluss der Energie wirken ("offen" sind). In der
Chrono-Akupunktur, der Akupunktur im Einklang mit der Zeitqualität
(wu yun liu qi zhen jiu liao fa), werden darum - neben der Auswahl der
Punkte nach differentialdiagnostischen Kriterien - auch diese Zeiten
besonderer Wirksamkeit berücksichtigt.
Vor allem zwei verschiedene Systeme kommen dabei zur Anwendung: die "Methode
des Strömen nach zi
und wu" (zi wu liu shu liao fa) und die "Achtfache Methode
der wirkkräftigen
Schildkröte" (ling gui ba fa). Methode des Strömens nach zi und wu (zi wu liu zhu liao fa) Mit der Methode des Strömens nach zi und wu (zi wu liu zhu liao fa), die auf He Ruo Yu (ziwu liuzhu zheng jing, "The Classic of ZiWuLiuZhu Acupuntcure", 1153) zurückgeht und von Xu Feng (zhen jiu da quan, "The Complete Collection of Classics of Acupuncture and Moxibustion", 1439) weiter entwickelt wurde1), wird bestimmt zu welchen Zeiten bestimmte Akupunkturpunkte auf Grund der sich wandelnden Zeitqualität besonders wirksam sind. Verwendet werden insgesamt 66 Punkte, nämlich die Antiken Punkte (Wu Shu Xue) und die Quellpunkte (Yuan Xue).
Liuzhu ("fließen und strömen") steht
für die Bewegung und
das Fließen von Qi und Blut (Xue) in den Meridianen. So wie der
Fluss des Wassers in der Natur, so spiegelt sich die fließende
Energie auch in den Antiken Akupunkturpunkten (wu shu xue): Der Jing-Punkt
(Shu I) entspricht der Quelle, die sich zum Bach (Ying-Punkt, Shu II),
zum Fluss (Shu-Punkt, Shu III) und zum Strom (Jing-Punkt, Shu IV) entwickelt,
um im He-Punkt (Shu V) ins Meer der Energie zu münden. 1) Methode, das Qi nach den Erdenzweigen aufzunehmen (na zi fa) Die Auswahl der Akupunkturpunkte ergibt sich aus
der Tageszeit nach den Erdenzweigen (vgl. Die chinesische
Zeitrechnung. Der Kalender). Eingeführt wurde diese Methode durch
Dou Hanqing (Biao youfu, 1234). Der Grundgedanke dieser Methode ist der
(doppel-)stundenweise Wechsel der Maximalenergie der zwölf regulären
Meridiane.2) Jedem Erdenzweig einer Doppelstunde ist ein Meridian
zugeordnet und zeigt die Aktivität in diesem an. a) In der Methode zi wu liu zhu yi shi na wu shu na zi fa werden die Doppelstunden in jeweils fünf gleiche Teile (jeweils 24 Minuten und 45 Sekunden) aufgeteilt, die der sukzessiven Öffnung der fünf Antiken Punkte (Shu I bis Shu V) entsprechen.
Ähnlich kann man auch nach der Tageszeit gemäß den "Maximalzeiten" arbeiten.
d) Eine weitere, einfache Methode, die Zeitqualität zu
benützen, ist die im Nan Jing (Klassiker der Schwierigkeiten) beschriebene
Methode, den Antiken Punkt des jeweils offenen Meridians zu wählen, dessen
Element dem betroffenen Funktionskreis (Organ) angehört. 2) Methode, das Qi nach den Himmelsstämmen aufzunehmen (na jia fa) Die Auswahl der Akupunkturpunkte erfolgt hier aus dem Himmelsstamm
des Tages und aus der Tageszeit. Die Methode des na jia fa bezieht sich
auf die Interferenz zwischen kosmischem und menschlichem Qi und folgt zwei
Regeln: der "Yang-vorwärts-Yin-rückwärts-Regel"
und der "Öffnungsregel". Yang-vorwärts-Yin-rückwärts-Regel (yang jin yin tui) Die Yang-vorwärts-Yin-rückwärts-Regel (yang jin yin tui)
wird angewendet, um den energetischen Tagesbeginn festzulegen. Yang beginnt
bereits in der vorhergehenden Yin-Periode zu fließen (und umgekehrt).
Die letzte Stunde eines Yang-Tages ist damit zugleich die erste Stunde
eines Yin-Tages (und umgekehrt). Öffnungsregel An einem Yang-Tag während einer Yang-Periode öffnet sich der Jing-Punkt eines Yang-Meridians. An einem Yin-Tag während einer Yin-Periode öffnet sich der Jing-Punkt eines Yin-Meridians. Nachfolgend die offenen Punkte entsprechend der Öffnungsregel - unter Berücksichtigung von Perikard und Drei-Erwärmer (der energetische Stundenbeginn ist grau hinterlegt).
Zugleich mit den Shu-Punkten (Shu III) öffnet sich immer
auch der Quell-Punkt (Yuan-Punkt), der auf den Yin-Organe ident mit dem
Shu-Punkt (Shu III) ist, so dass somit insgesamt 66 Punkte zur Verfügung
stehen. Achtfache Methode der wirkkräftigen Schildkröte (ling gui ba fa) Bei der Achtfachen Methode der wirkkräftigen Schildkröte3) (ling gui ba fa) werden die acht Schlüssel-Punkte (Kardinal-Punkte, Bamai Jiaohui Xue), wo sich die regulären Meridiane mit den Außerordentlichen Gefäßen (Sondermeridianen) kreuzen, mit der Theorie der zehn Himmelsstämme und zwölf Erdenzweige verbunden4) (vgl. Himmelsstämme und Erdenzweige). Die Methode des ling gui ba fa - wie auch die vereinfachte Variante fei teng ba fa - geht auf Dou Han Qing ("A Guideline of Acupunctue Classics") zurück5). Wichtige Veröffentlichungen sind Bia youfu (1234), Zhen jing zhinan (1241) und Zhen jiu da quan (1439). Bei dieser Methode werden für alle 60 Tage der Himmelsstämme-Erdenzweige-Kombinationen und für jede der 12 chinesischen Doppelstunden die jeweils offenen Schlüsselpunkte berechnet, die zur Anwendung kommen. Die zwölf regulären Meridiane werden mit Flüssen und Bewässerungskanälen verglichen, wohingegen die Außerordentlichen Gefäße den Seen und Ausgleichsbecken entsprechen, die den Wasserstand der Flüsse regulieren.
Die Stimulation der Schlüsselpunkte - Straßenkreuzungen vergleichbar - ermöglicht die Stimulation gleich mehrerer Meridiane, wobei meist zudem - was die Wirksamkeit nochmals verstärkt - die Schlüsselpunkte paarweise kombiniert werden: MP 4 mit P 6, ___________________ [1] Moderne Abhandlungen
über zi wu liu zhu stammen von Wu Zaho Xian ("On Difficulties of ZiWuLiuZhu",
1956), Cheng Dan An et al. ("The Method of ZiWuLiuZhu Acupuncture", 1957),
Liu Guan Jun et al. ("ZiWuLiuZhu and Rotating Plate for Calculation",
1983) und Liu Bin Quan ("Essentials of ZiWuLizZhu and LingGuiBaFa Acupuncture",
1985). Die chinesische Zeitrechnung.
Der Kalender |
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© Dr. Eduard Tripp,
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