Prävention und Gesundheitsförderung |
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In der Geschichte der Medizin gibt es
seit jeher Anstrengungen, Krankheiten zu verhüten, wobei heute vor allem die Vermeidung chronisch-degenerativer
Erkrankungen und so genannter Zivilisationskrankheiten im Mittelpunkt
präventiver Anstrengungen stehen. Biomedizinisches Risikofaktorenmodell Das Risikofaktorenmodell wurde ursprünglich in den fünfziger Jahren in Zusammenhang mit der Erforschung der koronaren Herzerkrankungen auf der Grundlage von epidemiologischen Studien und Statistiken von Lebensversicherungsgesellschaften entwickelt. Dabei zeigten sich Zusammenhänge zwischen Risikofaktoren wie z.B. hohen Blutfettwerten, Tabakkonsum, Bluthochdruck, Übergewicht, psychischen Ressourcen und dem Auftreten von koronaren Herzerkrankungen, vor allem von Herzinfarkten. Je mehr Risikofaktoren - insbesondere bei Männern -, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, einen Herzinfarkt zu bekommen.
Da Risikofaktoren als beginnende Krankheiten aufgefasst
werden, konzentriert sich die Prävention vor allem auf die Vermeidung von Risikofaktoren
und auf individuelle Verhaltensänderungen. Vor allem werden dabei "verhaltensgebundene
Risikofaktoren" (wie z.B. Rauchen, Bluthochdruck, Übergewicht)
ins Zentrum der Prävention gestellt, wohingegen die "kontext-
und verhältnisbezogenen Risikofaktoren" (wie z.B. chronische
Arbeitsbelastung, Umwelteinflüsse) derzeit eher noch vernachlässigt
werden. Programm zur Gesundheitsförderung Das "Programm zur Gesundheitsförderung" (Health Promotion), das in der Ottawa-Charta der Weltgesundheitsorganisation (WHO) 1986 vorgestellt wurde, ergänzt das biomedizinische Risikofaktorenmodell (und seine damit verbundenen Implikationen). Seine zentralen Merkmale können mit dem Begriff des Lebensweisenkonzepts charakterisiert werden: Gesundheitsförderung als ein sozial-ökologisches
Gesundheits- und Präventionsmodell betrachtet Gesundheit nicht als
Ziel, sondern als Mittel, um Individuen zu befähigen, individuelles
und gesellschaftliches Leben positiv zu gestalten. Präventive Maßnahmen
zielen auf die aktive und selbstverantwortliche Beteiligung von Laien
an der Herstellung gesundheitsfördernder Bedingungen und auf den
Dialog und die Interaktion zwischen Laien und Professionellen. Der Gesundheitsförderung
liegt ein komplexer, mehrdimensionaler Gesundheitsbegriff zugrunde und
baut auf einem biopsychosozialen Krankheitsmodell auf. Neben individuellen
Ansätzen betont das Konzept der Gesundheitsförderung
vor allem die Notwendigkeit struktureller Veränderungen. Salutogenese Das Konzept der
Salutogenese stammt von Aaron Antonovsky
und verzichtet auf eine Definition von Gesundheit. Es richtet sein
Interesse auch nicht auf spezifische Symptome, sondern vor allem auf
die Tatsache, dass ein Organismus (wenn er erkrankt) seine Ordnung
nicht mehr aufrechterhalten kann und "zusammenbricht". Der
salutogenetische Ansatz setzt - anstatt ausschließlich die krankmachenden
Einflüsse zu bekämpfen
- zusätzlich auf eine Stärkung von Ressourcen, um den Organismus
gegen schwächende Einflüsse widerstandsfähiger zu machen.
In diesem Kontext ist die Frage von Bedeutung, warum Menschen gesund
bleiben und welche Eigenschaften und Fähigkeiten sie darin unterstützen.
Durch die Einbeziehung der individuellen Lebensgeschichte einer Person
und durch die Erfassung aller ihrer Lebensaspekte lassen sich Ressourcen
auffinden und fördern, die wesentlich zur Genesung der Person beitragen
können. _____________________________________ [1] Morbidität: Wahrscheinlichkeit, eine Krankheit zu bekommen. [2] Mortalität: Wahrscheinlichkeit, an einer bestimmten Krankheit zu sterben. [3] Kritischer Wert: Wert, ab denen ein Risikofaktor gefährlich ist. [4] Einwirkungszeit: Zeit, wie
lange ein Risikofaktor bestehen muss, um gefährlich zu sein. Quelle: Jürgen Bengel, Regine Strittmatter & Hildegard Willmann: "Was erhält Menschen gesund? Antonovskys Modell der Salutogenese - Diskussionsstand und Stellenwert". Forschung und Praxis der Gesundheitsförderung Band 6, Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, Köln 2001 |
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© Dr. Eduard Tripp,
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