Das Dao des
Lebens
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Die alten Daoisten haben durch das Betrachten der Natur bestimmte Gesetzmäßigkeiten festgestellt, die sich auch in unserem menschlichen Dasein wieder finden. Am Beispiel der verschiedenen Stadien in unseren Leben können wir das System der fünf Wandlungsphasen konkret kennen lernen. Innerhalb dieser Wandlungsphasen kann es zu Störungen oder Stagnationen kommen. Denken wir uns zum Beispiel ein "typisches Muttersöhnchen": Ein Mensch, der zum Ende der Feuerphase die Abnabelung, den Absprung von den Eltern nicht geschafft hat. Er wohnt sicherlich noch bei seinen Eltern, lässt sich versorgen und hat zu wenig Eigenantrieb, in die Welt zu gehen. Es fehlt an Wagemut und Neugier. Womöglich erscheint das "da Draußen" für so einen Menschen als zu bedrohlich und gefährlich. Durch die Berührung mit Shiatsu haben wir die Möglichkeit, jemanden auf den Weg zu bringen, und zwar auf seinen ureigenen Weg. Ein anderes Beispiel ist ein Mensch, der das "Altern" nicht akzeptieren kann: Mit Hilfe von Kosmetik, Kleidung oder gar chirurgischen Eingriffen wird der Welt ein Alter, bzw. eine Lebensphase vorgegaukelt, die bereits vergangen ist, die Jugend. Es wird oft eine enorme Energie für dieses "Nicht-Anerkennen" aufgewendet, die in der Metallphase zu einem erheblichen Ungleichgewicht führen kann. Auch hier kann langfristig mit Hilfe von Shiatsu eine Veränderung eintreten im Sinne vom Annehmen dessen, was wirklich ist. In erster Linie sich selbst begreifen als ein Wesen, das den Veränderungen unterliegt.
Holz - Der Aufbruch Frühling. In der Natur beginnen die Bäume
auszuschlagen, Kerne bilden Wurzeln und treiben Keime, Knospen bilden
sich. Für uns steht die Geburt am Anfang. Mit unbändiger Kraft setzten
die Wehen ein, die uns aus dem Mutterleib herauspressen. Eine enorme
Leistung. Ein Prozess, der nicht auf zuhalten ist. Die gewaltigen Wachstumsprozesse,
die ja schon im Mutterleib gewirkt haben, walten weiter: Nie mehr in
unserem Leben ist das Größenwachstum derartig stark wie im
ersten Lebensjahr. Auch in den folgenden Jahren unserer Kindheit findet
weiterhin ein unaufhaltsames Wachstum statt. Aber nicht nur körperlich,
sondern auch geistig: Wir lernen! Und zwar eine wahnsinnige Anzahl von
Dingen mit einer Leichtigkeit, die ebenso erstaunlich wie auch im späteren
Leben fast nicht nachahmbar ist. Wir beginnen zu krabbeln, zu laufen,
wir lernen sprechen, später dann schreiben, lesen, rechnen. Feuer - Im Augenblick Leben Sommer. Aus der Knospe ist ein Blüte
geworden, zauberhaft, vollkommen, anziehend. Mit Beginn der Pubertät ist das Größenwachstum nahezu
abgeschlossen. Der Körper verändert sich jedoch weiter, wir
werden zur Frau, zum Mann. So wie die Energie in alle Richtungen weist,
so geht es jetzt auch in unserem Leben zu: Erde - Zeit der Reife, des Nachhausekommens Spätsommer. Aus der Blüte ist die Frucht geworden, üppig,
im Überfluss, in ihrer ganzen Fülle.
Metall - Loslassen Herbst. Die reife Frucht ist vom Baum
gefallen. In diese Zeit fallen die Wechseljahre der Frau. Wir
müssen die
Kinder gehen lassen, loslassen, sie werden ihren eigenen Weg finden.
Auch steht es irgendwann an, dem eigenen Beruf ade zu sagen. Es wird
uns einfach klar, dass die Hälfte des Lebens vorbei ist, und zwar
unwiderruflich. Ein Rückzug ist angesagt, und am Ende dieser Phase
geben wir das, was wir uns aufgebaut haben auf, bzw. ab an unsere Kinder:
die Firma, den Bauernhof; es gibt schon mal ein Vorab auf die Erbschaft.
Wir sind in der Lage, andere zu unterstützen und können uns
selbst zurücknehmen. Wir machen Platz, im Berufsleben, vielleicht
im Wohnbereich, wir gehen aufs Altenteil und überlassen unseren
Kindern viel von unserem Raum. Enkel kommen. Wir sind zu Omas und Opas
geworden, aber auch zu Bundespräsidenten oder zu Stammeshäuptlingen.
Wir schrumpfen, werden faltiger, gebrechlicher, die Haare ergrauen, die
Zähne fallen aus. Dafür sind wir reich an Lebenserfahrung.
Wir haben Siege erlebt und Niederlagen erlitten, wir kennen den Schmerz
des Lebens und sind mit ihm auf Du und Du. Wir sind spirituell gewachsen,
erwachsen geworden. Die eigenen Eltern sterben, und in uns wächst
die Erkenntnis: Wir sind die nächsten! Wasser - Sterben und Wiedergeboren werden Winter. Aus der verfaulten Frucht bleibt der Kern. Wenn es in der Metallphase darum ging, loszulassen und dabei aber die Essenz zu bewahren, so geht es jetzt um die Quintessenz: die Essenz der Essenz! Die Tendenz, die sich bereits im Metall gezeigt hat, Materielles loszulassen, vollendet sich jetzt: wir können einfach nichts mitnehmen! Geld und Besitz verlieren an Bedeutung, weil klar ist, dass sie den Sterbeprozess nicht aufhalten können. Gesundheit und Zufriedenheit sind wohl die höchsten Güter in diesem Lebensabschnitt. Es geht an das Abschiednehmen von dieser Welt. Wir müssen uns bereithalten. Manche "nehmen" sich eine Krankheit, um sich schon im Geiste zurückzuziehen, der Körper lebt dann noch. Mag sein, dass der Lebenspartner stirbt. Alleinsein. Angst ist das Gefühl, das zur Wandlungsphase Wasser gehört, Angst vor dem Sterben, Angst vor dem, was dabei passiert, was danach kommt. Unsere Augen werden schlechter, der Hörsinn lässt nach, wir sprechen nicht mehr viel, das sind schon Vorstufen, um die eigene Welt zu verlassen, in die andere Welt zu gehen. Oft müssen wir uns wieder versorgen lassen, von unseren Kindern, vom Staat. Wir sind alte, weise Urgroßmütter und Urgroßväter geworden, bereit für den nächsten Wandel. |
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© Ulrike Schmidt, Jahrgang 1960, Diplomierte
Finanzwirtin, Lehrerin für Shiatsu und Qi Gong. Mitbegründerin
der Berliner Schule für Zen Shiatsu. Goltzstr. 23, D-10781 Berlin.
Tel.: +49 (030) 216 11 05, Fax: +43 (030) 217 569 47, http://www.zenshiatsu.de |