Wenn Shiatsu
keine Freude mehr macht
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Neben den unzweifelhaften positiven Auswirkungen, die Shiatsu auf die TherapeutIn selber hat, wurden mögliche Risiken und negative Auswirkungen für den Behandler häufig zu wenig ernst genommen. Dabei löst die Shiatsu-Praxis Entwicklungsprozesse aus, die positive Veränderungen, naturgemäß aber auch Schwierigkeiten mit sich bringen. Für Shiatsu gilt darum das Gleiche wie für andere Arten der intensiven Arbeit mit einem Klienten (Beispiel Psychotherapie): unerwünschte Wirkungen auf den Therapeuten1) sind möglich und es ist wichtig, sich damit auseinanderzusetzen. Einer der Gründe, warum Shiatsu keine esoterische Eintagsfliege der 70er Jahre geblieben ist, sondern sich in den letzten 18 Jahren in Europa zu einer breiten Bewegung entwickelt hat, liegt sicherlich darin, dass es erstaunliche Veränderungen im Behandler auszulösen vermag. Die Erfahrung von Ruhe, Entdeckung der eigenen Mitte, Vertrauen in den eigenen Körper und die eigene Wahrnehmung eröffnen persönliche Entwicklungen, die nicht selten für die Betroffenen von großer Bedeutung sind. Wesentlich für diesen Effekt erscheint mir auch der Umstand, dass das Lösen energetischer Staus im Klienten quasi als Resonanz auch Lösungen im Behandler bewirken kann. Dieses "Gelöst-Sein" nach ausgeübtem Shiatsu wird als angenehm und befreiend erlebt. Nicht wenige Shiatsu-Therapeuten erfahren jedoch auch Probleme. Häufig stellen sich solche ein, nachdem sie ihre Ausbildung abgeschlossen und zum ersten Mal an einzelnen Tagen viele Behandlungen hintereinander machen. Nach den positiven, teilweise euphorischen Erfahrungen der ersten Kontakte mit Shiatsu mag dies vielen Betroffenen zunächst unerklärlich sein. Vielleicht suchen sie den Fehler bei sich selber, da Shiatsu bisher als ein Garant für eine positive Entwicklung von Gesundheit und Persönlichkeit erschien. Gleiches widerfährt vielleicht auch Therapeuten, die nach Jahren der intensiven Praxis merken, dass es so nicht mehr weiter geht. Die Tatsache, dass so wenig öffentlich über solche Erfahrungen gesprochen wird, lässt mich vermuten, dass derartige Schwierigkeiten als etwas angesehen werden, was eigentlich nicht sein darf.
Keineswegs möchte ich die These vertreten, Shiatsu sei für
den Ausübenden gefährlich (zumindest nicht gefährlicher
als andere Berufe oder auch das Leben selber). Es scheint vielmehr so,
dass nicht alle mit den Veränderungen, die durch Shiatsu ausgelöst
werden, optimal umgehen können. Niemandem ist damit geholfen, wenn
dieses Thema unter den Teppich gekehrt wird. Nur das offene Gespräch über
das, was da mit uns Shiatsu-Therapeuten geschieht, ermöglicht es
uns, zu lernen. Ein Ziel sollte es sein, schon während der Ausbildungen
auf mögliche Schwierigkeiten hinzuweisen und Wege aufzeigen zu können,
wie diese vermieden oder so gering wie möglich gehalten werden können.
In einem solchen bewussten Raum könnten sich die positiven Wirkungen
des Shiatsu sicherer und kontinuierlicher entwickeln. Hinweise Erste Hinweise, dass die Shiatsu-Praxis negative Auswirkungen auf den Behandler haben kann, mögen unerklärliche unangenehme Zustände in den Stunden nach Shiatsu-Behandlungen sein. Eine ausgeprägte Müdigkeit, Unruhe oder Euphorien, sich verwirrt fühlen oder auch konkrete körperliche Symptome, mitunter die gleichen wie die des Klienten, den man zuvor behandelte u.a.m., können Beispiele hierfür darstellen. Meist lassen sie innerhalb einer, spätestens innerhalb einiger Stunden nach. Sie sind jedoch konkrete Zeichen dafür, dass unser energetisches System Mühe hat, die Wirkungen des Shiatsu auf uns als Behandler zu verarbeiten. Bedrohlicher erscheint den Betroffenen eine etwaige starke andauernde Müdigkeit oder Erschöpfung in einer Form, wie sie es bisher nicht kannten. Hierfür wurde an anderer Stelle der Begriff "burn out syndrome" geprägt. Die rasche Ermüdbarkeit kann u.U. begleitet sein von Schwindel oder Ohrensausen, Hitze- oder Druckgefühl im Kopf, von Magenbeschwerden, Schlafstörungen, oder psychischen Hinweisen wie Reizbarkeit, Hyperaktivität (Arbeitswut, nur noch in der Arbeit leben), das Gefühl, völlig überlastet zu sein und nie genug Zeit zu haben, ggf. versteckte Depressionen mit Ängsten oder dem Verlust an Motivation und Interesse, überhaupt noch Shiatsu zu geben u.a.m. Mitunter kann ein solcher Zustand dazu zwingen, die eigene Arbeit zu reduzieren oder vorübergehend ganz aufzuhören, zu behandeln bzw. zu unterrichten. Ausgesprochene Lebenskrisen und manifeste körperliche Erkrankungen
verschiedenster Art stellen die schwersten - und entschieden selteneren
- Auswirkungen dar. Sie weisen gleichzeitig darauf hin, dass die Geschehnisse
nicht einfach als Folge von außen eindringender "negativer
Energien" zu interpretieren sind, sondern Ausdruck sind von persönlichen
Entwicklungs- und Lebenskrisen, die u.a. auch durch Shiatsu ausgelöst
und verstärkt wurden. Was geschieht da? Sicherlich ist es nicht ein klar definierbares Geschehen, was alle diese Beschwerden unterschiedlichster Art hervorruft. Weit davon entfernt, die Sache ganz zu erstehen, möchte ich doch verschiedene Mechanismen beschreiben, von denen ich denke, dass sie an der Auslösung solcher Probleme beteiligt sein können. Ich bin mir darüber im klaren, dass diese Aufzählung in vielen Teilen auf persönlichen Erfahrungen beruht und gleichzeitig aus mangelnder Erfahrung unvollständig sein muss. Zunächst einmal möchte ich zurückgehen zu den oben angedeuteten Veränderungen im Behandler. Sie sind zu einem wesentlichen Teil Folge der Veränderungen, die im Klienten stattfinden. Im Shiatsu berühren wir konkrete energetische Muster, die sich als Folge der Berührung mehr oder weniger verändern. Hierauf beruht die eigentliche Wirkung von Shiatsu. Mit jeder Berührung und Veränderung werden spezifische Schwingungsmuster ausgesandt, die sich ähnlich Schall- oder Lichtwellen im Raum ausbreiten und von einem geschulten Betrachter als energetische Phänomene wahrgenommen werden können. Dies ist eine der Grundlagen energetischer Wahrnehmung. Mit ihrer Ausbreitung durchdringen die im Klienten
freiwerdenden Schwingungsmuster auch die behandelnde Person und lösen Reaktionen in ihr aus. Welche
Reaktionen dies sind, hängt zum einen von der Art der ausgesandten
Muster ab, die den Behandler "durchfluten". Zum anderen sind
sie bedingt durch die energetischen Muster und Blockaden, wie sie im
Behandler bereits bestehen. Meiner Ansicht nach gibt es so etwas wie "negative
bzw. schädliche Energien" nicht. Wohl aber gibt es Schwingungsmuster,
mit denen ich als Behandler auf Grund meiner eigenen Beschaffenheit schwer
umgehen kann. So mag es sein, dass ein Therapeut nach oder bereits während einer Behandlung eines Klienten mit Magenschmerzen ebensolche Beschwerden bekommt, weil er die entsprechenden Schwingungsmuster aufnimmt aber nicht durch sich hindurch fluten lassen kann (bzw. nicht entspannt außerhalb seiner selbst zu halten vermag). Er hält sie fest, weil er selber Blockademuster im Bereich der Magen-Energie im weitesten Sinnen hat, (die sich unter anderen Umständen evtl. ganz anders, nicht jedoch als Magenschmerzen geäußert hätten). Anders ausgedrückt löst in diesem Beispiel das "Magen-Muster" des Klienten Resonanzen im Bereich der Magen-Energie des Behandlers aus. Deren Auswirkungen müssen keinesfalls immer als negativ erlebt werden, nicht selten stellen sie auch eine Befreiung dar. Ob nun Befreiung oder Beschwerden, es ist der gleiche Mechanismus, der beidem zugrunde liegt. Wie oben bereits erwähnt, verschwinden Beschwerden (wie auch ein Gefühl positiver Veränderungen) nach Behandlungen meist innerhalb relativ kurzer Zeit. Wird allerdings ein Blockademuster im Behandler immer und immer wieder auf diese Weise "gereizt" ohne dass es zu einer (wie auch immer gearteten) Lösung kommt, können u.U. auch dauerhafte Probleme entstehen. Da die verschiedenen energetischen Qualitäten überall im Menschen
vorhanden sind und untereinander in vielfältiger Kommunikation stehen,
muss sich ein solches "Magen-Muster" im Behandler überhaupt
nicht als Magenproblem äußern, sondern kann in ganz anderen
Bereichen bzw. Elementen Folgen zeigen - entsprechend der individuellen
Thematik und energetischen Dynamik der betroffenen Person. So mag ein
Therapeut nach Behandlungen Beschwerden immer in der gleichen Körperregion
bekommen, auch wenn er mit seinen Klienten in ganz anderen Bereichen
gearbeitet hat. Loslassen - nicht nur Vorteile Viele (in der Regel vorübergehende) körperliche oder seelische Beschwerden oder Symptomen nach Shiatsu-Behandlungen lassen sich anhand eines solchen Mechanismus erklären. Von noch größerer Bedeutung erscheint mir aber ein anderer Mechanismus.
Kein Mensch ist in seinem Dasein völlig gelöst und ohne Blockaden. Auch wenn solche Blocks - insofern sie bewusst werden - häufig als negativ, schmerzhaft oder unerwünscht erlebt werden, so sind sie doch von großer Bedeutung für unser eigenes Gleichgewicht. In gewisser Hinsicht kann man sagen, dass sie in dem Maße, wie sie uns in unserer Entfaltung behindern, auch Stärke und Stabilität geben. Unsere (unbewusste) Kontrolle über bedrohliche, uns ängstigende
Aspekte unseres Daseins kann nun in der Folge des "Shiatsu-Prozesses" unmerklich
aufgeweicht werden. Indem wir schützende Blockaden verlieren, geraten
scheinbar fest gefügte energetische, d.h. physische und emotionale
Muster in Bewegung. Alte, lang abgehakte Probleme können uns wieder
zu schaffen machen. Aufsteigendes Leber-Yang Was auch wichtig ist: Die Kontrolle energetisch-emotionaler Bewegungen im Menschen geschieht über die Leber-Energie. Je länger bzw. je stärker kontrolliert werden muss, um so mehr Leber-Energie wird gebunden, wodurch ein energetischer Stau oder Druck entsteht. Mit dem beabsichtigten oder unbeabsichtigten Verlust der Kontrolle - z.B. durch die beschriebenen Lösungen von Blockaden in der Praxis - wird diese Energie des Holzes frei. Durch langes Festhalten ist die Energie quasi heiß (yang) geworden und hat deshalb eine deutliche Bewegungstendenz nach oben. Typische Leber-Gallenblasen-Symptome wie z.B. Unruhe, Reizbarkeit und Ungeduld, Magen- und Verdauungsstörungen, Hitze oder Druckgefühl in den oberen Körperpartien oder Schlafstörungen können Ausdruck des mit einer Lösung nach oben rauschenden Ki sein. Die Kontrolle emotional-energetischer Bewegungen
mittels der Holz-Energie ist ein Phänomen, das nahezu alle Menschen unserer Gesellschaften
in unterschiedlichem Ausmaß aufweisen. Im Prinzip können auch
unsere Klienten bei starkem Druck im Holz-Element und einer zu sehr auf
rasche Lösung ausgerichteten Shiatsu-Behandlung negative Auswirkungen
in diesem Sinne erfahren. Shiatsu-Behandler sind je nach Umfang ihrer
Praxis ständig diesen Kräften ausgesetzt. Es ist darum gut,
wenn sie sich dessen bewusst sind und damit auseinandersetzen. Die Bedeutung des energetischen Zentrums Alte Muster loslassen ist gut. Offensichtlich kann Shiatsu auf dem beschriebenen Wege Auslöser für erwünschte persönliche Entwicklungsprozesse sein. Mir ist in meiner eigenen Erfahrung mit diesen Dingen jedoch klar geworden, dass es nicht ausreicht, sich in dem Wunsch nach Entwicklung von Wahrnehmungsfähigkeit und Sensibilität zu bemühen, alte Muster loszulassen. Es gibt eine kritische Phase, in der unser energetisches System noch keine Alternativen für die alten Strukturen entwickelt hat. In dieser Situation können Schwierigkeiten entstehen. Eine wachsende Stabilität im Zentrum muss daher der (schwächenden)
zentrifugalen Bewegung durch freigesetztes Leber-Ki entgegenwirken. Dies
gilt um so mehr, als der normale Mensch der westlichen Gesellschaften
eine schwache Mitte hat, und in seinem energetischen System die Tendenz
vorherrscht, Energie und Kraft an die Umwelt fortzugeben, anstatt sie
in seinem Zentrum anzusammeln und von dort aus zu handeln. Dies gilt
auch für Shiatsu-TherapeutInnen! Nur ein entschiedenes energetisches
Training und Bewusst-Werden kann dem entgegenwirken. Anderenfalls könnte
die Shiatsu-Praxis zu einem Verlust an Jing (Vitale Essenz) führen
- mit allen Symptomen eines Yin-Mangels und eines sog. Falschen Feuers
der Nieren und der anderen energetischen Organe. Innere Überzeugungen Klarheit und Wachheit sind zwei wichtige geistige Qualitäten, die es uns er-möglichen, mit den Risiken des Shiatsu-Berufes bewusst und ohne Furcht umzugehen. Zu wissen, was in einer Shiatsu-Behandlung auf der energetischen Ebene geschieht und wie dies auf mich als Behandler wirken kann, wird viele mögliche Probleme vermeiden. Gelassene Wahrnehmung und Arbeit mit energetischen Strukturen gehen in der Regel von einem klaren und entspannten Hara aus. Ein solcher Zustand erleichtert es uns, vom Zentrum unserer Existenz her bewusst zu handeln und fremde Muster nicht festzuhalten. Er stellt darum den besten Schutz dar. Die folgenden Einflüsse sind geeignet, Unklarheit zu schaffen und unserem System Energie zu entziehen. Wir erzeugen sie selber durch unsere Vorstellungen und Überzeugungen. Gemeint sind innere Einstellungen des Therapeuten zu seiner Arbeit wie z.B. die (häufig unbewusste) Vorstellung, dem Klienten helfen zu müssen oder der Glaube, niemals gut genug zu sein. Ersteres wurde unter dem Begriff "Helfersyndrom" in den 80er Jahren für die Beschäftigten im Gesundheitswesen thematisiert. Es lohnt sich, sich mit der entsprechenden Literatur auseinanderzusetzen. Der Glaube, nicht gut genug zu sein (und sich darum besonders anstrengen zu müssen), kann während einer guten Ausbildung als Irrglaube entlarvt werden. Entscheidend ist hier jedoch die Sicherheit, wie sie einzig durch reiche praktische Erfahrung vermittelt wird. Müde macht es uns auch, wenn wir unseren Klienten erlauben, uns für ihre Bedürfnisse zu benutzen. Dies gestatten wir ihnen insbesondere dann, wenn wir selber - zumeist unbewusste - Bedürfnisse an sie haben, die zugleich nicht selten ein wesentlicher Grund sind, warum wir uns einstmals entschlossen haben, Shiatsu machen. Es ist darum für jeden Shiatsu-Therapeuten von Bedeutung, zu erkennen, was seine Motivation ist, Shiatsu zu geben. Und zu sehen, ob und wie er in seinem eigenen Wohlgefühl von Reaktionen seiner Klienten abhängig ist. Solche Abhängigkeiten lassen die Bilanz von abgegebener und aufgenommener Energie quasi negativ werden. In diesem Zustand sind wir bereit, Ki fortzugeben, sind z.B. bereit, zu helfen, in dem wir uns selber schwächen. Gewissermaßen haben wir dann unseren inneren Magneten ausgeschaltet, der im Ausgleich Energie anzieht und im Zentrum speichert. Ein schwächender Irrtum scheint auch dort vorzuliegen, wo wir geistige
und spirituelle Entwicklung zu unserem einzigen Ziel machen und darüber
unseren physischen Körper vernachlässigen. Unser Körper
mit allen seinen körperlichen und energetischen Strukturen stellt
ein wichtiges Gegengewicht zu geistigen-spirituellen Höhenflügen
dar. Wir sollten ihn darum wertschätzen und durch Training kraftvoll
und geschmeidig halten (siehe unten). Was man tun kann Es gibt eine ganze Reihe von Möglichkeiten, mit deren Hilfe wir die positiven Wirkungen der Shiatsu-Praxis auf uns und unser Leben weitgehend unproblematisch und gefahrlos erleben können. Nicht ganz gefahrlos allerdings, weil das Leben nun einmal nicht ungefährlich ist. Alle Einflüsse, denen wir durch Shiatsu oder auch andere Erfahrungen in unserem Alltag ausgesetzt sind, können jederzeit Situationen auslösen, die unsere ganze Klarheit und Wachheit und vielleicht auch Unterstützung durch Freunde erfordern, um sie zu meistern. Die im folgenden gemachten Vorschläge entspringen vielfach meiner
eigenen Praxis und sind deshalb nicht unbedingt direkt übertragbar.
Jede/r Interessierte ist gefordert, die richtigen Wege für sich
selbst zu finden. Sie gelten andererseits sicherlich nicht nur für
Shiatsu-Therapeuten, sondern auch für die Angehörigen anderer
therapeutischer Berufe. Klare Entscheidung Wenn ich nach Behandlungen negative Reaktionen (z.B. körperliche Beschwerden wie Kopfschmerzen, auffallende emotionale Stimmungen u.ä.) in mir wahrnehme, hat sich folgende Vorgehensweise für mich als sehr hilfreich erwiesen: Zum einen werde ich mir darüber klar, dass in mir etwas entsteht, von dem ich nicht möchte, dass es zu mir gehört. Dieser erste Schritt der Bewusstwerdung ist sehr wichtig. Dann beschließe ich, dass das, was da in mir entsteht, nicht zu mir gehört und dass ich den Weg frei mache, damit es mich verlassen kann. Dies kann z.B. geschehen, indem ich mich in meiner Vorstellung weit und durchlässig mache, so dass, was immer in mir festhaftet, den Weg nach außen findet. Dieser zweite Schritt der klaren Entscheidung ist ebenso wichtig.
Weil das so einfach ist und so gut funktioniert, sind für mich Übungen wichtig geworden, die durchlässiger machen und so das Festhalten uns durchflutender energetischer Muster vermindern. Wichtig sind aber auch solche, die unser energetisches Zentrum, unseren Magnet für unser Ki bewusst werden lassen und stärken (siehe weiter unten!). Es ist hilfreich, vor und nach jeder Behandlung einen klaren und leichten Schnitt zu machen. Vor der Behandlung besagt dieser, dass ich entschlossen bin, meine eigenen Bedürfnisse und Probleme des Alltags nicht in die Behandlung hineinwirken zu lassen. Der Schnitt hinterher bedeutet, dass diese Behandlung jetzt zu Ende ist, und mein Klient mit seiner Situation allein zurecht kommen wird. Man kann solche Schnitte durch Symbole verstärken, wie beispielsweise Mantras und Kurzmeditationen vor oder nach der Behandlung. Nachher wird manchmal das Ausschlagen bzw. Ausstreifen der Arme und Hände empfohlen oder Waschen der Hände mit kaltem Wasser und Meersalz, wobei die Hände anschließend nicht abgetrocknet werden. Eine wertvolle Unterstützung unseres energetischen Systems können mentale bzw. meditative Übungen sein, mit denen ich mich als Behandler abgrenzen kann. Beispielsweise kann ich mir vorstellen, dass eine Lichthülle oder ein anderer, spezieller Zustand meiner mich umgebenden Energiekörper ein Eindringen unerwünschter Kräfte verhindert. Ich glaube allerdings, es ist wichtig, dass man nicht in eine permanente Abwehrhaltung gegenüber einer Fülle von vermeintlich "negativen Energien" gerät. Das wäre sicherlich ungesund. Für einige Behandler sind homöopathische Mittel oder Bachblüten wichtig. So empfahl mir eine Bachblüten-Therapeutin die Kombination Centaury, Red Chestnut, Walnut + Crab Apple. Ich habe auch von anderen Zusammenstellungen gehört. Wichtiger als solche Mittel erscheint mir allerdings die klare und leichte Entscheidung des Behandlers, sich nicht negativ beeinflussen zu lassen. Eine in diesem Sinne klare Distanz zum Klienten ist nicht Schwäche sondern Stärke eines mitfühlenden Therapeuten. Für Menschen, die sich nach Behandlungen mehr oder weniger stark beeinflusst oder sich gar erschüttert fühlen, ist es wichtig, nach dem Behandlungstag ausreichend Zeit der Ruhe und Raum für sich selber zu haben. Ein ausgedehnter Spaziergang besonders, wenn man sehr unruhig oder unklar fühlt, Zeit für eine ruhige Tasse Tee, z.B. wenn man sich ausgelaugt fühlt, oder einfach nur sich hinzulegen, können sehr hilfreich sein. Meditation zu Beginn oder am Ende des Tages kann
das wichtigste Schutzmittel werden, denn Meditation bietet die Möglichkeit, die Dinge wieder
einfach und übersichtlich werden zu lassen. Es sind häufig
gerade Unklarheit und Verwirrung, die uns verwundbar machen. Ein guter
Meditationslehrer oder Lehrerin wird zudem in den Krisen, durch die viele
Shiatsu-Therapeuten auf Grund ihrer beschleunigten Entwicklung gehen,
eine wertvolle Unterstützung und Orientierung sein. Interesse an sich und dem eigenen Körper Viele Shiatsu-Behandler vernachlässigen in ihrem Interesse an esoterischen Phänomenen ihren Körper auf sträfliche Weise. Ein schwacher Körper aber macht uns verwundbarer für die beschriebenen Einflüsse. So sollte meiner Meinung nach jeder Körperarbeiter zumindest ein Training ernsthaft betreiben, welche es ihm ermöglicht, sein energetische Zentrum kennen zu lernen, zu kultivieren und zu strukturieren. Das fördert den energetischen Zusammenhalt seines Systems. Hilfreich ist es, einen regelmäßigen Termin am Tag zu haben, an dem man - und seien es nur 20 Minuten - einem solchen Training nachgeht. Mit den traditionellen fernöstlichen Disziplinen wie z.B. den Kampfkünsten, Yoga oder Qi Gong bieten sich uns eine ganze Reihe von Möglichkeiten in diesem Sinne an. In der gleichen Weise sollte das Aufrechterhalten eines starken und gesunden physischen Körpers ganz oben auf der Liste der Aktivitäten eines Shiatsu-Therapeuten stehen. Kampfkünste können ebenso wie aktiver Sport, Tanzen (z.B. Kontaktimprovisation) oder Körperübungen diesen Zweck erfüllen. Mitunter empfehle ich einzelnen Klienten ein - moderates - Muskeltraining, um die Erinnerung daran zurück zu gewinnen, wie gut ein aktiver Körper sich anfühlt.3) Sicherlich gibt es viele andere Möglichkeiten, und jeder Shiatsu-Praktizierende ist gefordert, die für ihn optimale Weise zu finden. Jogging kann sehr hilfreich sein, ist allerdings für sich alleine meist zu einseitig. Für ein umfassendes und ausgeglichenes Hatha-Yoga scheint mir ein erfahrener Lehrer, der auch in schwierigen Situationen beraten kann, wichtig zu sein. Wichtige Unterstützung können auch Techniken bieten, die das
eigene in Bewegung geratene Ki weiterleiten und verhindern, dass es erneut
blockiert (und dann Probleme verursachen könnte). Hierzu zähle
ich alle Methoden (mitunter auch Therapien), in denen der Praktizierende
seine aktuelle Situation auf körperliche Weise kreativ und intuitiv
ausdrücken kann, z.B. intuitives Bewegen wie in der Kontaktimprovisation
oder Tanztherapie, Gesang, Psychodrama, Katsugen nach Kishi u.a.m. Die eigenen Grenzen erkennen Um für sich die jeweils richtigen Wege zu finden, ist es nötig, in hohem Maße Verantwortung für sich selber zu übernehmen. Wir werden nicht stärker, außer wir sind selber brennend daran interessiert. Niemand kann uns vor den beschriebenen Einflüssen schützen, außer wir selber. Hierzu gehört, dass wir ein Interesse daran entwickeln, uns und unsere wirklichen Bedürfnisse kennen zu lernen, sie anzunehmen und - oftmals entgegen allgemein akzeptierte Ansichten - entsprechend zu handeln. Wir müssen verstehen, dass wir als Shiatsu-Praktizierende mit den einhergehenden spezifischen Veränderungen oftmals tendenziell verletzlicher oder empfindsamer geworden sind als so genannte Normalbürger. Es mag schwer sein, lieb gewordene aber schwächende Lebensgewohnheiten aufzugeben. Genau das kann aber u.U. nötig werden, wenn wir lernen zu sehen, was wir jetzt wirklich brauchen, was uns heute die Lebendigkeit nimmt bzw. lebendig sein lässt. Besonders wichtig (und schwierig) ist es für viele, die eigenen Grenzen anzunehmen. Ernsthafte Probleme entwickeln sich häufig bei den Therapeuten, die auf Jahre ihre Müdigkeit ignoriert haben und sich neben einer intensiven Shiatsu-Praxis noch in anderen Kräfte zehrenden Lebenssituationen befinden. Mitunter kann es sehr schwer sein, das eigene fruchtbare Maß an Arbeit und Belastung zu finden, zumal, wenn man Vorbilder oder Ideale hat, denen man bewusst oder unbewusst nacheifert. Hilfreich ist es, zu erkennen, welche Umstände meiner Shiatsu-Praxis mich ermüden und auslaugen und diese Umstände dann konsequent zu verändern.
Den Erfahrungsprozess, der uns sehen lässt, wie wir unser eigenes
energetisches System ökonomisch in einer Behandlungssituation einsetzen
können, verstehe ich als die wesentliche Grundlage für mehr
Kraft in einem immer besseren Shiatsu. Unterstützung annehmen Wie sonst im Leben lassen sich auch in der Shiatsu-Praxis Krisen nicht vermeiden. Worauf es ankommt, ist, offen und kreativ damit umzugehen. Pessimismus, Selbstmitleid oder ein Sich-Aufopfern für andere sind fehl am Platze. Krisen (physische, emotionale, geistige oder seelische) sind Ausdruck dafür, dass wir wachsen. Fällige Entwicklungsschritte finden nahezu gesetzmäßig krisenhaft statt. Jede Krise hat einen Höhepunkt, strebt aber auch mit aller Macht einer Lösung entgegen. Jeder, der Shiatsu gibt, sollte darum bereit sein, die Zeit und auch das Geld in eigene Behandlungen zu investieren, die ihm helfen, in den Krisen zu wachsen, statt in ihnen zu stagnieren. Dies mag Shiatsu sein, aber auch andere Arten der Körperarbeit können wertvoll sein.4) Viele Shiatsu-Behandler machen zudem - besonders in den ersten Jahren ihrer beruflichen Tätigkeit - eine verwirrende Fülle energetischer Erfahrungen, die in die verschiedensten Richtungen gehen. Regelmäßige Shiatsu-Behandlungen durch eine/n erfahrene/n TherapeutIn bieten die Aussicht, diese besser zu verstehen. Dies hilft uns, das Lebensthema hinter einzelnen Symptomen, die uns evtl. plagen, zu erkennen. Das nimmt die Angst und macht es einfacher, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Viele Prozesse, die durch Shiatsu ausgelöst sind, mögen für einige optimal im Rahmen einer Psychotherapie zu bearbeiten sein. Eine solche Therapie dient keinen Selbstzweck oder gar Selbstmitleid. Vielmehr bietet sie Möglichkeiten, auf dem Weg zu mehr Verständnis und Verantwortung für sich selber über Stromschnellen hinwegzukommen. Supervisionen durch erfahrene Shiatsu-Therapeuten und -Lehrer sind eine gute Möglichkeit, die eigene Situation in der Praxis und mit "schwierigen" Kräfte zehrenden Klienten zu verstehen und Wege zu Veränderungen zu finden. In Supervisionen können wir lernen, wo wir z.B. unseren Klienten Macht über uns einräumen, weil wir unbewusste Wünsche an sie haben. Verschiedene Shiatsu-Schulen bieten Supervisionen einzeln oder in Gruppen an. Shiatsu-Therapeuten sollten sich nicht scheuen, solche Angebote in Anspruch zu nehmen. Hilfe und Unterstützung von Erfahreneren anzunehmen ist kein Eingeständnis von Schwäche oder Unvermögen. Es deutet vielmehr darauf hin, dass die betroffene Person ihre eigene Entwicklung im Shiatsu als einen Prozess mit Höhen und Tiefen versteht. Unter Umständen verlieren wir in diesem Prozess den Überblick über unsere Situation. Außenstehende können dann klarer sehen, wo wir stehen und was zu tun ist. Indem wir ihnen Einblick in unsere Situation gewähren, geben wir uns selbst die Möglichkeit, mit weniger Reibungsverlusten und gesünder durch die Strudel hindurch zukommen und unser Shiatsu zu verbessern. Alle Probleme, wie sie einem Menschen im Verlauf
seiner Shiatsu-Tätigkeit
begegnen werden, stellen vorübergehende Erscheinungen dar. Es handelt
sich um heilsame Krisen (wie auch die meisten Krankheiten solche darstellen),
die einen Beginn, einen Höhepunkt und eine Lösung haben. Ungünstig
ist es, stecken zu bleiben. Der Zustand nach einer Krise wird sich in
wesentlichen Punkten von dem Zustand vorher unterscheiden und wird mehr
Freiheit, mehr Leben, mehr Verstehen und mehr Freude bedeuten. _____________________________________ [1] Wenn im folgenden von Therapeuten und Klienten in
der männlichen dritten Person gesprochen wird, so sind hiermit auch
die weiblichen Therapeutinnen und Klientinnen gemeint. Tatsächlich
sind es bis heute mehr Frauen als Männer, die Shiatsu sowohl ausüben
als auch in Anspruch nehmen. Es erschien mir jedoch als ungünstig,
nur in der weiblichen Dritten Person zu schreiben bzw. die männlich/weiblichen
Kombinationswörter zu wählen. |
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© Wilfried Rappenecker, geb. 1950 in der Nähe
von Köln, ist Leiter der Schule für Shiatsu Hamburg (D-22769
Hamburg, Oelkersallee 33, http://www.schule-fuer-shiatsu.de),
Mitbegründer der GSD und Autor zweier Bücher zum Thema Shiatsu.
Als Arzt für Allgemeinmedizin arbeitet er dort überwiegend
mit Shiatsu. |