Du bist - nicht
allein (2)
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Wir sprechen von psychischen Verletzungen und Traumata. Ich möchte hier Mira zu Worte kommen lassen. Sie schreibt: „Körperkontakt war für mich fremdes Terrain. In meiner Familie waren Berührungen eher selten. Ich hatte immer Sehnsucht nach einer richtigen Familie mit Geborgenheit, Unterstützung, Halt und Respekt. Das habe ich leider so nicht kennen gelernt. Ich hab dadurch früh gelernt, mich auf mich alleine zu verlassen. Die Hilflosigkeit und Ängste habe ich nicht gezeigt, sondern tief vergraben, um nach außen hin stark zu sein. In meinem 13. Lebensjahr wurde ich von meinem Stiefvater sexuell missbraucht, seitdem gehörte mein Körper nicht mehr zu mir. Lange Zeit konnte ich nicht darüber sprechen, die verdrängten Gefühle waren zu stark. Eine Therapie und Shiatsu haben mir geholfen, meinen Körper wieder zu entdecken und zurückzuerobern." Ich lernte Mira kennen als sie zu mir in die Taiji-Gruppe
kam. Mutig beschloss sie dann an der Shiatsu-Ausbildungsgruppe teilzunehmen
und sich auch Shiatsu geben zu lassen. Zu ihrer ersten Begegnung mit
Shiatsu schreibt sie eindrücklich: "Ich hatte lange Zeit
sehr intensive Rückenschmerzen, die auch mit Gymnastik und Massage
nicht besser wurden. So erhielt ich die Adresse einer Shiatsu-Praktikerin
und habe glücklicherweise nicht lange gezögert, und eine
Stunde vereinbart. Diese erste Behandlung war ein Geschenk des Himmels.
Nach dieser Behandlung war ich für einen Moment ein neuer Mensch:
mit Armen, Beinen, Händen,
mit allem was dazu gehört. Ich hatte etwas Kostbares gefunden."
Zwei Hände berühren mich Mira ist ihrer „Sehnsucht nach mehr" gefolgt. Sie hat sich unermüdlich eingelassen, diesen „neuen Menschen, mit Armen, Beinen, Händen, mit allem, was dazu gehört" zu befreien. Dabei ging es stetig um Grenzen, die sie auslotete, um sich dann weiter auszudehnen in freiere Spielräume. Ihre Shiatsu-Lehrzeit in der Grundausbildung gestaltete sie, so sehe ich es im großen Überblick im Nachhinein, als beeindruckenden Balanceakt zwischen dem Setzen von Grenzen: „Das wird mir jetzt zu viel", und bewundernswert unverdrossenem Dranbleiben. Sie hat viel Nein gesagt in der einen oder anderen Form. Und jedem Nein folgten Entwicklungsschritte, mit denen sie in ihren Fähigkeiten wuchs. Jedes Grenzen setzende Nein war eine Grundbedingung für neue Weite. Dieser Prozess hat sie ziemlich geschüttelt. Das Verzagen war manchmal nah. Verwirrung, Schmerz und Tränen durchzogen die Entwicklung. Aber aus jedem Berühren der Schatten tauchte sie mit bemerkenswerter Klarheit auf. Sie hat viel Klarheit in die Gruppe gebracht. Sie hat vieles durchschaut und einfach und zielsicher für alle anderen formuliert. Sie brachte vieles auf den Punkt aus der Sicht, die große Betroffenheit mit sich bringt, wenn sie ein Stück weit verarbeitet ist. Mira hat beachtliche Kraft entwickelt in dieser Zeit und darüber hinaus die Leuchtkraft des Herzens mit Humor und Charme. In den Anfängen ihrer Zeit im Frühlingsgarten war ihre Nierenenergie so gebunden, dass sie buchstäblich unsere Qi Gong Übungen kaum durchstehen konnte. Mein Bild für diese Zeit ist als habe sich ein Schatten in sie gesenkt bis ins Mark. Heute ist sie körperlich viel stärker und beweglicher geworden Sie hat ihren Willen, ihre Absichten und ihre Pläne aus den Schatten herausgelöst. Sie war in der Gruppe jemand, der uns immer wieder anstiftete, es uns gut gehen zu lassen und brachte die schönsten Nachtische für unsere Essen mit. Später dann erinnerte sie uns an die Leichtigkeit und den Spaß: „Was ihr da erzählt ist so ernst und traurig, ich merke einfach, ich will Spaß haben". Wo es zunächst schlicht um das Befreien der Kraft zum Leben ging, blühten Humor und Leichtigkeit auf. Miras Kunst des Weite hervorrufenden Neins spiegelte sich auch in einer Behandlung wider, auf die ich näher eingehen will. Mit einer gewissen Kontinuität fiel mir in den Shiatsu-Stunden mit Mira ein gelegentlich auftretendes Atemholen auf, das für meinen Eindruck Zwiespältiges ausdrückte: ein Atemholen, das gleichzeitig Raum zu gewinnen sucht und etwas Abwehrendes zu haben scheint. Ein quasi fallendes Ausatmen, als könnten sich Loslassen nicht recht von Resignieren unterscheiden. Dann gab es Stunden, in denen kleine Blumen staunenden Vertrauens aufblühten. Mira erzählte, dass sie jetzt ausprobiere, wenn sie „was habe", dies nicht allein abzuhandeln und sich stattdessen an jemanden zu wenden: „Hier tut was weh, puste doch mal". Dann kam sie mit einer Brandwunde auf dem Fuß. Mit einem nach innen gehenden Staunen äußerte sie sich nach der Behandlung verwundert und beeindruckt, dass ich diesen verletzten Fuß so sanft einbezogen hätte. Zur nächsten Einzelstunde kam sie mit lebhaftem Bewegungsausdruck. Sie wirkte auf mich wie lustvoll auf dem Weg in ihre Präsenz, als habe sie Spaß daran, Raum einzunehmen. Ihre Ausstrahlung war stark. Sie erzählte, dass sie entdeckte, dass sie Freiheit gewinnen kann, wenn sie sich festlegt und etwas auf den Punkt bringt, statt es in der unverbindlichen Schwebe zu halten. Und just in diesem Moment, kaum hatte ich die Hände auf ihr Hara gelegt, wuchs mir dieses quasi wegschiebende Atmen entgegen, auf dessen Welle ich mich erstmal zum Brustraum tragen ließ, nur um einen Eindruck von heftig wachsendem Stress zu gewinnen. Ich fragte sie, ob sie sich auf die Seite rollen möge. Denn diese Haltung hatte sie oft als schützend und entlastend für sich gewählt. Sie rollte sich versuchsweise auf die Seite. Als ich meine Hände behutsam auf Schulter und Rücken sinken ließ, bekam ich den Eindruck, als formierten sich schreiende Neins an allen Körpergrenzen. Ich fragte nach, wie sie sich fühle und sie berichtete von „beißendem Schmerz im Bauch". Die runde Haltung gäbe ihr Schutz. Aber meine Hände sollen weg! Ich sagte ihr, dass ich meine Hände wegnähme, aber nicht weglaufen würde. Ich nahm meine Hände langsam Raum gebend zu mir und blieb still ihrem Rücken zur Seite sitzen. Mira begann zu weinen. Zwischen den Schluchzern formulierte sie ihren Schmerz am Alleinsein. Sie wolle den Kontakt und wolle ihn nicht. Es täte so weh. Ich drückte ihr, fast so als überreiche ich ihr ritualisiert einen goldenen Gegenstand, mit Worten aus: „Du hast die uneingeschränkte Bestimmungshoheit über Dich und meinen ganzen Respekt". Da begann Mira sich zu entspannen und langsam, langsam in die Seitenlage zu sinken, bis sie sich an mich anlehnte. Ich nahm wahr, wie zunächst ihre Brustkorbenergie ins Strömen kam und ein Ausdruck von Ruhe und Weite bis in die Schultern entstand. Dann begann sich im Bauch etwas zu verteilen und Erleichterung breitete sich aus. Wir waren einfach da und das Ki tat seine Arbeit und fand seine Wege. Bei unserem Wiedersehen in der nächsten Shiatsu-Stunde berichtete sie, dass sie nach der Behandlung einen guten Abend gehabt habe. Sie habe sich mit sich wohl gefühlt. Sie sei verdattert, dass die alten Geister trotz so viel Therapie noch in solchem Masse da seien. Aber irgendwie hätten „sich diese alten Geister letztes Mal gut verstanden gefühlt". In ihrem Brustraum sei ein Empfinden größerer Weite und ihre Schultern seien breiter geworden. „Das hat auch was mit Stolz zu tun!", sagt sie. Sie habe das Gefühl „wieder in sich hinein zu wachsen". Es sei gut zu sehen „wie viel sie schon geschafft habe". Ja, das ist es. Und es macht Mut für die nächsten Schritte. Ihre Würde ist wieder stark geworden. Bewusste, wesentliche Berührung unterstützt einen Menschen, (wieder) „in sich hineinzuwachsen". Zerbrochenes kann sich zusammenfügen, Puzzleteilchen des Selbstempfindens können sich sortieren und Gestalt gewinnen, Verwirrtes kann sich ordnen und klären. Jede Berührung sollte entsprechend achtend und aufmerksam sein. Sie erreicht einen Menschen auf tiefster Ebene. Auf der dem Kopfe zugänglicheren Ebene der Sprache kann man sich noch eher wehren, wenn es nötig ist, als auf der buchstäblich nahe gehenden und dem Empfinden zugeordneten Ebene der Berührung. Sie ist so unmittelbar. Und nur ein kleinster Teil dessen, was sie kommuniziert, wird vom Verstand direkt erkannt. So lege ich im Shiatsu-Unterricht größten Wert darauf, dass „die Gesten zwischen den Zeilen" mit wacher Sorgfalt ausgeführt werden. Damit meine ich z.B., wie man einen Arm „weglegt", nachdem man einen Meridian behandelt hat. Man kann den Meridian noch so stimmig behandeln, - wenn man den Arm dann quasi fallen lässt oder wegwirft, setzt man eine subtile Kränkung hinter eine Situation, in der ein Mensch erlaubt hat, dass man ihm sehr nahe kommt. Auch wenn das den Verstand dieses Menschen vielleicht nie erreicht - dem Wiedererstarken der Würde dieses Menschen dient es nicht! Wir haben als Berührende eine große Verantwortung, auch für die Zwischentöne der Berührung. Wo ein großes Potential ist, da ist auch die Verantwortung groß. dass die Kraft der Berührung im Shiatsu so groß ist, hat in besonderem Masse damit zu tun, dass wir mit den Meridianenergien und ihrem Potential - und das im Bewusstsein ihres Potentials - kommunizieren.
So kann jemand eine noch so lieblose Kindheit gehabt haben, aus der Sicht der Wandlungsphasenlehre ist ihm mit der Wandlungsphase Erde das ganze Potential liebevollen Mitgefühls und nährender Mütterlichkeit (Elterlichkeit) gegeben. Er kann unter Herzlosigkeit und Kälte gelitten haben - mit der Wandlungsphase Feuer ist in ihm das ganze Potential der Herzenergie an Liebe, Warmherzigkeit und Freude angelegt. Er kann noch so behindert worden sein, seine Begabungen und Pläne zu verwirklichen, in der Wandlungsphase Holz ist die ungestüme Kraft, diesen Raum zu geben, vorhanden. Menschliches Leid kann zu Brüchen und Stagnation führen, die einen glauben lassen, Möglichkeiten seien für immer verloren oder man habe sie womöglich nie gehabt. In der Arbeit mit den Meridianenergien tauchen diese Möglichkeiten wieder auf. Ein Erinnern setzt ein, da wo etwas wieder in Fluss kommt. Eine Rückverbindung entsteht zum heilen Potential. Wenn ich dies würdigend mit den Meridianenergien arbeite, so ist mir, als berühre ich den unendlichen Fundus der Begabungen, die eine weise und liebende schöpferische Kraft ins Leben hineingewebt hat. Es ist ein immenser Unterschied, ob ich den Wunden des Lebens mit der Auffassung begegne, es fehle etwas unwiederbringlich und könne bestenfalls kompensiert und ertragen werden - oder mit dem Bewusstsein, dass Spielräume des Lebens versperrt erlebt werden können, aber dennoch da sind. Sie wollen vom Bewusstsein wiedererobert und betreten werden. Wenn ich mit den Meridianenergien arbeite, helfe ich dem Bewusstsein, diese Türen wieder zu finden und sie, wenn es an der Zeit ist, zu öffnen. Wir sprechen in unserem Jargon von Energieblockaden. Energieblockaden sind nichts anderes als solche verschlossenen Türen: Trennwände, manchmal einfach nur Jalousien oder papierene Paravents. Shiatsu kann hier eine Kommunikation des Unaussprechlichen sein. Es kommt vor, dass solche Trennwände im Shiatsu berührt und aufgelöst werden, ohne dass ein Wort dazu gewechselt wird. Wenn das Erleben solchen Trennungen begegnet, kann das schmerzhaft sein. Ich bin im ersten Kapitel schon darauf eingegangen, dass da, wo etwas in Fluss kommt, berührt wird, was den Fluss gehemmt hat: schmerzhafte Erfahrungen, Überforderung, Schrecken, die einem Menschen unerträglich und nicht zu integrieren erschienen. Wenn man sich das Meridiansystem vorstellt als ein frei schwingendes fließendes Gefüge aller Ingredienzien, die menschliches Leben ausmachen, in dem alles angelegt ist, was wir brauchen und einiges an Zugaben der Schönheit darüber hinaus, so liegt dem eine zutiefst vertrauenerweckende schöpferische Güte zugrunde. Meine persönliche Auffassung ist, dass jedes erlebte Leid, das eine Stagnation im freien Fluss dieses genialen Systems hervorrief, zu einem Riss oder Sprung im Vertrauen führt, mit dem sich ein Mensch in liebevoller Güte im Leben aufgehoben fühlt. Bei zunehmenden Stagnationen baut sich Starrheit im einen oder anderen Lebensbereich, im Körper oder im Umgang mit sich und anderen auf. Es wird immer schwieriger mitzufließen im Auf und Ab und Hin und Her der menschlichen Jahreszeiten, die Geburt, Wachstum, Jugend, Reife, Alter und Sterben in vielen Spielarten umfassen. Neben dem großen Lebenszyklus und dem Zyklus der Jahreszeiten spült uns das Leben täglich durch Nuancen solcher Zyklen. Wer im Vertrauen ruht, kann dabei weich bleiben und selbst ein Fließendes im Fließenden sein. Er wird sich nicht weh tun, sondern wissen. Menschlich ist es aber nun mal, dass Stagnationen und Risse im Fluss entstehen und unter Menschen weitergegeben werden. Gerade zur Zeit habe ich miterlebt, wie so ein Riss im Vertrauen bei Kajsa entstand. Dieser Bruch wohnt in ihrem Blick und es tut mir in der Seele weh, ihn zu sehen. Aber was ist geschehen? Nichts Böses - niemand hat ihr etwas getan. Aber die kleine Kajsa hat Bekanntschaft mit der Mühle des menschlichen Lebens gemacht. Sie ist eineinhalb Jahre alt und hat einen Zwillingsbruder namens Nils. Beide sind krank geworden, ein heftiger Infekt hat sie erwischt. Beiden ist jämmerlich zumute und am liebsten hängen sie sich wie Kängurubabys an ihre Mutter. Nun wird aber aus dem Infekt bei Nils eine heftige Lungenentzündung und er kommt mit seiner Mutter ins Krankenhaus. Kajsa ist auch krank, aber nicht so dramatisch. Ihr Vater nimmt Urlaub und bleibt mit ihr Zuhause. Als Mutter und Bruder nach einer Woche wieder nach Hause kommen, weigert Kajsa, sich von ihrer Mama anfassen zu lassen. Sie hat Eltern, die verstehen. Ihre Mutter ist da und lässt ihr Zeit. Sie nimmt nicht übel. Als der Vater wieder zur Arbeit gehen muss, kommt eine Oma zu Besuch, die den Haushalt übernimmt, so dass meine Freundin sich ganz und gar den Anliegen der immer noch kränkelnden Zwillinge widmen kann. Sie ist da und geht auf sie ein. Nils sieht schon wieder rund aus und eine neue, recht rebellische Kraft taucht in ihm auf. Kajsa sucht allmählich wieder die Nähe ihrer Mama und will vor allem, dass diese ihr die Beine massiert. Sie ist fädchendünn geworden, die Kleine, und sie erbricht sich jeden Abend. Manchmal hat sie, die zuvor leidenschaftlich auf jedes Hindernis kletterte und kletterte (Hauptsache klettern!), etwas Apathisches und hängt wie willensberaubt auf dem Schoss ihrer Mutter. Kein Klammern, kein Klettern, sie ist einfach fertig. Schließlich hört das Erbrechen auf und sie beginnt sich wieder zu ähneln. Sie lacht wieder verschmitzt und beginnt wieder zu spielen, „da und weg" spielt sie, versteckt sich im Dunkeln einer aufgeklappt stehenden Kaffeehaus-Speisetafel. Die hat gerade Zeltgröße für Kajsa. Ich schau hinein in Kajsas dunkles Zelt und begegne diesen Augen, in denen Lachen zweifelnd mit Angst um Vertrauen ringt: „Werde ich gefunden?"
Auch Gruppen von Menschen bauen Systeme fließenden oder stagnierenden Ki auf. Man hilft sich untereinander in Fluss zu kommen oder schafft vielleicht sogar unfreie Zusammenhänge, die Stagnationen zur Bedingung des Zusammenlebens machen. Wie der Organismus des Individuums braucht auch jeder Gruppenorganismus alle Wandlungsphasen. Das Zusammenleben gelingt, wenn alle sein dürfen, was sie sind. Wenn Starre zunimmt, vergisst ein Mensch zunehmend sein Aufgehobensein in der schöpferischen Güte und kämpft um das, was, wie er meint, sein Leben ausmacht. Dieses Kämpfen führt zu weiteren Verwicklungen und Heillosigkeiten. Der Mensch wird immer heimatloser, die Welt beängstigender und die Anstrengung größer. Es gibt etwas in den Momenten, in denen wir im Taiji oder Qi Gong in Fluss kommen, was glücklich macht. Menschen kommen aus ihrem verwickelten und angestrengten Alltag zum Taiji. Und wenn wir uns nach der Übungsstunde voreinander zum Dank verneigen, schauen mich weiche, lächelnde Gesichter an. Eine kleine Erinnerung glückte, eine Erinnerung daran, wie Leben eigentlich gemeint und geschenkt ist. Wenn wir im Shiatsu Menschen berühren, dienen wir der gleichen Erinnerung, der gleichen Rückverbindung. Ein Mensch kann in einer Shiatsu-Behandlung in das vertrauensvolle Aufgehobensein in der Güte der weisen schöpferischen Kraft sinken und sich erinnern an Aspekte fließenden Seins. Dem und nichts anderem möchte ich dienen, wenn ich Shiatsu gebe und unterrichte. Wer sich dem zur Verfügung stellt mit seinem Shiatsu, hat natürlich zunächst große Verantwortung für seine eigenen Erinnerungen, d.h. für sein eigenes Befreien des Flusses, für seine eigene Rückverbindung. Wie nahe liegend ist es da, dass ich mich auch berühren lasse und meinen eigenen Rissen wie meinen Erinnerungen in den Shiatsu-Behandlungen, die ich bekomme, erlaube, bewusst zu werden. Da ich mir dabei sehr viel Zeit lasse, ja alle Zeit der Welt, die mein „Heimweg" braucht, entsteht eine lange Kette aus Entwicklung (manchmal auch versehentlicher Verwicklung) und Erinnerung. Es berührt mich mitzuerleben, wie der Shiatsu-Partner, bei dem ich mich behandeln lasse, in seinem Fliessen Freiheit gewinnt und wie diese wachsende Freiheit meine inspiriert (und umgekehrt). Die Nuancen der Rückverbindung, die dabei in mir in ihr freies Schwingen finden, wirken in meinen Shiatsu-Behandlungen weiter und inspirieren wiederum die Shiatsu-Partnerinnen, die sich mir anvertrauen, sich zu erinnern und in einen freieren Fluss zu finden. Meine Shiatsu-Partnerinnen inspirieren umgekehrt mich mit ihrem Vertrauen und behandeln schließlich wieder ihrerseits Menschen, die Heilung suchen. Achtsame erinnernde Berührung wandert weiter und so ist Mensch
mit Mensch unterwegs in einer langen Kette des Berührenden. Sorgfalt,
Achtung und Mitgefühl werden weitergereicht und Heilung im Sinne
der Rückverbindung geschieht. Heilung bedeutet entsprechend in meiner
Begrifflichkeit Erinnerung und Heimweg im hier beschriebenen Geist. Heimweg Das ohne tiefe Erfahrung Nennbare
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© Alena Maria Schneider leitet in Hamburg den
Frühlingsgarten (22763 Hamburg, Bei der Rolandsmühle 6, Tel.
+49 40 881 32 09, www.fruehlingsgarten.org),
ein Studio für Taichi, Qigong und Shiatsu. Sie ist von der GSD zur
Ausübung von Shiatsu Praxis und Lehre anerkannt und Autorin des Buches "Wenn Lachen und Weinen einander freundlich grüßen - Shiatsu-Wege der Entfaltung" (veröffentlicht
im Shiatsu Journal Nr. 30, Spätsommer 2002 und
in "Wenn Lachen und Weinen einander freundlich grüßen - Shiatsu-Wege der Entfaltung", Verlag Ganzheitlich Leben, Herbst 2005) |