Die Chakren im Shiatsu
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Übersetzung: Anne Frederiksen Es gibt viele Traditionen, die das menschliche Energiefeld beschreiben. Sie tun das in einer Vielzahl von verschiedenen Begriffen und Referenzpunkten, denen wir bei unserer Lektüre begegnen, wenn wir mehr über dieses wunderbare und mysteriöse Phänomen, das die Basis unseres Lebens ist, herauszufinden versuchen. Wir unsererseits als Entdecker haben oft nicht mehr als ein intuitives Empfinden oder ein Gefühl bei unserem Kontakt mit der menschlichen Energie. Dieses Gefühl könnte durchaus mit dem übereinstimmen, was wir gelesen haben, aber es könnte auch ein ganz anderes ein. Setzen wir einmal voraus, dass unser Kontakt mit dem menschlichen Energiefeld nicht-intellektueller Natur ist und dass es schwierig ist, die Verschiedenheit und Kompliziertheit der Systeme zu beschreiben, so ist es umso schwerer, unsere Erfahrung in ein System einzuordnen (mit anderen Worten, unsere Erfahrung im Behandlungsraum in das theoretische System einzuordnen, das wir während unserer Ausbildung gelernt haben), ganz zu schweigen von mehr als einem.
Der innere Kern im Chinesischen/Japanischen Modell Im fernöstlichen Modell der menschlichen Energiestruktur, wie in der TCM dargestellt, gibt es ebenfalls einen inneren Kern, obwohl er anders interpretiert wird. Das Lenkergefäß und das Konzeptionsgefäß (es wird gesagt, sie seien die Längsstruktur, die sich bei der Empfängnis entwickelt, wenn das Ei sich zum ersten Mal zweiteilt) und die innere Verbindung dazwischen – das Durchdringende Gefäß, Chong Mai genannt –, stellen den Zentralkanal dar, unsere Verbindung zwischen Himmel und Erde. Die klassische Niere auf der Vorderseite des Körpers und die Blase auf der Rückseite dehnen ihren Einfluss nach außen aus, was darauf hindeutet, dass der Zentralkanal Tiefe und Breite hat. Wir können ihn uns als einen strahlenden Energiekern tief in unserem Körper vorstellen, ausgerichtet an der Wirbelsäule, dem Zentralen Nervensystem und dem endokrinen System. Wie ein Magnet im Zentrum eines elektromagnetischen Feldes erzeugt er das ganze energetische Feld des Körpers und somit auch die Meridiane. Dieses Konzept wird durch die Theorie untermauert. Das Konzeptions- und das Lenkergefäß sowie der Chong Mai gehören zu den Außerordentlichen Gefäßen. Sie werden kurz nach der Empfängnis geformt und regieren die Entwicklung des Embryos im Mutterleib. Sie organisieren die Essenz und das Quellen-Ki während der vorgeburtlichen Phase. Sie werden vom Nierenmeridian auf der Vorderseite des Körpers, vom Blasenmeridian als deren Helfer und Vollstrecker auf der Rückseite flankiert. Diese Meridiane bilden das Bindeglied zwischen unseren Essenzreserven beziehungsweise dem Quellen-Ki und haben Zugang zu unserem ursprünglichen Yin und Yang, der Quelle unserer Existenz. Wo Essenz ist, muss auch Shen oder Geist sein. Im täglichen Sprachgebrauch in China werden die Wörter Jing (Essenz) und Shen (Bewusstheit) nie allein verwendet; vielmehr wird das Wort jingshen (vitaler Geist, geistige Kraft) benutzt, um die Untrennbarkeit des Bewusstseins von seiner physischen Verkörperung auszudrücken. Somit ist auch Shen Teil des inneren Kerns des menschlichen Wesens, das Feuer im Wasser, der Himmel, der das irdische Reich berührt. Die Chakren als solche existieren im Fernöstlichen TCM-Modell nicht. Bestimmte Punkte oder Gruppen von Punkten jedoch – sowohl in Lage und Funktion – weisen auf die Wichtigkeit der verschiedenen Regionen des Zentralkanals hin. So haben wir zum Beispiel Lenkergefäß 20 auf dem Kronenchakra, Yin Tang am Dritten Auge, Konzenptionsgefäß 17 am Herzchakra und Konzeptionsgefäß 1 am Wurzelchakra.
Die Meridiane im Vedischen Modell Es sei erwähnt, dass es in der Tat Meridiane und Punkte im Vedischen
System gibt – zumindest jedenfalls, soweit ich weiß, in der
Medizin des Südlichen Indien und Nepals. Es gibt eine Tradition – von
den Indern bejaht, von den Chinesen jedoch bestritten –, die besagt,
dass die Kampfkünste und das Meridiansystem von Indien mit dem Mönch
Bodhidarma nach China gekommen sind. Ich habe aber über das Vedische
Meridiansystem keine ausreichenden Kenntnisse. Die Meridiane im Chinesischen/Japanischen Modell Was ist ein Meridian? Vielleicht kann man ihn am einfachsten so beschreiben: Ein Meridian ist „eine Zone, über die man durch Berührung Zugang zum dynamischen Inneren des menschlichen Energiesystems bekommt“. Es ist wichtig, dies zu verstehen, wenn wir Zugang zu den Chakren über die Meridane bekommen wollen. Wir benutzen die Meridiane, um zum inneren Kern der Körperenergie zu gelangen. Während wir keine Schwierigkeiten haben, einige der Chakren mit Punkten auf dem Zentralkanal zu identifizieren, ist es eher ein Rätsel, wie die anderen Meridiane in das Bild hineinzupassen, besonders wenn wir noch nach dem Prinzip arbeiten, dass die Meridiane Linien oder Kanäle auf der Oberfläche des Körpers sind. Clifford Andrews’ und Pauline Sasakis bahnbrechende Arbeit hat gezeigt, dass das Meridiansystem ein Phänomen ist, das zum Feld gehört, nicht nur eine Ansammlung von Linien auf der Oberfläche. Diese Perspektive also sollten wir uns zueigen machen, wenn wir uns die Chakren anschauen.
Das Wort Chakra heißt, wie oben erwähnt, im Sanskrit „Rad“. Das bedeutet traditionell eine radförmige Struktur auf der Oberfläche des Körpers. Aber nehmen wir einmal an, wir schneiden unsere Orange quer durch. Ist es dann nicht wahrscheinlich, dass das „Rad“ der Einfluss der Chakren ist, der sich zur Oberfläche des Feldes hin durch alle Meridiane hindurchbewegt? (Dieser Einfluss ist offenbar nicht nur auf die Lage der Meridiane beschränkt, sondern strahlt aus – es ist nur so, dass das Meridianmodell ein bestimmter Weg ist, wie wir Shiatsu-Praktiker in das Energiefeld „eintreten“.) Somit können wir folgende Punkte vielleicht als eine Arbeitshypothese nehmen:
Aber dies sind wirklich nicht die wichtigsten Dinge, die wir über die Chakren wissen müssen. Dies ist nur ein Weg, die Informationen neu zu ordnen, um Konflikte zwischen den theoretischen Modellen zu vermeiden. In Wahrheit sind die Chakren, wie wir sie erleben, eine tiefe, reiche und vibrierende Begegnung mit Energie. Kürzlich meldete sich ein Student der Akupunktur bei mir per Email, der seine Abschlussarbeit über „Chakra-Akupunktur“ schrieb. Ich freute mich, ihm sagen zu können, was ich glaubte, bis ich merkte, dass er die Realität der Chakren über die Theorie erfahren wollte – das freilich ist nicht möglich. Diese Zentren sind unsere Verbindung mit unserem Ursprung; sie sind für jeden von uns unterschiedlich und können Quelle für Gefühle, Farben, Bilder und für den Kontakt mit unserem inneren Selbst sein. Sie ändern sich ständig. Das Wichtigste an den Chakren für uns Shiatsu-Praktiker ist nach meinem Empfinden nicht so sehr, wie wir mit ihnen in unserem Klienten Kontakt aufnehmen, sondern wie wir sie in uns selbst wahrnehmen. Das Bewusstsein über diese vitalen Zentren in ihrem eigentlichen Sinn erweitert unsere Erfahrung davon, was es heißt, lebendig zu sein und hilft uns zu einem größeren Verständnis über die unglaublich vielfältigen Manifestationen der menschlichen Energie. Wir können viel vollkommener mit unseren Klienten mitschwingen, wenn wir dieses Mitschwingen in uns selbst in all seinen verschiedenen Aspekten erlebt haben. Aus diesem Grund verwende ich auf den Chakren-Workshops, die ich allein oder mit meiner Lehrerkollegin Annie Cryar gebe, genauso viel Zeit auf Musik, Bewegung und auf die Erfahrung mit jedem Chakra in uns selbst als darauf, wie wir die Chakren in unserer Shiatsu-Praxis berühren können. Die Chakren in die Shiatsu-Theorie einzubeziehen, ist ein kleines Extra, der Zuckerguss sozusagen auf dem Kuchen! |
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© Carola Beresford-Cooke ist Shiatsu-Praktikerin
und -Lehrerin und Autorin diverser Bücher. Sie lebt und unterrichtet
in Wales. Informationen zu ihren Kursen unter www.shiatsugemeinschaft.de (veröffentlicht
in Shiatsu Journal 44, Frühjahr 2006) |