Ursprünglich war geplant, dass eine kurze Präsentation im Rahmen der GV über Änderungen in Curriculum, Fortbildungsrichtlinien und Ausübungsrechten für Shiatsu erfolgen sollte. Auf Grund der fortgeschrittenen Zeit (die GV dauerte auch so über vier Stunden) wurde von den Anwesenden beschlossen, dass einige Präsentationen zurückgestellt und deshalb per Mail ausgesendet werden.

Die Punkte der vorliegenden (nachgereichten) Präsentation sind:

  •          Änderungen in Curriculum und Fortbildungsrichtlinien
  •          Ausübung von Schröpfen, Moxibustion und Gua Sha
  •          Ausübung von Nebenrechten

 

Änderungen in Curriculum und Fortbildungsrichtlinien

Curriculum

Viele Anläufe gab es schon im Lauf der Jahre, das Curriculum zu optimieren und Unschärfen zu beseitigen. Den aktuellen Anlass bildeten Unklarheiten, was Shiatsu-PraktikerInnen anbieten dürfen und was den Berufsumfang einer Shiatsu-PraktikerIn rechtlich betrachtet ausmacht.

Die entstandenen Unklarheiten in den Ausbildungsrichtlinien lassen sich verstehen, wenn man sich ihre Geschichte in Erinnerung ruft. Der Grundentwurf stammt aus dem Jahr 1994. Damals war es das Ziel, die unterschiedlichen Schwerpunkte der Schulen in einem Curriculum zu vereinen. Das geschah mit verpflichtenden (allen Schulen gemeinsamen) Fächern einerseits und Inhalten andererseits, die jede Schule frei wählen konnte. 2003 wurde das Ausbildungsprofil der Massage-Verordnung als für alle Ausbildungen verpflichtender Inhalt integriert. Das frühere Konstrukt mit verpflichtenden und optionalen Ausbildungsinhalten wurde aber beibehalten, so dass sich im Curriculum des Dachverbandes weiterhin auch optionale Inhalte fanden, für deren Ausübung jedoch zuweilen auch über Shiatsu hinausgehende Berufsberechtigungen (wie beispielsweise Ernährungsberatung oder Coaching) erforderlich sind.

Das neue Curriculum (März 2017) beschränkt sich deshalb auf die in der Massage-Verordnung erforderlichen Ausbildungserfordernisse, ergänzt mit den spezifischen Dachverbands-Erweiterungen, wie z.B. verpflichtende Shiatsu-Selbsterfahrung oder 50 Stunden westliche Pathologie.

Darüber hinausgehende, optionale Inhalte sind weder Teil der verpflichtenden Ausbildung noch Inhalt der Bestätigung des Dachverbandes – und stehen jeder Schule frei. Zu beachten ist dabei aber, dass ihre Ausübung unter Umständen über Shiatsu hinausgehende Berufsberechtigungen erforderlich macht.

Ergänzend, um das Berufsfeld der Shiatsu-PraktikerIn zu beschreiben, sind der Hintergrund von Shiatsu, eine Beschreibung der Methode, die Zielsetzungen und die Ausübung von Shiatsu als gewerbliche Tätigkeit mit Gesundheitsbezug beschrieben: https://oeds.at/ausbildung/lehrplan.

Fortbildungsrichtlinien

Die Unschärfen im Curriculum führten auch Unklarheiten in den Fortbildungsrichtlinien. Dazu kam noch, dass unklar ist, wie die jeweilige Gewerbebehörde bei ihrer Überprüfung urteilt: strikt oder doch eher großzügig? Im Büro des Dachverbandes herrschte deshalb oft Unsicherheit, ob eine Veranstaltung als Fortbildung gewertet werden kann oder nicht. Tausende Mails mussten mit teils erheblichem Zeitaufwand auf diese Weise bearbeitet werden – und immer mit der nicht definitiv zu beantwortenden Frage, ob die Auslegung vielleicht zu großzügig erfolgt und von der Gewerbebehörde aberkannt wird (mit allen daraus entstehenden Folgen – auch für den ÖDS und seine Mitglieder).

Nach Vorarbeit einer Arbeitsgruppe wurden die nun vorliegenden und seit 1. September gültigen Fortbildungsrichtlinien beschlossen, die sich einerseits am neuen Curriculum orientieren und zum anderen die Fortbildungsanbieter „in die Verantwortung nehmen“. Auf Basis einer Kurzbeschreibung allein ist es oft kaum möglich, einzuschätzen, ob die jeweilige Veranstaltung von der Gewerbebehörde akzeptiert werden könnte (und ob sie „argumentierbar“ ist). Unklarheiten kamen, wie schon gesagt, dabei aber auch aus dem alten Curriculum, in dem Techniken und Methoden angeführt wurden, die klar nicht zum Berufsbild Shiatsu (im engeren Sinne, also im Sinne des Gesetzgebers) gehören.

Mit den neuen Fortbildungsrichtlinien (https://oeds.at/fileadmin/user_upload/dachverband/Neue_Richtlinien_fuer_Fortbildungsveranstaltungen_-_ab_1._9._2017__und_alte_Richtlinien_bis_1.9.2017.pdf) wurde festgelegt, dass

  1. zumindest 75 Prozent, also mindestens 30 der 40 erforderlichen Stunden in fünf Jahren Shiatsu-relevant im engeren Sinne sein müssen und dem Ausbildungsprofil Shiatsu in der Massage-Verordnung gemäß den dort angeführten Punkten 1, 2, 4 und 5 entsprechen;
  2. maximal 25 Prozent, also maximal 10 der erforderlichen Stunden, aus den Bereichen medizinisches Grundwissen (Punkt 3 der Massage-Verordnung), Persönlichkeitsentwicklung und Schulung der Wahrnehmung (Punkt 6), Supervision (Punkt 7) sowie kaufmännische und/oder rechtliche Kurse sind; und
  3. (österreichische) KursleiterInnen – unabhängig ob Schule oder PraktikerIn – in ihrer Bestätigung verbindlich festhalten, dass die Fortbildung den Richtlinien des Dachverbandes folgt (eine entsprechende Vorlage des Dachverbandes findet sich unter https://oeds.at/fileadmin/user_upload/dachverband/Vorlage_fuer_Fortbildungsbestaetigung.docx).

 

Ausübung von Schröpfen, Moxibustion und Gua Sha

Nach Unklarheiten, ob Schröpfen, Moxibustion und Gua Sha im Rahmen des Shiatsu-Gewerbes ausgeübt (und beworben) werden dürfen, hat das Wirtschaftsministerium Ende Juni 2017 in einem Schreiben festgehalten, dass Shiatsu-PraktikerInnen berechtigt sind, diese Methoden (nach entsprechender Ausbildung) gewerblich anzuwenden – und damit auch zu bewerben, z.B. als Angebot auf ihre Website zu stellen. Zu berücksichtigen ist aber auf alle Fälle der ärztliche Vorbehalt.

 

Ausübung von Nebenrechten

Unsicherheiten gibt es, wie Anfragen zeigen, auch immer wieder hinsichtlich der sogenannten Nebenrechte im Gewerbe. Diese sind in der Gewerbeordnung unter „Sonstige Rechte von Gewerbetreibenden“ § 32 angeführt: https://www.ris.bka.gv.at/GeltendeFassung.wxe?Abfrage=Bundesnormen&Gesetzesnummer=10007517.

Mit der Reform der Gewerbeordnung 2017 wurden die Nebenrechte ausgeweitet (https://www.wko.at/service/wirtschaftsrecht-gewerberecht/gewerbeordnungsnovelle-2017.html): „Gewerbetreibenden steht auch das Erbringen von Leistungen anderer Gewerbe zu, wenn diese Leistungen die eigene Leistung wirtschaftlich sinnvoll ergänzen. Dabei dürfen die ergänzenden Leistungen insgesamt bis zu 30 vH des im Wirtschaftsjahr vom Gewerbetreibenden erzielten Gesamtumsatzes nicht übersteigen“. Und weiter: „Innerhalb dieser Grenze dürfen auch ergänzende Leistungen reglementierter Gewerbe erbracht werden, wenn sie im Fall von Zielschuldverhältnissen bis zur Abnahme durch den Auftraggeber oder im Fall von Dauerschuldverhältnissen bis zur Kündigung der ergänzten eigenen Leistungen beauftragt werden und sie außerdem bis zu 15 vH der gesamten Leistung ausmachen.

Das bedeutet, dass

  • bis zu 30 Prozent des Gesamtumsatzes einer Gewerbetreibenden durch Leistungen aus anderen Geweben und
  • bis zu 15 Prozent einer erbrachten Leistung aus einem „reglementierten Gewerbe“ erbracht werden können,

wenn diese Leistungen die eigene sinnvoll ergänzen. Beworben oder auf der Website angeboten werden, dürfen diese Leistungen aber nicht.