Am 5. September erfolgte die zweite Aussendung des ÖDS - als Vorbereitung zur Diskussion bei den ÖDS-Tagen rund um die Generalversammlung am 28 und 29. Oktober:

 

Was geht da vor in der EU? Und was heißt das für uns?

Eine Neustrukturierung des europaweiten „Gesundheitsmarktes“ steht uns bevor. Im Zuge dessen wird es zu einer Liberalisierung der Berufe in den einzelnen EU-Mitgliedsländern kommen. Worum geht es da genau?

Der Hintergrund:
Für die professionelle Ausübung von Shiatsu gibt es in Europa so viele verschiedene Regelungen wie Mitgliedsländer. Derzeit ist das Recht, Shiatsu auszuüben, abhängig von der Gesetzeslage im jeweiligen Land: von der freien Ausübung über verschiedene Toleranzstufen bis hin zu massiven Einschränkungen, wobei es nur bestimmte Berufsgruppen, z.B. medizinisch ausgebildete Berufe, ausüben dürfen. Dasselbe gilt für fast alle CAM-Methoden, so dass es derzeit europaweit 28 verschiedene Regulierungen gibt, ohne jegliche Übereinstimmung hinsichtlich Berufsausbildung, Anerkennung und Regulierung.
 
Die Tendenz:
Die EU strebt eine Vereinheitlichung der Gesundheitssysteme ihrer Mitgliedsstaaten an.
Was die Berufsausübung betrifft, zeigen sich im Rahmen der bisherigen Vorgehensweise der EU zwei Richtungen:
 
- Eine europaweit einheitliche Festlegung der Ausbildungen und Anforderungen.
Es geht dabei einerseits um die Gewährleistung der Niederlassungsfreiheit, also der Möglichkeit, den erlernten Beruf unabhängig von Landesgrenzen in jedem Land Europas auszuüben, und andererseits darum, der europäischen Bevölkerung Zugang zur bestmöglichen Gesundheitsversorgung zu ermöglichen, diese finanzierbar zu machen und Nachhaltigkeit zu erreichen. Die Basis für die einheitliche Regulierung bildet das „European Qualification Framework“, so dass es „normierte“ Ausbildungen und Berufsanforderungen auf europaweit gleichem Standard gibt.

- Die Tendenz einer Deregulierung, einer Liberalisierung der Gewerbe in den EU-Mitgliedsstaaten, die „den Markt“ entscheiden lässt.

Shiatsu in Österreich heute:
Aktuell wird Shiatsu wird in der Aufstellung Komplementärer Methoden des Bundesministeriums für Gesundheit in der Rubrik „körperbezogene, manuelle Methoden“ gelistet.

Es gilt bis dato als reglementiertes Gewerbe mit Gesundheitsbezug (reglementiert in der Massage-Verordnung).
 
Shiatsu im Europa der Zukunft:
Werden die oben genannten Ziele umgesetzt, verändert sich der Stellenwert, den Shiatsu als Methode im System der Gesundheitsberufe hat. Wie das konkret aussehen wird, ist bis jetzt noch nicht geklärt. Klar ist nur: Kommt es im ersten Schritt zu einer Liberalisierung der Gewerbe, wird die berufliche Ausübung von Shiatsu nur vom freien Markt bestimmt.
 
Vorteile und Gefahren der Neuregelung:
Shiatsu als Beruf unabhängig von Landesgrenzen in jedem Land Europas ausüben: Im Sinne der Niederlassungsfreiheit soll dies durch den EU-Kurs der Vereinheitlichung der Gesundheitssysteme möglich werden. Ein klarer Vorteil. Auch die Liberalisierung der Gewerbe begrüßen viele. Hurra, endlich weniger Regelungen?

Vorsicht: Verliert Shiatsu den Schutz des gewerblichen Reglements, kann jede(r), ganz egal mit welcher Ausbildung, Shiatsu anbieten. Am freien Markt wird das Qualitätsprodukt neben dem Ramsch angeboten. Und nach welchen Kriterien sollen die Klienten entscheiden?
 
Wie die Arbeitswelt rund um Gesundheit und Gesunderhaltung in der EU der Zukunft aussehen wird, ist bis jetzt noch nicht fix. Klar ist bisher nur: Entweder kommt eine Entscheidung zur Liberalisierung der Gewerbe aus Brüssel – im Zuge der Regulierung des Bereichs, in dem wir arbeiten – die in Österreich umgesetzt werden muss,
oder es geht noch schneller: Denn es gibt bereits den Wunsch nach der Liberalisierung der Gewerbe in Österreich, quasi als vorauseilender Schritt, um den neuen Richtlinien der EU entgegenzukommen. Die Tendenz bleibt dieselbe. Wir können (und müssen) uns auf ein Wegfallen des gewerblichen Schutzes von Shiatsu einstellen.
 
Es braucht Strategien, die es uns ermöglichen, Shiatsu in der veränderten Arbeitswelt des europäischen Gesundheitssystems so zu positionieren, dass die neuen Entwicklungen in unserem Berufsfeld nicht zur Zerrüttung unserer beruflichen Existenzgrundlagen führen.

Es braucht einen starken ÖDS, der für sichtbare Qualitätssicherung sorgt – mit zertifizierten Ausbildungen („qualified shiatsu practitioner“) und Öffentlichkeitsarbeit für die Qualitätsmarke „Shiatsu“. Zum Schutz der beruflichen Existenz seiner Mitglieder und für die Sicherheit der KlientInnen.
 
Sprechen wir über die Zukunft! Der ÖDS lädt Euch ein zur Diskussion – im Rahmen der ÖDS-Tage rund um die Generalversammlung am 28. und 29. Oktober 2016 in Wien.
 
Für alle, die sich jetzt schon ausführlicher in die Hintergründe einlesen wollen, hat Dr. Eduard Tripp aus dem Vorstand des ÖDS in „Berufspolitischen Überlegungen“ die notwendigen Infos zusammengefasst, die Interessierte brauchen, um fundiert über die Zukunft der Shiatsu-Arbeitswelt mitzudiskutieren. ... Mehr zum Thema