Am 19. September erfolgte die dritte Aussendung des ÖDS - als Vorbereitung zur Diskussion bei den ÖDS-Tagen rund um die Generalversammlung am 28 und 29. Oktober:

 

Klar ist bisher nur: Wir müssen uns auf ein Wegfallen des gewerblichen Schutzes von Shiatsu einstellen.


Welche Szenarien könnten auf uns zukommen?
 
Werden die Gewerbe liberalisiert, verändert sich der Stellenwert, den Shiatsu im System der Gesundheitsberufe hat. Bis dato gilt Shiatsu in Österreich als körperbezogene, manuelle Methode und ist als Gewerbe mit Gesundheitsbezug in der Massage-Verordnung reglementiert. Kommt es im Rahmen der Regulierung des gesamteuropäischen Gesundheitswesens zur Liberalisierung der Gewerbe, sind für den Shiatsu-Beruf folgende Zukunfts-Varianten denkbar:
 
Variante A: „Shiatsu goes Gesundheitsbereich“
Variante A + B: „Shiatsu goes Schweizer Modell“
Variante B: „Shiatsu goes Wellness“
 
- Variante A:
Shiatsu wird Methode im Gesundheitsbereich, geht strukturell in die Richtung medizinischer Berufe ... Mehr zum Thema

Vorteile:
Höheres soziales Prestige („Hurra, wir sind jetzt Mediziner!“), hochwertige Ausbildung, größere Sicherheit in der beruflichen Ausübung, offener zeigen können, was Shiatsu für Gesundheit zu leisten vermag.

Nachteile:
Umfangreichere Ausbildung mit höheren Kosten und höherem zeitlichen Aufwand (mehr Regulierungen, weniger Freiheit in der Ausbildung, kleinere Schulen können möglicherweise die Anforderungen an die Ausbildungskriterien (Zertifizierungsanforderungen) nicht erfüllen). Pointiert formuliert: „Mehr investieren, um mit demselben Beruf dann nicht mehr zu verdienen!?“
 
- Variante A+B:
Denkbar ist auch ein „zweistufiges Modell“ in Anlehnung an die KomplementärTherapie in der Schweiz. Dieses Modell umfasst eine „Basisausbildung Shiatsu“ (mit der Möglichkeit, Shiatsu im Wohlfühl-/Wellnessbereich anzubieten) und ein darauf aufbauendes Modul zum „Shiatsu-Therapeuten“ („advanced level“ mit der Möglichkeit, im Gesundheitssystem zu arbeiten) ... Mehr zum Thema

Gravierender Nachteil dieser Variante ist die Gefahr der Unklarheit bei KlientInnen und Politik, d. h..: wie unterscheidet man in der Praxis AbsolventInnen des basic und des advanced Levels? Es käme zu einer Art Zwei-Klassen-Shiatsu.
 
- Variante B:
Shiatsu wird Methode im Wellnessbereich und geht strukturell in Richtung „freie Anbieter“ ... Mehr zum Thema

Die Situation wäre ähnlich der heutigen Situation, mit dem entscheidenden Unterschied allerdings, dass Shiatsu dann möglicherweise keinen Berufsschutz mehr genießt.

Vorteile:
Jede(r) kann Shiatsu als Beruf unabhängig von Landesgrenzen in jedem Land Europas ausüben.

Nachteile:
Aus Sicht der PraktikerInnen: Auch wer zwei Wochenendkurse gemacht hat, kann Shiatsu anbieten, und das, da ja nicht viel investiert wurde, viel billiger als jene(r), der/die eine jahrelange kostspielige Ausbildung absolviert hat.

Aus Sicht der KonsumentInnen: das billigere Angebot scheint verlockender, wird aber möglicherweise enttäuschend bis – im schlimmsten Fall – schädlich wirken, und der Klient / die Klientin wird sich denken und weitersagen: Shiatsu bringt nichts, ist Scharlatanerie!

Zudem wird, wenn Shiatsu sich von anderen Methoden nicht mehr durch Ausbildungsqualität abhebt, der Konkurrenzdruck durch andere Methoden, für deren Ausübung es nur einer rudimentären Ausbildung bedarf, größer. Ein fatales Szenario für unsere Profession ...
 
 
Was können wir tun?
Die Parole lautet: Lobbying + Qualitätssicherung!
 
Worum geht es beim Lobbying auf europäischer Ebene für Shiatsu?
Lobbying funktioniert wie ein Megaphon: Einzelstimmen werden verstärkt. Ein Hauptziel auf europäischer Ebene ist, die Ausübung von Shiatsu als CAM zu legalisieren und zu reglementieren – Shiatsu soll dadurch (wie andere CAM-Methoden) auch in Zukunft für die Öffentlichkeit frei zugänglich sein; die wirtschaftliche Tätigkeit von CAM-Anbietern soll gefördert werden.

Wichtig ist hierbei das gemeinsame Vorgehen mit anderen CAM-Anbietern, denn: Eine CAM-Methode allein (wie eben z.B. Shiatsu) hat keine realistische Aussicht auf Berücksichtigung durch die europäischen Behörden. Erst der Zusammenschluss mit anderen, ähnlichen Methoden bringt die Möglichkeit einer Berücksichtigung durch die Gesetzgebung. ... Mehr zum Thema
 
Sollte das Gewerberecht Änderungen in Richtung einer Deregulierung für Massage mit sich bringen, bevor es eine Anerkennung als CAM gibt, wird es für Shiatsu keinerlei staatlichen Berufsschutz (wie bisher im reglementierten Gewerbe der Massage) mehr geben. Shiatsu ist damit ausschließlich der Regulierung „durch den Markt“ unterworfen.
 
Qualitätssicherung durch den Dachverband wird wichtiger denn je:
Es braucht Strategien, die es uns ermöglichen, Shiatsu in der veränderten Arbeitswelt des europäischen Gesundheitssystems so zu positionieren, dass die neuen Entwicklungen in unserem Berufsfeld nicht zur Zerrüttung unserer beruflichen Existenzgrundlagen führen.

Es braucht einen starken ÖDS, der für sichtbare Qualitätssicherung sorgt – mit zertifizierten Ausbildungen („qualified shiatsu practitioner“) und Öffentlichkeitsarbeit für die Qualitätsmarke „Shiatsu“. Zum Schutz der beruflichen Existenz seiner Mitglieder und für die Sicherheit der KlientInnen.
 
Sprechen wir über die Zukunft! Der ÖDS lädt Euch ein zur Diskussion – im Rahmen der ÖDS-Tage rund um die Generalversammlung am 28. und 29. Oktober 2016 in Wien.
 
Für alle, die sich jetzt schon ausführlicher in die Hintergründe einlesen wollen, hat Dr. Eduard Tripp aus dem Vorstand des ÖDS in „Berufspolitischen Überlegungen“ die notwendigen Infos zusammengefasst, die Interessierte brauchen, um fundiert über die Zukunft der Shiatsu-Arbeitswelt mitzudiskutieren. ... Mehr zum Thema