Erstmalig in der Geschichte der Europäischen Union gab es am 9. Oktober 2012 im Europäischen Parlament eine Konferenz zu komplementären und alternativen Behandlungsmethoden, die von einer zweieinhalbtägigen Ausstellung begleitet wurde, auf der auch Shiatsu mit einem Stand der European Shiatsu Federation und Gratisbehandlungen präsentiert wurde. Offizielle Vertreter der European Shiatsu Federation (ESF) waren Frans Copers (Präsident) und Seamus Conolly (politisch Beauftragter).

Das Thema der Konferenz war „CAM: Innovation and Added Value for European Healthcare“, also der mögliche und aus der Sicht der Organisatoren erwünschte, ja notwendige Beitrag von CAM (komplementärer und alternativer Medizin) im europäischen Gesundheitssystem von Morgen.

Ermöglicht wurde die Veranstaltung von den drei Abgeordneten im Europäischen Parlament Elena Oana Antonescu (Rumänien), Sirpa Pietikäinen  (Finnland) and Alojz Peterle (Slovenien). Organisiert wurde sie neben CAM-Organisationen, die Ärzte und Patienten vertreten, von der European Federation for Complementary and Alternative Medicine (EFCAM, http://www.efcam.eu), der auch der europäische Dachverband für Shiatsu (ESF, http://www.shiatsufederation.eu/) angehört.

Den Hintergrund der Veranstaltung bildet die Tatsache, dass europaweit etwa ein Viertel der Bevölkerung CAM nutzt, diese Behandlungen aber aus eigener Tasche bezahlt, bezahlen muss. Gleichzeitig arbeiten etwa 200.00 Praktiker mit CAM-Methoden wie Akupunktur, Aromatherapie, Kräutertherapie, Homöopathie, Kinesiologie, Shiatsu und ähnlichen Mehtoden. Ihnen allen ist gemeinsam, dass sie den gesamten Menschen in ihre Behandlung einbeziehen mit dem zentralen Fokus, seine Ressourcen und damit seine körpereigenen Gesundheit fördernden Kräfte zu stärken.

Referenten der Konferenz mit den von ihnen vorgestellten Themen (Präsentationen unter "Dachverband - Shiatsu in Europa - Politische Arbeit - CAM-Konferenz") waren:

  • Prof. Andrew Long, Health Systems Research, School of Healthcare, University of Leeds, der auch die Shiatsu-Studie durchgeführt hat: “Introduction to CAM: An Innovative Healthcare Practice”
  • Prof. Dr. Erik W. Baars, MD, MSc Epidemiology, University of Applied Sciences Leiden, Leiden, The Netherlands, Louis Bolk Institute, Driebergen, The Netherlands: “Complementary and Alternative Medicine and chronic disease management”
  • Prof. Dr. Gustav Dobos, University Duisburg-Essen, Kliniken Essen-Mitte, Germany: “Complementary and Alternative Medicine – Innovation and added Value for European Healthcare. Evidence-base and effectiveness of Complementary and Alternative Medicine”
  • Associate Professor Torkel Falkenberg, Leader – Research Constellation for Studies of Integrative Health Care, Department of Neurobiology, Care Sciences and Society, Division of Nursing, Karolinska Institutet, Sweden; Leader – Research Foundation I C – The Integrative Care Science Center, Sweden: “Innovative use of CAM in health care and public health systems”
  • Priv.-Doz. Dr. med. Dominik Irnich, Multidisciplinary Pain Centre, Department of Snesthesiology, University of Munich, Germany – “Complementary and Alternative Medicine for innovative partnerships”
  • Prof. Helle Johannessen, Institute of Public Health, University of Southern Denmark – “Patients’ motivations for and use of CAM”
  • Claudia M. Witt, MD, MBA, Professor of Medicine, Acting Director, Institute for Social Medicine, Epidemiology and Health Economics, Charité University Medical Center Berlin – “Costs and cost-effectiveness of Complementary and Alternative Medicine”
  • Simona Dragan, University of Medicine and Pharmacy Victor Babes Timisoara, Romania – “Complementary and Alternative Medicine in Health Promotion and Disease Prevention”

Letztendlich erreichtes Ziel von Konferenz und Ausstellung war es, Mitgliedern des Europäischen Parlaments, Menschen die in Gesundheitssystem tätig sind, Politikern wie auch Patienten das Potential von CAM aufzuzeigen und zu diskutieren. Präsentiert wurde zudem die Sicherheit von CAM-Methoden und ihr positiver Effekt auf den Gesundheitsbereich auch in Bezug auf die finanziellen Belastungen, die mit Krankenbehandlung und Gesunderhaltung vor allem auf dem Hintergrund einer zunehmend älter werdenden Bevölkerung verbunden sind und Handlungsbedarf auf Seiten der politischen Entscheidungsträger erzeugen. Sichere, effektive und kostengünstige Weichenstellungen werden schon demnächst notwendig, um das Gesundheitssystem in Europa aufrecht erhalten zu können – und hier bietet sich die Integration von CAM an, wie gerade auch diese Konferenz aufzeigen konnte.

Die Konferenz schloss mit einem „Call for Action“ an die Europäische Kommission, insbesondere

  • allen Bürgern der Europäischen Union gleichen Zugang zu CAM zu ermöglichen;
  • CAM in EU-Projekte zu integrieren, die mit Gesundheitserziehung, -förderung, und -erhaltung zu tun haben wie auch die Behandlung von chronischen Erkrankungen oder die Förderung von aktivem und gesundem Altern; und

die Mitgliedsstaaten zu ermutigen, Wege zu suchen, auf welche Weise CAM zu einem nachhaltigen Gesundheitswesen in Europa (in Hinblick auf Gesundheitserziehung und –erhaltung, Selbstverantwortlichkeit für Gesundheit, Motivation zu einer Lebensstiländerung und weniger invasiven und teuren medizinischen Versorgung) beitragen kann.