Die traditionelle indische Ayurveda-Medizin, deren schriftliche Aufzeichnungen etwa 3.500 Jahre zurückreichen, kennt als Teil ihres Behandlungsspektrums viele Massagen, die - im Unterschied zur westlichen Massage und mehr noch zu Shiatsu - mit sehr viel warmen Öl ausgeführt werden. Die wohl bekannteste Form ist Abhyanga, die Ganzkörper-Ölmassage, bei der der ganze Körper zunächst Güsse mit warmen Öl auf bestimmte Stellen (Marma- oder Energiepunkte, Chakren) erhält. Danach folgt die Einölung des Körpers mit langen Streichungen im gleichmäßigen Rhythmus.

Als Wirkungsweise der Ayurveda-Ölmassage wird die Öffnung der Scrotas angegeben, jener Kanäle, die die Krankheiten verursachenden Schlackenstoffe (Ama, Unverdautes) abtransportieren und den Organismus damit entgiften. Aber nicht nur physische Schlackenstoffe werden damit ausgeleitet, auch die Ausscheidungen von seelisch Unverdautem wird dadurch angeregt.

Zugleich nimmt die Haut mit demÖl Nahrung (gegebenenfalls auch medizinische Substanzen) auf, und durch die Wahl des passenden Öls werden die Doshas (Vatta, Pitta, Kapha) beeinflusst. Das spezielle ("medizinierte") Öl - man sagt, dass es etwa 50 bis 70 Prozent der Wirkung ausmacht - wird deshalb sorgfältig auf die Konstitution des Empfangenden, seinen aktuellen Zustand und die erwünschte Wirkung abgestimmt.


Wirkungen

Die Abhyanga, so sagt man, fügt viele Jahre zum Leben hinzu und viel Leben zu den Jahren. Vagbhata´s "Astanga Hrdaya" (Sutra 2:7-8) zufolge, einem häufig zitierten Klassiker des Ayurveda aus dem 7. Jahrhundert nach Christi, sind die Wirkungen der ayurvedischen Massage:

  • beugt dem Alterungsprozess vor und normalisiert ihn
  • neutralisiert Stress
  • harmonisiert das Nervensystem
  • verbessert das Sehvermögen
  • unterstützt den Aufbau der Gewebe
  • fördert Langlebigkeit
  • hilft bei Schlaflosigkeit
  • fördert die physische und psychische Stabilität


Weitere Massage-Formen im Ayurveda

  • Mukabhyanga: Gesichtsmassage (unter Einbeziehung des Oberkörpers) mit einem besonderen Öl
  • Padabhyanga: Fußmassage, die viele Marmas (Energiezentren) des Fußes mit einbezieht
  • Shirodhara: Stirnguss mit warmem Öl für mindestens eine halbe ayurvedische Stunde (23,75 Minuten)
  • Edelstein-Shirodhara: Die Behandlung entspricht dem Stirn-Ölguss (Shirodhara), jedoch mit einem Edelstein anstelle von Öl
  • Upahanasveda: Rückenmassage mit einem speziellen Öl und anschließender Wärmebehandlung mit Schwitzen mit aufgetragener Kräuterpaste (Lepa)
  • Marma-Massage: Ähnlich wie der Akupressur werden bestimmte Stellen, Marmas genannt, stimuliert v Udvartana: Nach kurzem Einölen (oder auch ganz ohne) wird ein Pulver aufgetragen (z.B. rotes Sandelholzpulver oder Kalmuspulver) und die eher energetisiserende Massage erfolgt mit schnellen Strichen
  • Garshan: Die Abhyanga (Ganzkörper-Massage) wird als Abwandlung ganz ohne Öl mit Handschuhen aus roher Seide durchgeführt
  • Marma Chikitsa: Im Mittelpunkt der Behandlung stehen die sechs Marmas, der gezielte Einsatz von ätherischen Ölen und Atemübungen (Vriti Shodana). Ziel der Behandlungen der fünf Körper (Ana Maya Kohsa - physischer Körper -, Prana Maya Kosha - Energie-Körper -, Manu Maya Kosha - Körper der Gefühle und Gedanken -, Buddhi Maya Kosha - Körper der reinen Wahrnehmung - und Ananda May Kosha - Körper der Glückseligkeit, Unbegrenztheit und reinen Liebe) ist es, die Wahrnehmung zu intensivieren und sensibilisieren. Sie unterstützt zudem, eingefahrene Erfahrungsmuster loszulassen und schmerzliche Erinnerungen zu verarbeiten.
  • Shiroabhyanga: Kopfmassage, die die klassische Einleitung für eine Nasenbehandlung (Nasya) mit warmen Öl, mildem Ghee oder einem lösenden Öl mit Kalmusöl darstellt
  • Udarabhyanga: Bauchmasage v Padabhyanga: Fußmassage
  • Ushnasnahna: Ayurvedische Seifenschaummassage
  • Pinda Sweda: Behandlung mit heissen Reisstempeln

Swaraabhyanga ist die Selbstmassage mit Öl. Bekannt geworden ist auch die Babymassage in der Tradition des Ayurveda. Eine gewisse Bekanntheit haben zudem die Khajuraho (Tempelmassage), die erotische Ayurveda-Massage, die mit dem Partner praktiziert wird, und die Synchron-Massage erlangt, die synchron (gleichzeitig) von zwei Masseuren mit denselben Bewegungen ausgeführt wird.


Ausbildung und Qualitätsstandards für Praktizierende

Ayurveda Wohlfühlpraktik ist seit 6. Mai 2009 als in sich geschlossenes System in der Massage-Verordnung geregelt und nachzulesen unter Verordnung des Bundesministers für Wirtschaft und Arbeit über die Zugangsvoraussetzungen für das reglementierte Gewerbe der Massage (Massage-Verordnung) - BGBl. II Nr. 68/2003, BGBl. II Nr. 135/2009 und BGBl. II Nr. 308/201).