Tuina hat als Bestandteil der Traditionellen Chinesischen Medizin eine mittlerweile über 2.000 Jahre währende Geschichte. Auf die theoretischen und diagnostischen Grundlagen der chinesischen Medizin gestützt, behandelt man mit Tuina nicht nur Probleme im Bewegungsapparat sondern auf Beschwerden und Erkrankungen des gesamten Organismus. Punkte und Meridiane werden nach den Grundsätzen der Traditionellen Chinesischen Medizin ausgewählt und durch unterschiedliche manuelle Techniken beeinflusst.

Tuina (Tui Na: "Schieben, Stoßen" und "Greifen, Aufnehmen") bezeichnet die traditionelle chinesische manuelle Behandlung in ihrer Gesamtheit. Der ebenfalls häufig verwendete Begriff Anmo (japanisch auch Anma; An Mo: "Drücken" und "Streichen") beschreibt - einer neueren Unterscheidung zufolge - mehr das, was man im Westen unter Massage versteht, wohingegen Tuina eher chiropraktische Manipulationen umfasst. Als weitere Teilaspekte der manuellen Therapie wären zudem Gu Shang Ke (Wund- und Frakturbehandlung), Li Liao (Physiotherapie) und Qi Gong (funktionale Fertigkeiten) zu nennen.

Die erste große Verbreitung fand Anmo-Tuina zur Zeit der Sui- (589 - 618) und Tang-Dynastie (618 - 907), und in vielen Therapievorschriften dieser Zeit finden sich Anwendungen für die manuelle Behandlung. Einen zweiten Höhepunkt in der Verbreitung fand die Massage in der Ming-Dynastie (1368 - 1644), in der vor allem Wissen über die Anwendung manueller Behandlung bei Kindern gesammelt wurde. Aus dieser Zeit stammt auch die Definition der manuellen Behandlung als Tuina.


Therapeutische Effekte der Tunia-Behandlung

Therapeutische Effekte der Tuina-Behandlung sind vor allem:

  • Harmonisierung des Organismus
  • Bewegung von Qi und Blut
  • Beeinflussung der inneren Organe
  • Mobilisation der Gelenke
  • Vertreibung äußerer, krankmachender Einflüsse
  • Durchgängig machen von Leitbahnen
  • Korrektur von Fehlstellungen des Stützapparates
  • Beseitigung von Schwellung und Blutstagnation
  • Auflösung von Qi-Stagnation


Techniken der Tuina-Behandlung

Im Rahmen der Tuina-Behandlung werden Techniken angewendet, die die lokalen Gegebenheiten (Konstitution, Empfindlichkeit, Meridianverhältnisse etc.) und etwaig eingedrungene krankmachende Einflüsse (Wind, Kälte, Hitze, Nässe etc.) berücksichtigen. Die Grundtechniken des Tuina sind Druck, Vibration, Bewegung auf dem Gewebe und ergreifendes Kneifen, die spezifischen Techniken:

    • Tui - Schieben
    • Na - Greifen
    • An - Drücken
    • Mo - Kreisendes Streichen
    • Rou - Knetend auf der Stelle massieren
    • Nie - Kneifend auf der Stelle behandeln
    • Cuo - Beidhändiges Hin- und Herreiben
    • Kou Ji - Klopfen und Schlagen
    • Ca - Hin- und Herreiben
    • Gun - Rollend Behandeln
    • Ban - Zug und Druck
    • Yao - Drehend bewegen
    • Dou - Schütteln
    • Qia - Fingernageldruck
    • Cai - Fußdruck
    • Nian - Drei-Finger-Technik
    • Ning - Zwei-Finger-Zwick-Technik
    • Bo - Lautenspieltechnik
    • Bashen - Extension
    • Gua - Schabtechnik

Allgemein gilt für die praktische Behandlung das Prinzip der Dreiphasigkeit: Aktivierungsphase: Anregung des Meridiansystems

    • Interventionsphase: spezifische und diagnoseabhängige Behandlungstechniken
    • Harmonisierungsphase: Ausgleichen der unter unter Umständen starken Wirkung der vorangegangenen Interventionsphase

Energie zuführend (tonsisierend) sind sanfte, langsame, langdauernde, linksdrehende Bewegungen, Energie ableitend (sedierend) sind heftige, schnelle, kurze, rechtsdrehende Bewegungen. Innerhalb der Tuina-Behandlung gibt es sowohl großflächige als auch punktuelle Techniken, wobei die punktuelle Technik bei uns im Westen vor allem als Akupressur bekannt geworden ist. v Traditionelle Schulen des Tunina sind unter anderem Yi Zhi Chan Tui Na (Ein-Finger-Meditation), Gun Fa Tui Na (Rollende Massage) und Nei Gong Tui Na (Massage der inneren Übungen).


Berufsausübung und Ausbildung

Tuina - Anmo ist seit 6. Mai 2009 als in sich geschlossenes System in der Massage-Verordnung geregelt und nachzulesen unter Verordnung des Bundesministers für Wirtschaft und Arbeit über die Zugangsvoraussetzungen für das reglementierte Gewerbe der Massage (Massage-Verordnung) - BGBl. II Nr. 68/2003, BGBl. II Nr. 135/2009 und BGBl. II Nr. 308/201).