Der Mensch lebt, so das daoistische Verständnis der Welt, zwischen Himmel (tian) und Erde (di). Der Himmel übt seinen Einfluss über die zehn Himmelsstämme (shi tian gan) aus, die Erde über die zwölf Erdenzweige (shi er di zhi). Leben bedeutet so das Ergebnis eines Zusammenspiels, eines Synergismus von Himmel (yang: Geist spendender Faktor) und Erde (yin: Form spendender Faktor). Zwischen Himmelsstämmen und Erdenzweigen besteht auf diese Weise eine Interaktion. Die Himmelsstämme beeinflussen die Fünf Bewegungen (wu yun) und die Erdenzweige die Sechs Kosmischen Energien (liu qi).

  • Die Fünf Bewegungen (wu yun) manifestieren sich auf der Erde in den Fünf Wandlungsphasen (Elementen, wu xing) und korrespondieren mit den Inneren Organen (zang fu).
  • Die Sechs Kosmischen Bewegungen (liu qi) manifestieren sich am Himmel als die Sechs Klimatischen Faktoren (liu qi) und entsprechen den sechs Zeitabschnitten.

Die Himmelsstämme manifestieren sich auf der Erde in der Jahreszeit, der Tageszeit, in Tag und Nacht ... Die Erdenzweige hingegen beeinflussen das Wetter, das Klima ...

Schon auf Orakelknochen der Shang-Zeit (ca. 16. Jhdt. v. Chr. - 11. Jhdt. v. Chr.) wurden die zehn Himmelsstämme und die zwölf Erdenzweige zur Zählung der Tage benutzt. Die Himmelsstämme wurden für die Erscheinungen von Himmelsbildern verwendet, die Erdenzweige für die Beschreibung der Mondphasen oder auch der Himmelsrichtungen. Gu Yanwu (1613 bis 1682) zufolge begann man im 5. Jahr der Zwischenregierungszeit des Wang Mang (13 n. Chr.) dem 60-stelligen Zyklus der Himmelsstämme und Erdenzweige auch für die Jahreszählung zu verwenden, wohingegen andere Autoren die erweiterte Handhabung der Himmelsstämme und Erdenzweige schon für das 2. Jahrhundert vor Christi erwähnen. Einen Höhepunkt erlebte ihre Berechung mit dem Philosophen Shao Yong im 11. Jahrhundert.