Deutliche Gewichtsschwankungen, hervorgerufen durch Gewichtsabnahmen infolge von Diäten mit anschließender erneuter Gewichtszunahme („Jojo-Diäten“) stellen für den Organismus ein größeres Krankheitsrisiko dar als stabiles Übergewicht. So weist eine Langzeitstudie von Steven Blair (Sportmediziner am Cooper-Institut in Dallas, USA) ein doppelt so hohes Risko von übergewichtigen Männern nach, an Herzerkrankungen zu sterben, wenn ihr Gewicht mehrmals um über 5 Prozent schwankt. Menschen mit rasch wechselndem Körpergewicht (Ab- und Zunahme von mindestens 5 kg), so genannte „Weight Cycler“, leiden auch der EPIC-Studie des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung zufolge signifikant häufiger an Bluthochdruck als Menschen, die ihr Gewicht halten oder Fettdepots anlegen, also „einfach“ übergewichtig werden.

Ursachen für die rasche Gewichtszunahme nach Diäten

Dass man nach einer erfolgreichen Diät wieder rasch zunimmt, hat mehrere Ursachen. Zum einen fährt der Körper bei Hungerkuren seinen Energieverbrauch zurück, nicht zuletzt weil bei fast allen Diäten nicht nur Fettdepots abgebaut werden sondern auch Muskelmasse. Zudem, das konnte in Tierversuchen an Ratten nachgewiesen werden, waren bei den Tieren, die man abwechselnd mästete und dann wieder hungern ließ, diejenigen Enzyme wesentlich aktiver, die für das Speichern von Fett verantwortlich sind. Und je häufiger man sie mästete und wieder darben ließ, desto stärker wurden diese Enzyme nach oben reguliert.

Möglicherweise sind Veränderungen im Fettgewebe auch der Grund, warum Jojo-Diäten dem Herz schaden. Die Tiere mit abwechselndem Mästen und Darben hatten in ihren Fettzellen mehr gesättigte Fettsäuren eingelagert als Tiere, die einfach nur gemästet wurden. Obwohl man nicht definitiv weiß, warum das so ist, zeigt sich ein steigendes Risiko für Herzerkrankungen, je mehr gesättigte Fettsäuren in den Depots vorhanden sind.

Auswirkungen des Essverhaltens

In den Phasen, in denen kräftig gefressen wird, steigt der Blutdruck und der Puls sowie der Anteil von Leptin, Glukose, Insulin, Triglyceriden und Cholesterin im Blut übermäßig stark – Belastungen für die Blutgefäße und Begünstigungen für die Entwicklung von Diabetes, die in den Abnehmphasen nicht wieder ausgeglichen werden können.

Weitere Studien zeigen, dass Menschen, deren Gewicht jojo-mäßigen Schwankungen unterworfen ist, häufiger an Gallensteinen, Gebärmutter- und Nierenkrebs sowie Osteoporose erkranken. Für einen ursächlichen Zusammenhang fehlen bislang plausible Erklärungen, allerdings werden eine hohe Leptin-Konzentration im Blut und Chaos im Zuckerstoffwechsel für die Entstehung von Krebs mitverantwortlich gemacht. Insulin dockt an die Antennenmoleküle von Krebsvorläuferzellen an und fördert damit deren Wachstum, was allerdings nur für bestimmte Krebsarten, wie Gebärmutter- oder Brustkrebs, gilt.

Aber auch auf die emotionale Befindlichkeit wirken sich die immer wiederkehrenden Kilos aus und führen gehäuft zu Depressionen, Alkohol- und Medikamentenmissbrauch, wie eine Harvard-Studie an jungen Akademikerinnen zeigt. Allerdings kann die Studie nicht klären, was zuerst kommt, die seelischen Probleme oder die Gewichtsschwankungen. Es gibt allerdings Hinweise darauf (und auch Erfahrungen in der Praxis deuten in diese Richtung), dass der Jojo-Effekt das Selbstwertgefühl erheblich untergräbt – mit Gefühlen von Kontrollverlust und Versagen sowie Selbstvorwürfen. Denn obwohl man heute weiß, dass genetische und Umweltfaktoren wesentliche Ursachen für Übergewicht darstellen, werden Gewichtsprobleme noch immer vorwiegend als selbst verschuldet betrachtet. Und durch das geänderte Körperbild haben vor allem Frauen zudem das Gefühl, weniger attraktiv zu sein.

Ernährungsumstellung statt Crash-Diät

Laut der US-Studie NHANEI neigt jeder dritte Übergewichtige zu Jojo-Diäten, in Finnland sind sogar 30 Prozent der Bevölkerung davon betroffen. Wenngleich es für Deutschland und Österreich keine konkreten Zahlen dazu gibt, müsste man (so Kathrin Burger in Bild der Wissenschaft 3 / 2008) davon ausgehen, dass 90 bis 95 Prozent aller Menschen, die in ihrem Leben mindestens einmal eine Diät machen, den Jojo-Effekt erfahren, denn so hoch ist die Rückfallsquote: 90 bis 95 Prozent von ihnen schaffen es nicht, ihr durch die Diät reduziertes Gewicht länger als ein Jahr zu halten.

Vor allem Menschen, die in Crash-Diäten ihr Gewicht herunterhungern, aber täglich stundenlang fernsehen und sportlich kaum aktiv sind, sind rückfallgefährdet, d.h. es dauert im Allgemeinen nicht lange, bis sie wieder ihr Ausgangsgewicht (oder sogar mehr) erreicht haben. Entsprechend empfehlen Ernährungswissenschaftler eine dauerhafte Ernährungsumstellung und körperliche Aktivität anstelle von Diäten, die eine rasche Gewichtsreduktion versprechen. Eventuell zu berücksichtigen, so die Empfehlungen der Wissenschaftler, ist eine begleitende psychotherapeutische Unterstützung, wenn Essen auch dazu dient, Konflikte und Stress zu bewältigen.