Weltweit über 300 Millionen Menschen sind, so die Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO), stark übergewichtig oder adipös, wie es die Ernährungsmediziner nennen. Diese Zahl ist in den letzten Jahren weltweit gestiegen, wobei heute schon mehr Menschen in der 3. Welt und in den so genannten Schwellenländern adipös sind als in den Industrieländern. Das Problem des Übergewichts nimmt zu, obwohl in vielen Ländern die Wünsche der Ernährungsmediziner auf fruchtbaren Boden gefallen sind.1)

Der Body-Mass-Index (BMI) ist das Maß, mit dem Über- oder auch Untergewicht ermittelt wird. Rechnerisch ergibt er sich aus dem Körpergewicht (in Kilogramm) geteilt durch die Körpergröße (in Metern) zum Quadrat.

Ein Mensch mit einem Gewicht von 72 kg und einer Größe von 1,70 Meter hat so einen BMI von 25. Eine andere Person mit 113 kg und einer Größe von ebenfalls 1,70 Meter hat einen BMI von 40.

UntergewichtBMI unter 20 
NormalgewichtBMI zwischen 20 und 25
leichtes ÜbergewichtBMI zwischen 25 und 30
starkes ÜbergewichtBMI zwischen 30 und 40
krankhaftes ÜbergewichtBMI über 40

Diese Zuordnung gilt nur für "normale" Erwachsene, nicht für Leistungssportler, Schwangere und Kinder.

In Deutschland, so die Ergebnisse einer Umfrage der Zeitschrift "Brigitte" aus dem Jahr 2000, hat vermutlich jede zweite Frau mindestens einen Diätversuch hinter sich, 5 Prozent der Frauen führen ständig eine Diät durch und rund 15 Prozent kaufen Produkte, die angeblich schlank machen.

Die Erfahrung zeigt jedoch, dass die Menschen dennoch immer dicker werden - und das, obwohl die Diäten, die gelebt werden, wirken und die meisten Menschen mit ihrer Hilfe an Gewicht verlieren. Bei 90 Prozent der Abnehmwilligen steigt allerdings nach anfänglichen Erfolgen das Gewicht wieder an, und nach etwa fünf Jahren sind fast alle wieder (gewichtsmäßig) da, wo sie gestartet sind - eine Erfahrung, die die Abnehmwilligen mit jeder Diät (trotz aller Begleitprogramme) erneut machen. Ernährungsmediziner sprechen dabei vom so genannten Jojo-Effekt. Dieser Effekt hat, so die Forschung, seine Ursache vor allem darin, dass die Evolution den menschlichen Körper auf eine ökonomische Energieauswertung ausgerichtet hat und er deshalb fehlende Kalorien als Notsituation bewertet und umgehend Gegenmaßnahmen einleitet.

Die erste Körperreaktion, die eine Diät nach sich zieht, ist im Magen die Produktion des Hormons Ghrelin, das ein Hungergefühl auslöst. In den nächsten Tagen zieht das Fettgewebe nach, das jetzt weniger Ceptin produziert, ein Hormon, das bisher das Hungergefühl gedämpft hat. Beide Phänomene zusammen erwecken einen immer stärker und drängender werdenden Wunsch, der zunehmend das Denken beherrscht: Essen!

Menschen, die abnehmen wollen, müssen deshalb, sobald sie merklich an Gewicht verloren haben, einem intensiven Hungergefühl widerstehen. Zudem wirkt sich auch noch ein Denkfehler aus, denn eine Abnahme von 10 kg Körpergewicht bedeutet auch 500 Kilokalorien pro Tag weniger Energieverbrauch. Es reicht deshalb nicht, nur zum Abnehmen weniger zu essen. Wer abgenommen hat, muss darüber hinaus langfristig weniger Kalorien zu sich nehmen, um das - reduzierte - Gewicht zu halten.

Als weitere Reaktion auf das Abnehmen drosselt der Körper den Energieverbrauch, indem er die "Antreiber" der Stoffwechselprozesse herunterfährt: die Schilddrüsenfunktion und das sympathische Nervensystem. Der Stoffwechsel stellt sich damit um, und alles, was der Körper nach dem Beginn der Diät zu sich nimmt, wird effizienter verarbeitet als zuvor.

Wie stark solche Sparsamkeitsfunktionen beim Einzelnen zum Tragen kommen, ist größtenteils genetisch bedingt, wobei etwa 60 bis 80 Prozent des Übergewichts von genetischen Faktoren bedingt zu sein scheint. Ein genetischer Schaden, der das fein abgestimmte Stoffwechselregelwerk durcheinander bringt, liegt jedoch nur selten (und meist nur bei extrem übergewichtigen Menschen) vor. In der Regel aber leiden besonders jene Menschen unter Fettleibigkeit (Adipositas), die genetisch gut für Notfälle gerüstet sind und mit wenig Nahrung auskommen können.

Während Diäten - auf Dauer gesehen - bei Erwachsenen erfahrungsgemäß meist wirkungslos bleiben, können sie bei Kindern, wie eine Langzeitstudie des US-Forschungskrankenhauses Brigham and Womens Hospital (BWH) in Boston im Herbst 2003 zeigte, sogar regelrecht schädlich und eine der Ursachen für die inzwischen weit verbreitete Fettsucht unter Heranwachsenden sein. Das erschreckende Ergebnis der Studie ist, dass die Kinder um so dicker wurden, je ausgeprägter sie Abmagerungskonzepten folgten. Selbst Kinder, die nur selten eine Diät machten, waren deutlich dicker als Kinder, die ganz normal aßen. Die Leiterin des BWH-Kinderernährungsprojekts Alison Field befürchtet deshalb, dass die Diät-Kinder mit ihren Hungerkonzepten ein völlig falsches Essverhalten erwerben und zwischen Phasen eingeschränkter Nahrungsaufnahme und solchen mit völligem Überfressen hin- und herspringen.

Manfred James Müller (Professor für Humanernährung an der Universität Kiel) betont im Kontext der zunehmenden Adipositas zudem deren gesellschaftliche Dimension. Unsere Gesellschaft steht nämlich, so Professor Müller, vor dem Zwiespalt, dass wir einerseits Konsum und (Ess-) Genuss fördern (und einen hohen Stellenwert einräumen), andererseits aber Dicksein als schlecht bewerten. In diesem Kontext (und verschärft dadurch, dass sich ein einmal erworbenes Übergewicht nur schwer bekämpfen lässt) gilt es für viele Fachleute, insbesondere die Prävention zu fördern, z.B. durch ein Verbot von Nahrungswerbung, die sich direkt an Kinder wendet.2)

Ein zweiter wichtiger Aspekt ist die körperliche Bewegung, die in unserer Gesellschaft immer weiter in den Hintergrund tritt. Die Arbeit verlangt kaum noch körperlichen Einsatz. Treppen werden durch Rolltreppen und Lifte ersetzt und kaum noch wer geht zu Fuß, wo er fahren könnte. Bislang gilt der breite gesellschaftliche Konsens, dass wir es gerne ein bisschen bequemer haben wollen. Aber, um es rechnerisch auszudrücken: Um in 10 Jahren 10 Kilogramm zuzunehmen, reicht es aus, jeden Tag 100 Kilokalorien mehr zu sich zu nehmen, als der Körper braucht. Das sind zwei Kekse täglich oder aber etwa 2500 Schritte, die wir nicht gegangen sind.