Zen-Shiatsu

Nach der Untersuchung der Symptome und Zeichen und der Identifikation des Disharmoniemusters ist der nächste Schritt in der Traditionellen Fernöstlichen Medizin die Auswahl der geeigneten Behandlung. Der Behandler muss einen Therapieplan entwickeln, der festlegt, was zuerst behandelt werden und welche Therapiemethode als erste angewendet werden soll.

Es ist die Aufgabe des Behandlers zu entscheiden, ob beispielsweise bei einer schon länger bestehenden grippeartigen Erkrankung zuerst das mittlerweile schon erschöpfte Qi gestärkt werden soll, oder ob zuerst die eingedrungene pathogene Energie, die für die Symptome verantwortlich ist, vertrieben werden soll.

Es ist für die alltägliche Praxis der Traditionellen Fernöstlichen Medizin unerlässlich, immer wieder eine klare Entscheidung zu treffen, was ursächlich (primär) ist und was sekundär. In der Tradition der chinesischen Medizin spricht man von den "Wurzeln" (Ben) und den "Zweigen" oder Manifestationen (Biao).

Als Wurzel betrachtet man die Ursache einer Erkrankung, die erste Entgleisung oder aber auch die chronische Erkrankung, wohingegen man die klinische Manifestation, die Folgeerkrankung oder die akuten Krankheitszeichen als Zweige (Manifestationen) bezeichnet. Im klinischen Alltag ist es die Kunst des Behandlers, aus den Manifestationen (Zweigen) die Wurzel "herauszulesen", denn "willst Du eine Erkrankung behandeln, so finde ihre Wurzel".

Üblicherweise, weil die Wurzel primär ist, erfolgt die Behandlung der Erkrankung über die Therapie der Wurzel. Gelegentlich, vor allem wenn die Manifestation selbst das ursprüngliche Problem noch verlängern würde, behandelt man die Wurzeln und die Zweige zugleich. Unter gewissen Umständen jedoch müssen die Zweige vor den Wurzeln behandelt werden, dies vor allem bei sehr gravierenden oder sogar lebensbedrohlichen klinischen Symptomen, wie z.B. bei Blutungen, starken Schmerzen, schweren Schlafstörungen u.ä.m.