• Die Leber, der Atem und der Fluss des Qi (Eduard Tripp)

    Atmung und Qi Der göttliche Atem ist es, der alle Lebewesen lebendig macht. Der christliche Mythos beschreibt einen Schöpfergott, der alle Tiere und auch den Menschen aus Lehm formte und ihnen dann das Leben schenkte, indem er ihnen seinen göttlichen Atem einhauchte. Solange der Mensch lebt, ist es eben dieser Atem, der ihn von der unbeseelten Natur unterscheidet. Im Tod allerdings verlässt er ihn, kehrt gleichsam zu seinem Ursprung zurück und lässt die Materie unbelebt und unbeseelt zurück: Asche zu Asche und Staub zu Staub. Lange Zeit war es dann auch faktisch der Atem, der als Zeichen herangezogen wurde, ob ein Mensch (noch) lebt: Ein Spiegel, den man ihn vor…

  • Der Atem in der Arbeit mit Shiatsu (Eduard Tripp)

    Im Normalfall, soweit ich die verschiedenen Stile hier in Österreich (und ein wenig angrenzend) kenne, wird in Shiatsu-Sitzungen selten direkt mit der Atmung gearbeitet – nur indirekt, zum Beispiel über das Ansprechen des Systems Lunge oder über eine entspannte Ruhe, die sich durch die Behandlung einstellt, und der Atmung die Möglichkeit gibt, vom Bewusstsein unkontrolliert zu fließen und den ihr adäquaten Rhythmus zu finden. Man kann sich den Atem wie Wellen an einer Meeresküste vorstellen:[1]Das Bild des Atems als Welle an der Meeresküste stammt in der vorliegenden Form von Walter Johannes (Die heilende Kraft des Atems, 1987). Eine Welle nach der anderen rollt an, überschlägt sich und zieht sich wieder…