• Warum ist die Blase so unbedeutend in der TCM? (Eduard Tripp)

     Studiert man die traditionelle chinesische Medizin, so zeigen sich Widersprüche oder zumindest scheinbare Widersprüche zwischen Pharmakologie einerseits und Akupunktur, Tuina andererseits, die auch Shiatsu betreffen. Elf oder zwölf Organe? Die erste Auffälligkeit ist, dass es in Akupunktur, Tuina und Shiatsu zwölf Meridiane und damit auch Organe gibt, in der Pharmakologie der TCM allerdings nur elf Organe (fünf Yin und sechs Yang). Perikard (Herzhülle, Meister des Herzens) gilt der TCM nicht als eigenes Organ, sondern als „Funktion des Herzens“. Man spricht vom „Minister des Feuers“, der den Kaiser, das Herz, unterstützt und schützt. Qi, wie es in der Akupunktur betrachtet und behandelt wird, zirkuliert allerdings in sechs Meridianpaaren (und damit zwölf…

  • Die Entwicklung der Chinesischen Medizin auf dem Hintergrund von Geschichte und Kultur. Bezug nehmend auf den medizinsoziologischen Ansatz von Paul U. Unschuld (Eduard Tripp)

    Die klassische Medizingeschichte sieht die Entwicklung der Medizin als Abfolge einer fortschreitenden Entdeckung der objektiv gegebenen Natur. Dieser Sicht widerspricht der Medizinhistoriker und Sinologe Paul Unschuld. Sein an Hand der Entwicklung der chinesischen und europäischen (griechischen) Medizin dargelegter Ansatz geht davon aus, dass der Körper nicht ausreichend Aussagekraft besitzt, um das medizinische Denken und Handeln hinreichend zu begründen. Medizinisches Wissen war und ist immer nur „Wahrschein“, nicht „Wahrheit“. Die Entstehung und Fortentwicklung neuer medizinischer Ansätze, so Unschuld, ist weniger eine Folge des wissenschaftlichen oder therapeutischen Fortschritts, sondern vorrangig der sich jeweils wandelnden soziokulturellen und politischen Verhältnisse. Medizinische Theorien jeder Epoche und Region erhalten ihre Überzeugungskraft in einem mehr oder weniger…