ESF & ISN. Gemeinsam für Shiatsu in Europa (Oktober 2011)

Gegründet wurde die ESF (https://www.europeanshiatsufederation.eu/de/home-de) im Februar 1994 von den nationalen Verbänden von Italien (Federazione Italiana Shiatsu, FIS), England (Shiatsu Society), Schweiz (Shiatsu-Gesellschaft Schweiz, SGS), Deutschland (Gesellschaft für Shiatsu in Deutschland, GSD) und Österreich (Österreichischer Dachverband für Shiatsu).

Die wesentlichsten Aufgaben, die sie sich zum Ziel gesetzt hat, sind:

  • die europaweite Legitimierung von Shiatsu als eigenständiges Berufsbild im Bereich der alternativen und komplementären Gesundheitsberufe;
  • gegenseitige Hilfe und Unterstützung bei den nationalen Bestrebungen, ein eigenes Berufsbild für Shiatsu-Praktiker*innen zu schaffen;
  • die Förderung und Mitentwicklung von Forschungsprojekten in Bezug auf Shiatsu;
  • einheitliche Ausbildungsrichtlinien für Shiatsu-Praktiker*innen und Lehrer*innen;
  • die Förderung des Erfahrungsaustausches zwischen den einzelnen europäischen Ländern etwa in Form von internationalen Kongressen und Workshops; sowie
  • die Entwicklung der European Shiatsu Federation als internationale, professionelle Standesorganisation.

Auf Grund u.a. inhaltlicher Differenzen traten 2001 die Schweiz und 2002 Italien und Deutschland aus der ESF aus. Sie gründeten im September 2003 zusammen mit Frankreich (FFST) das International Shiatsu Network (ISN, www.shiatsunetwork.com). Das Hauptziel des ISN ist es, eine Plattform zu sein für den Informationsaustausch und die Kooperation zwischen nationalen Verbänden.

Das ISN bezweckt, die rechtliche Anerkennung von Shiatsu zu unterstützen und die Interessen der Mitglieder zu vertreten. Es bildet eine Plattform für gemeinsame Projekte, die auf freiwilliger Basis realisiert werden. Die Ziele des International Shiatsu Network und seiner Mitglieder sind:

  • Shiatsu zu verbreiten und international zu organisieren und zu repräsentieren;
  • Kulturelle, historische, politische und didaktische Erfahrungen mit Shiatsu auszutauschen;
  • Sich gegenseitig zu unterstützen durch Informationen, Dokumente und Adressen;
  • Gemeinsame Interessen zu diskutieren und zu verfolgen.


Gemeinsam für Shiatsu in Europa

Während der ersten Jahre nach Trennung aus der ESF und Gründung des ISN herrschte zwischen den beiden Organisationen so etwas wie „angespanntes Schweigen“ und gegenseitiges Ignorieren. Eine Annäherung gab es dann auf Vermittlung von Österreich (Eduard Tripp, der vor allem auf Grund seiner berufspolitischen Tätigkeit ein Naheverhältnis auch zu den ISN-Vertreter*innen hatte) und es kam zu einem ersten Treffen zwischen ISN-Vertreter*innen und ESF-Vertretern (David Homes, Frans Copers, Eduard Tripp) am Rom-Kongress des ISN im Mai 2009. Dort wurde die Zusammenarbeit auf europäischer Ebene beschlossen, die zu diesem Zeitpunkt vor allem die Erstellung einer gemeinsamen Definition und eines einheitlichen Curriuculums umfasste.

Der zentrale Grundgedanke dabei war (und ist): Es gibt zwei europäische Verbände mit einem etwas unterschiedlichem Selbstverständnis und unterschiedlichen Schwerpunkten, die aber gemeinsam an der Anerkennung von Shiatsu in Europa arbeiten und gemeinsame Projekte in Workinggroups erarbeiten.

Das nächste Treffen war im Oktober 2010 in Prag, wo die Zusammenarbeit bekräftigt und intensiviert wurde, und schließlich im Oktober 2011 im Rahmen des 3. Europäischen Shiatsu-Kongresses in Kiental (Schweiz). Das letzte Treffen stand unter dem Zeichen einer gemeinsamen politischen Arbeit in Europa, deren immens wichtige Bedeutung für die Zukunft von Shiatsu in allen europäischen Ländern mit diesem Schritt auch vom ISN anerkannt wird.

Abgeschlossen wurde das Treffen am 3. Europäischen Kongress mit einer gemeinsamen Präsentation vor etwa 90 Kongressteilnehmer*innen, die den Ausführungen der ESF- und ISN-Delegierten folgten. Deutlich wurden dabei auch die unterschiedlichen Schwerpunkte der beiden Organisationen: Das ISN, dessen zentrale Ausrichtung auf der Schaffung einer gemeinsamen Definition und eines Berufsbildes für den*die Shiatsu-Praktiker*in liegt (das den Vorstellungen und Bedürfnissen aller Mitgliedsländer Rechnung trägt), und des ESF, dessen primäres Ziel die Etabilierung von Shiatsu in der europäischen Gesundheitspolitik (im Rahmen von CAM, Complementary and Alternative Medicine) liegt.