Psychotherapie ist ein Bereich professioneller Verfahren mit einem Spektrum von Intentionen das sich erstreckt von der Behandlung von Patienten, die an psychischem, psychosomatischem oder psychosozialem Distress oder Ungleichgewicht leiden, bis hin zur Verbesserung der Lebensqualität von Klienten, die besseren Kontakt mit sich selbst und mit anderen suchen. Es ist eine spezielle Form der interpersonalen Kommunikation zwischen Individuen - oder im Gruppenkontext - die sowohl verbale als auch nonverbale Methoden für Verstehen und Intervention nutzt. Psychotherapie nutzt spezifische Formen, Wissen und Fertigkeiten, die auf einem Verständnis psychologischer Gesundheit und Pathologie basieren.

Psychotherapie zielt darauf ab, Haltungen und Verhalten in Bezug auf die problematischen Bereiche des persönlichen und sozialen Lebens zu verändern, Symptome zu lindern und Voraussetzungen für Leiden zu verringern, hinderliche Persönlichkeitsmuster in Verbindung mit Unglück und Stress zu modifizieren, neue Strukturen für Erfahrung und Ausdruck zu ermutigen, intrapsychische und interpsychische Integration, die Qualität innerer Erfahrungen und persönlicher Kontakte zu verbessern.“1


Erläuterungen

  • Psychotherapie ist ein bewusst reflektierter und entwickelter Interaktionsprozess, der seine Basis so weit als möglich in gemeinsam definierten Zielen und einem Konsens zwischen Psychotherapeut und Patient oder Klient über die Richtung der Veränderung hat.
  • Wie alle Behandlungsmethoden stützt sie sich auf definierte ethische Prinzipien, in denen das Wissen der Therapeuten um sich selbst und eine nicht bewertende Haltung die Grundlage bilden.
  • Die Techniken der Psychotherapie können gelernt, erforscht und theoretisch erläutert werden. Sie beziehen sich auf relevantes Wissen in der Medizin, der Psychologie und den Human- und Psychosozialwissenschaften.
  • Entsprechend dem gegenwärtigen Stand des Wissens ist Psychotherapie eine Behandlungsform für innerlich geschaffene und aufrechterhaltene Probleme der Person, die die Gesundheit und das Wohlbefinden betreffen. Sie wird im Kontext der konkreten Lebenssituation, in einem bestimmten Stadium der psychosozialen Entwicklung und in einem intentionalen Bezugsrahmen angewendet. Sie bezieht sich auf eine Theorie für normale und pathologische Entwicklung und sieht den Menschen als Ganzes.
  • Psychotherapie richtet sich an eine oder mehrere der folgenden sich individuell ausdrückenden Aspekte der Person: Erfahrung, bewusste und unbewusste Prozesse, Emotionalität, Sexualität, Kognition, Träume, Symbole und Imagination, Glaube und Wertung, Bedeutung, Orientierung, Intentionalität und andere personale und soziale Aspekte der Person, die sich auf die Ursprünge der Haltungen und Zustände beziehen, die sich in der Therapie zeigen.
  • Innerhalb der allgemeinen Kategorie der psychosozialen Einflüsse, die von einer Person auf eine andere im Rahmen einer interpersonalen Beziehung ausgeübt wird, hat die Psychotherapie einen speziellen Platz. Sie ist eine eigene Form eines solchen Einflusses im Unterschied zu anderen. Psychosoziale Einflüsse sind Phänomene, die in verschiedenartigen zwischenmenschlichen Beziehungen vorhanden sind. Einige von diesen, wie z.B. Erziehung, Propaganda etc. haben nicht notwendig direkt mit der Hilfe bei Problemen oder Heilungsprozessen zu tun. Einige psychosoziale Einflussnahmen haben eine helfende Qualität, finden aber ihren Platz außerhalb der Psychotherapie wie z.B. soziale Beratung (zur Verbesserung persönlicher Entwicklung, sozialer Fähigkeiten usw.). Andere Formen haben ihren Platz im Gesundheitssystem, sind nicht eigentlich Psychotherapie und haben ihren Wert in der Unterstützung der Rehabilitation von Menschen, die an Stress, Krankheit oder Unglück leiden (sogar chronische Schmerzen oder Sterbeprozesse), aber ohne mit den Problemen in der Tiefe oder der Intensität zu arbeiten, worauf die Psychotherapie zielt. Um die Psychotherapie von diesen Formen zu unterscheiden, wollen wir jene psychosoziale oder psychologische Hilfe oder Beratung nennen, im Unterschied zur Psychotherapie wie sie oben definiert wurde.

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[1] Definition der European Association for Psychotherapy (EAP, www.europsyche.org) Quelle: Psychotherapie Forum Supplement Vol. 11 No. 2 2003, S. 65 - 67