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Himmelsstämme & Erdenzweige
Der Mensch lebt, so das daoistische Verständnis der Welt, zwischen Himmel (tian) und Erde (di). Der Himmel übt seinen Einfluss über die zehn Himmelsstämme (shi tian gan) aus, die Erde über die zwölf Erdenzweige (shi er di zhi). Leben bedeutet so das Ergebnis eines Zusammenspiels, eines Synergismus von Himmel (yang: Geist spendender Faktor) und Erde (yin: Form spendender Faktor). Zwischen Himmelsstämmen und Erdenzweigen besteht auf diese Weise eine Interaktion. Die Himmelsstämme beeinflussen die Fünf Bewegungen (wu yun) und die Erdenzweige die Sechs Kosmischen Energien (liu qi). Die Fünf Bewegungen (wu yun) manifestieren sich auf der Erde in den Fünf Wandlungsphasen (Elementen, wu xing) und korrespondieren mit den Inneren Organen (zang…
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Chinesische Zeitrechnung
Der Legende zufolge soll der chinesische Kalender vom legendären Kaiser Huang Di im Jahre 2636 v. Chr. erfunden worden sein. Archäologen können durch Funde von Kalenderdaten auf Orakelknochen seine Anfänge zumindest bis in das 14. Jahrhundert vor Christi Geburt zurückverfolgen. Die letzte Anpassung des Kalenders, wie er uns heute bekannt ist, erfolgte zur Zeit der Qing-Dynastie im Jahre 1645. Während solare Kalender (wie der westliche, uns vertraute Kalender) auf der Bewegung der Erde um die Sonne basieren und die Monate keinen Bezug zu den Phasen des Mondes haben, ist der chinesische Kalender ein lunisolarer Kalender, der die Bewegungen der Erde um die Sonne (solarer Aspekt) und die Bewegung des Mondes…
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Unterschiede zwischen dem Chinesischen & westlichen Sprachen
1) Ursprünge Die meisten westlichen Sprachen bestehen aus Wörtern und grammatikalischen Strukturen, die aus vielen linguistischen Quellen herrühren. Die chinesische Sprache hingegen hat fast ausschließlich eine Quelle, nämlich sich selbst. 2) Muster des Denkens, der Logik und des Ausdrucks Das Verb “sein”, das in den westlichen Sprachen eine Zustand ausdrückt, existiert im Chinesischen nicht in alltäglichen Aussagen. Eine Frage wird in der chinesischen Sprache derart ausgedrückt, dass zuerst die positive Aussage formuliert wird und dann die Alternative dazu: Ni hao bu hao (“Wie geht es dir?”) bedeutet wörtlich eigentlich “gut nicht gut”. “Zou bu zou” (“gehen nicht gehen”) fragt, ob jemand irgendwohin gehen will. Das traditionelle chinesische Denken sieht die…
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Die Sprache der TCM
Während wir im Westen es gewohnt sind, lateinische Wörter und Phrasen mit einer medizinischen Bedeutung zu assoziieren und Laien meist gar nicht erwarten, die Sprache der medizinischen Spezialisten zu verstehen, leitet sich die Sprache der Traditionellen Chinesischen Medizin von allgemein bekannten Begriffen ab, die die Menschen seit Generationen benutzen.[1]Quelle: Zhang Yu Huan & Ken Rose: “Den Drachen reiten”, O.W. Barth Verlag Die Chinesen sind daher – anders als wir Europäer – mit dem Vokabular ihrer traditionellen Medizin von vornherein vertraut. Die Sprache der chinesischen Medizin leitet sich von Worten ab, die größtenteils auch im alltäglichen Leben verwendet werden. Deshalb, um die Sprache der traditionellen chinesischen Medizin zu verstehen, ist es…
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Aussprache der Pinyin-Transkription chinesischer Wörter
Die heute gebräuchliche und anerkannte Lateinumschrift für chinesische Ausdrücke und Namen ist Hanyu Pinyin. Ihre wichtigsten Regeln für die Aussprache sind: B, D, F, G, K, L, M, N, P, T entsprechen in ihrer Aussprache in etwa den deutschen Konsonanten Abweichend ausgesprochen werden folgende Konsonanten und Konsonantenkombinationen:C wie TZ (in Sitzhöhe) Für folgende Vokale und Vokalkombinationen gilt eine vom Deutschen abweichende Aussprache:UEW und Y gelten im Chinesischen als reine Vokale (nicht als Halbvokale wie in der deutschen Sprache) und werden in der Pinyin-Transkription bei anlautlosen Silben mit U (dann W; gesprochen wie das W im englischen “way”) und I (dann Y; gesprochen wie das Y im englischen “you”) geschrieben. Für…
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Chinesische Schrift
Die chinesische Schrift hat sich heutigen Forschungen zufolge Anfang des zweiten Jahrtausends vor Christi Geburt entwickelt. Den Beginn bildeten vermutlich Symbole, die Wahrsager in Orakelknochen schnitzten. Daraus entwickelten sich etwa 3.500 Zeichen, die anfangs vor allem auf Knochen und Bronzegefäßen festgehalten wurden. Um etwa 1000 vor Christi begann man mit Schreibpinsel auf Bambustäfelchen zu schreiben, ab dem 2. Jahrhundert vor Christi auf Seide und ab 105 nach Christi Geburt auf Papier. Ursprünglich stellte jedes Zeichen ein Wort dar. Doch schon bald kam ein lautangebendes Element dazu, um Begriffe wiederzugeben, die sich bildlich nicht ausdrücken lassen. Da sich schließlich viele Zeichen ähnelten, wurden den Zeichen um 213 vor Christi neue Striche…
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Sprache, Schrift & Zeitrechnung
Die chinesische Schrift hat sich wahrscheinlich Anfang des zweiten Jahrtausends vor Christi Geburt entwickelt, wobei ursprünglich jedes Zeichen ein Wort darstellte. Den Beginn bildeten vermutlich Symbole, die Wahrsager in Orakelknochen schnitzten. Daraus entwickelten sich etwa 3.500 Zeichen, die anfangs vor allem auf Knochen und Bronzegefäßen festgehalten wurden. Die heute gebräuchliche und anerkannte Lateinumschrift für chinesische Ausdrücke und Namen ist Hanyu Pinyin. Die für die gesamte Medizintradition des Fernen Ostens grundlegende Lehre von Yin und Yang wurde erstmals im „Buch der Wandlungen” (Yi Jing) beschrieben. Und das älteste medizinische Fachwerk ist das „Buch des Gelben Kaisers zur Inneren Medizin” (Huang Di Nei Jing)… Überblick über die Menüpunkte und Seiten von “Schrift,…
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Bewusstsein, Tod & Wiedergeburt
Das Tibetische Totenbuch (Bardo Thödol, Große Befreiung durch Hören im Zwischenzustand) beschreibt drei Zwischenzustände (Bordos) zwischen Tod und Wiedergeburt. Im “Bardo des Todes” erlebt das Bewusstsein des Verstorbenen eine intensive Lichtvision, die als “Klares Licht” oder “Innerer Glanz” beschrieben wird. Jetzt ruht das Bewusstsein vollkommen in sich, ohne dualistische Trennung von Subjekt und Objekt. Kann das Bewusstsein diesen Zustand höchster geistiger Klarheit, in dem der wahre Charakter, die “Leerheit” der Wirklichkeit (sunyata) erkannt wird, nicht halten – was nur nach entsprechender Vorbereitung möglich ist – tritt das Bewusstsein in den zweiten Zwischenzustand ein, das “Bardo des Erwachens” oder “Bardo der Wirklichkeit”. Hier werden unterschiedliche Visionen erlebt, von kaum erträglichen Lichterscheinungen…
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Die Einführung des Buddhismus in Tibet
Die Einführung des Buddhismus in Tibet hat etwa 500 Jahre gedauert, vom siebenten bis zum elften Jahrhundert nach Christi – eine Zeit großer politischer Umwälzungen. Historisch verbunden ist die Einführung des Buddhismus in Tibet mit vier religiösen Königen (den so genannten dharmarajas) Songtsen Gampo, Trisong Detsen, Ralpachen und Yeshe Ö. Songtsen Gampo Songtsen Gampo regierte im 7. Jahrhundert. Er setzte das Werk seines Vaters fort und vereinigte die Fürstentümer, in die Tibet zu dieser Zeit zersplittert war. Die Verwaltung wurde zentralisiert und Tibet wurde eine politische Macht mit militärischer Schlagkraft. Wenngleich Tibet nun vereint war und eine beträchtliche Stärke besaß, so war es zum damaligen Zeitpunkt allen seinen – buddhistischen…
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Die drei Fahrzeuge (yana) des Buddhismus
Der Buddhismus war von etwa 500 v. Chr. bis 1.000 n. Chr. die beherrschende Religion in Indien und durchlief dabei drei deutlich unterscheidbare Stadien, in denen jeweils besondere Aspekte im Vordergrund standen. Das erste Stadium der Entwicklung des Buddhismus, das etwa 500 Jahre dauerte, wird als Hinayana oder “kleines Fahrzeug” bezeichnet. Die Betonung in dieser Zeit liegt vor allem in ethischen und psychologischen Aspekten hinsichtlich der Auslegung des Dharma. Man studierte und analysierte den menschlichen Geist, insbesondere in Bezug auf Meditation und höhere Zustände des Bewusstseins. Weitere zentrale Themen waren die ethische Disziplin und monastische Regeln. Das zweite Stadium, das ebenfalls 500 Jahre dauerte, wird als Mahayana oder “großes Fahrzeug”…